Jahrgang 
1884
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von Duchesne) andeutet, zu weitgehenden Koncessionen im französischen Interesse zu nötigen. Bei der damaligen Besserung der politischen Lage in Frankreich durfte man sich wohl um so eher einen Erfolg von diesem Druck auf Gotfried versprechen, als Heinrich der Zänker seine ehrgeizigen Pläne selbst nach der freiwilligen Freilassung des jungen Königs Otto(auf dem Reichstag zu Rara, Juni 984) noch nicht aufgegeben hatte und auch hierdurch die Sache der kaiserlich gesinnten Lothringer noch immer aussichtslos war. Fühlte man sich doch damals durch die wiedergekehrte gute Miene Hugos am französischen Hofe so gehoben, dass man die UÜberrumpelung eines Anhängers der vormundschaftlichen Regierung in Deutschland, zweifelsohne eines lothringischen, ernstlich ins Auge fasste, woran sich gewiss noch weitergehende Hoffnungen und Pläne knüpften. Doch wer kann es wissen, ob Hugo Capets neues Betragen gegen Lothar ernst gemeint war, ob er nicht vielmehr Lothar nur zu neuen bedenklichen Schritten verleiten wollte, um ihm im geeigneten Augenblick Rat und Hülfe zu verweigern? Jener Überfall wenigstens unterblieb, wie es scheint, vielleicht weil man doch noch Misstrauen gegen Hugo fasste.

Besser wieder wurden die Aussichten der Lothringer, welche es mit den Ottonen hielten, wenige Monate später mit dem Tode des Bischofs Theoderich von Metz, des eifrigen Anhängers Heinrichs des Zänkers. Er starb am 7. September 984. Nicht nur, dass hiermit die Gegenpartei einen Kopf ärmer geworden wäre, zwei hohe Frauen, die Kaiserin Adelheid, Ottos II. Mutter, und die Herzogin Beatrix von Oberlothringen machten gemeinsame Anstrengungen und setzten es durch, dass der Sohn der Beatrix Adalbero, also der Neffe Hugo Capets, auf den bischöflichen Stuhl von Metz gelangte(16. Oktober 984). Diese Gestaltung knüpfte Beatrix natürlich noch fester an das deutsche Interesse und war wohl auch geeignet, ihren Bruder Hugo wieder mehr für dieselbe Sache zu gewinnen. Jedenfalls gewann Beatrix hiedurch an Ansehen und Einfluss und bekam freiere Hand, in ihrem Sinne in Lothringen zu schalten. Sie vornehmlich war es, welche damals der deutschen Sache in Lothringen viele Freunde gewann und sich auf dem Reichs- tage zu Worms(19. Oktober 984) um die endliche Beilegung des Widerstreites in Deutschland zwischen Otto und Heinrich die grössten Verdienste erwarb. Dieser Friede wurde der wirksamste Damm gegen weitere Unternehmungen der Franzosen zur Eroberung Lothringens, indem Heinrich der Zänker sein Herzogtum Baiern zurückerhielt und mit der vollständigen Versöhnung der beiden grossen, seit Ottos II. Tode mit einander hadernden Parteien, Deutschland seine frühere Kraft auch nach aussen wiedergewann, die es alsbald besonders gegen Osten geltend machte. Wie nätte es unter diesen Umständen und bei der jetzt vorwiegend deutschen Gesinnung in Lothringen Lothar noch wagen können, erobernd in Lothringen aufzutreten? Verdün und Graf Gotfried blieben zwar noch in seiner Gewalt; auch wurde noch kein Friede zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen und ein unruhiger Zustand dauerte an den lothringischen Grenzen gegen Frankreich fort. Aber eigentliche Eroberungsversuche waren jetzt zu Ende.

Bald auch trat das Ereignis ein, das dazu dienen musste, die deutsch-französische Streitigkeit formell zum Abschluss zu bringen. Am 2. März 986 starb König Lothar und hinter- liess eine Witwe Emma, Tochter der Kaiserin Adelheid aus deren erster Ehe mit König Lothar von Italien, und einen Sohn Ludwig, der den wankenden Thron bestieg. Wenn Emma auf das starke Deutschland und auf die vielen Deutschgesinnten in Lothringen und Frankreich, einen Adalbero von Reims, dessen Neffen Adalbero von Verdün, Adalbero von Metz und dessen Mutter