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Zusammenkunft beider in Breisach. Daselbst erschien zwar Lothar, aber nicht Heinrich, aus Furcht, es möchte ihn dieser Schritt bei den deutschen Fürsten als Verräter der deutschen Interessen doch zu sehr compromittieren. Über der Reise Lothars nach Breisach gingen den treuen lothringischen Anhängern der Kaiserin hinsichtlich der letzten Absichten Lothars die Augen auf: sie griffen zu den Waffen, und kaum entkam König Lothar auf dem Heimwege von Breisach ihren Händen. Nur noch durch Waffengewalt konnte er Lothringen zu gewinnen hoffen und schon zu Anfang des März(in Breisach war er am 1. Februar gewesen) drang er mit Heeresmaeht in das Land ein und ging auf Verdün los. Graf Gotfried verteidigte die Stadt aufs wackerste, aber schon nach einer Belagerung von etwa vierzehn Tagen kam sie infolge eines unglücklichen Ausfalls, wobei Graf Gotfried selbst nebst einem Oheim und seinem Sohne Friedrich in Gefangenschaft geriet, in die Gewalt des Feindes. Aber dass Lothar weitere Fortschritte in Oberlothringen machte, verhinderten, wie es scheint, die Anhänger des jungen Kaisers Otto, vor allen die Söhne des gefangenen Gotfried, Hermann und Adalbero von Verdün. Auch in Niederlothringen, auf welches dann Lothar seinen Angriff richtete, traten sie wohl vornehmlich Lothar in den Weg. Nachdem derselbe die Sprengel von Cambray und Lüttich verwüstet hatte, kehrte er nach Frank- reich zurück. Verdün blieb allerdings in Lothars Händen; sonst aber änderte auch dieser Angriff auf Lothringen in dem Besitzverhältnis Deutschlands und Frankreichs nichts.
Hatte aber Lothar diesen kriegerischen Erfolg in Lothringen mit Hülfe Hugo Capets oder weuigstens nicht im Widerspruch mit ihm errungen, so sollte er bald inne werden, dass dieser ihm ferner nicht in gleichem Masse hold war. Was war natürlicher, als dass Hugo auf Lothars wachsendes Ansehen infolge seiner lothringischen Unternehmung eifersüchtig wurde und es jetzt für gut hielt, sich von dem Bunde Lothars und Heinrichs zu trennen, dessen Früchte nicht ihm, sondern Lothar in den Schoss fielen? War ihm doch auch eine die Ottonen begünstigende Politik durch den Vorgang seines Vaters Hugo des Grossen sowie durch seine Verschwägerung mit dem gut kaiserlich gesinnten Herzog Friedrich von Oberlothringen vorgezeichnet, ganz abgesehen davon, dass er mit der Familie Ottos III. nicht minder nah verwandt war, als mit der Lothars. Durch den Übertritt dieses gewichtigen Mannes wurde die Ottonische Partei in Lothringen mit neuem Mute beseelt, und unter den massgebenden Persönlichkeiten tritt jetzt die Herzogin Beatrix, die Wittwe des eben erwähnten Herzogs Friedrich von Oberlothringen, Hugo Capets Schwester, in den Vordergrund. Nach aussen zeigte sich dieser Umschwung alsbald bei folgender Gelegenheit. Als König Lothar am 11. Mai 984 seine Getreuen aus Frankreich und Lothringen, namentlich auch seinen Bruder Karl, in Compiegne um sich versammelt hatte, gewiss um seine Eroberung in Lothringen zu erweitern, da erscholl plötzlich die Kunde, Herzog Hugo habe 600 Ritter zusammen- gebracht und eile herbei, die Versammlung zu sprengen. Sofort stoben die Anhänger Lothars auseinander und die damals geplante Unternehmung musste unterbleiben.
Im folgenden Monat Juni war unter dem Einfluss einiger Grossen wieder eine Annäherung zwischen Lothar und Hugo Capet zu Stande gekommen, und auch Herzog Karl, Lothars Bruder, hatte sich jetzt offen gegen Otto III. erklärt nnd war mit anderen Fürsten und Rittern in der Residenz Lothars erschienen. Schon um diese Zeit muss jener Oheim des Grafen Gotfried, der mit diesem bei der Belagerung von Verdün gefangen genommen und dann in Frankreich interniert worden, seine Freiheit vertragsmässig wiedererlangt haben. Gotfried selbt aber hielt man noch zurück, um ihn hierdurch, wie Gerbert im 60. Brief(der Sammlung der Gerbert'’schen Briefe


