Jahrgang 
1886
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Gymnasium zu Dillenburg ernannt worden. Beiden Lehrern sage ich hier nochmals für die dem Gymnasium geleisteten Dienste den gebührenden Dank.

Das Wintersemester wurde am 13. Oktober eröffnet. Nach gemeinsamer Andacht wurden die Schülergesetze vorgelesen und erläutert. Hierauf begrüsste der Direktor den nach halbjährigem Urlaub zur Ausübung seines Berufes zurückgekehrten Oberlehrer Dr. Wolff und führte den neu-

eintretenden Hülfslehrer Dr. W. Peters in sein Amt ein.

Wilhelm Peters, geboren am 3. April 1859 zu Heiligenstadt, kath. Confession, Sohn des Gymnasial- direktors Dr. Peters zu Hadamar, besuchte die Gymnasien zu Heiligenstadt und Hadamar und widmete sich von Herbst 1877 bis dahin 1881 auf den Universitäten zu München und Göttingen dem Studium der Philologie. Auf Grund der Dissertation: Observationes ad P. Ovidii Nasonis Heroidum epistulas wurde ihm zu Göttingen die philo- sophische Doktorwürde verliehen. Am 1. Juli 1882 bestand er ebendaselbst die Prüfung pro facultate docendi. Nach- dem er hierauf seiner Militärpflicht genügt hatte, absolvierte er vom 1. Oktober 1883 ab das vorschriftsmässige Probejahr am Gymnasium zu Hadamar und versah vom Herbst 1884 an ein Jahr lang eine Lehrerstelle am Gymna- sium zu Hersfeld. 4

Mit Anfang des Semesters trat ausserdem der dem Gymnasium zur Ableistung des Probejahrs überwiesene Kandidat J. Kromm aus Offenbach a. M. in Thätigkeit.

Sonnabend den 31. Oktober beehrte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterrichte sämtlicher Lehrer bei.

Am 8. November begingen die evangel. Lehrer und Schüler der Anstalt in der Marienkirche gemeinsam die Feier des heil. Abendmahls..

Durch Verfügung K. Prov.-Schulkoll. vom 9. November Wwurde austatt des von hier versetzten Kaplans Dr. Fischer G. Programm von 1885) dem von dem Herrn Bischof zu Fulda vorgeschla- genen Kaplan Rhiel bierselbst der katholische Religionsunterricht am hiesigen Gymnasium übertragen.

Wilhelm Rhiel, geb. den 31. März 1859 zu Erfurtshausen(Kreis Kirchhain), absolvierte das Gymnasium zu Fulda und empfing nach 4jährigem Studium der Theologie zu Würzburg im April 1882 die Priesterweihe. Nachdem er sich hierauf noch 4 Semester auf den Universitäten zu Würzburg und Marburg dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften gewidmet hatte. wurde er am 1. April 1884 als Kaplan an der hiesigen katholischen Kirche angestellt.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December bis zum 7. Januar.

Am letztgenannten Tage wurde ein Schulactus zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs veranstaltet. Der Direktor schilderte in der Festrede die Zustände in Deutschland und Preussen vor 25 Jahren und legte die Verdienste des Kaisers um den preussischen Staat und um die Neugestaltung des deutschen Reiches im Kriege und im Frieden dar.

Am 12. Februar fand vor einer zahlreichen Zuhörerschaft in der Gymnasialaula eine musi- kalisch-deklamatorische Abendunterhaltung statt, bei welcher, abgesehen von den Vorträgen der Zöglinge der Anstalt, auch musikalische Kräfte der hiesigen Stadt durch Instrumentalmusik die Anwesenden erfreuten. Der Ertrag der Aufführung wurde zum Teil an das Komitee für Errichtung eines Grimmdenkmals abgeführt, zum Teil zur Gründung einer Festkasse für Schülerfeste bestimmt.

Am 24. Februar nahm das Gymnasium an der von dem vorgenannten Komitee veranstalteten Säcularfeier der Geburt Wilhelm Grimm's Teil. Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.

Die Entlassungsprüfung wurde in ihrem schriftlichen Teile vom 15. bis 19. Februar, in dem mündlichen am 18. März unter dem Vorsitze des Direktors abgehalten. Von den 9 zur Prüfung zugelassenen Oberprimanern erlangten 8 das Zeugnis der Reife.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am 22. März durch einen Schulakt gefeiert. Die Festrede des Gymnasiallehrers Wénning hatte die Verdienste der Hohenzollern und insbeson-

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