Jahrgang 
1884
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Beatrix u. A. hinsah, so musste ihr bei den schwankenden Zuständen in Frankreich eine Verlän- gerung des feindseligen Verhältnisses mit Deutschland bedenklich und es ihr vielmehr wünschens- wert erscheinen, ein Freundschaftsverhältnis mit der ihr doppelt verwandten deutschen Kaiser- tamilie anzuknüpfen, bei der allein sie eine Stütze für die Her t ihres Sohnes zu finden hoffen konnte. Sie drängte also auf ein ehrliches Abkommen mit Dawfschjand hin und fand hierin ein entschiedenes Entgegenkommen bei der Herzogin Beatrix, dis aueh- ier latkräftig in die Ent- wickelung der Dinge eingreift, sowie auch bei der kaiserlichgi Regicemng in Deutschland. Wenn sich auch die Königin Emma bei diesen Friedensbestrebungen Hass und die unangenehmsten Intriguen von verschiedenen Seiten zuzog, so hat sie doch das Friedenswerk endlich zu Stande gebracht. Der Abschluss erfolgte am 17. oder 18. Mai 987, und die wichtigsten Bestimmungen desselben waren die Rückgabe Verdüns an das deutsche Reich und die Freilassung des Grafen Gotfried aus der französischen Gefangenschaft.

Den eben mitgetheilten Ereignissen des Jahres 984 widmet Richer die Capitel 97 bis 108 des dritten Buches. Cap. 97 bespricht die Empörung Heinrichs in Deutschland und die Verbindung desselben mit König Lothar, cap. 98 die Reise Lothars(nach Breisach) zu der verabredeten Unterredung mit Heinrich und seine Kämpfe auf der Rückreise. Die Cap. 99 102 erzählen die Eroberung von Verdün, wobei jedoch der Gefangennehmung des Grafen Gotfried und der Andern keine Erwähnung geschieht. Im folgenden Cap. 103 wird zwar Gotfried mit dem Herzog Theoderich von Belgien

A. genannt, aber als Wiedereroberer eines Teiles von Verdün, des Quartiers der Kaufleute, das von der eigentlichen Stadt durch die Maas getrennt werde. Wer aber Herzog Theoderich sein soll, ist mir nicht ersichtlich. Es ist wohl Herzog Friedrich, der Gemahl der Beatrix gemeint. Die Erzählung von dem verfehlten Weitervordringen Lothars in Lothringen umgeht Richer, indem er cap. 102 zwar angiebt, Lothar habe in Laon weitläufig beratschlagt, ob es besser sei, die weitere Unterwerfung Belgiens mit Waffengewalt oder durch Unterredung zu bewirken, und indem er die gegen beides erhobenen Bedenken wissen lässt. Die folgenden Cap. 104 108 erzählen noch die Belagerung und Eroberung des von Theoderich und Gotfried besetzten Teiles von Verdün, sowie die Gefangennehmung dieser Herrn durch Lothar. Dieser zweite Angriff auf Verdün müsste im Sinne Richards 986 angesetzt werden, da Lothar nach den Anfangs- worten des 109. Capitels noch in demselben Jahre stirbt. Erweislich sind aber Graf Gotfried u. d. A. bereits am 16. März 984(also bei Lothars erster Unternehmung) gefangen gewesen(s. Wilmanns, Otto III., Excurs I, Abschn. II.

Von dem Frieden des Jahres 987 zwischen Deutschland und Frankreich und von der Rückgabe der Stadt Verdün an Deutschland spricht Richer befremdlicher Weise nirgends; doch lassen einige Worte des 108. Cap. wenigstens vermuten, dass er diesen Frieden recht gut gekannt habe; sie lauten:(Rex Lotharius) urbem Virdunum usque in diem vitae eius supremum absque ulla refragatione obtinuit. Wir sehen also, auch in Betreff der Ereignisse von 984 987 sind Richers Nachrichten mit aller Vorsicht aufzunehmen.

So sind denn alle französischen Versuche des 10. Jahrhunderts Lothringen zu gewinnen ohne das gewünschte Resultat geblieben. Mit dem Frieden des Jahres 987 endet die erste, die mittelalterliche Periode der Kämpfe Frankreichs zur Erwerbung der Rheinlande, da die Capetinger,

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