Jahrgang 
1884
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blieben sie im Lande, um von Raub und Plünderung zu leben. Aber nicht befriedigt hierdurch, wandten sie sich schliesslich an den französischen Hof, von wo sie damals(in den ensten Stadien der Regierung Ottos II.) eine bereitwillige und wirksame Unterstützung zu erhalten hoffen durften. Nachdem sie viele angesehene Männer, denen es dort zu enge geworden, vornehmlich den jungen Karl, König Lothars Bruder, zum Anschluss an sie veranlasst hatten,¹) brachen sie in der Char- woche des Jahres 976 von neuem in Lothringen und zwar in den Hennegau ein und gingen auf Mons los. Nach einem unentschiedenen Treffen, das ihnen die lothringischen Grafen Gotfried und Arnulf, die damaligen Herren des von Reinhart und Lambert beanspruchten Gebietes,*) unter den Mauern der Stadt lieferten, hausten Reinhart und Lambert und ihre vornehmen Bundesgenossen in Niederlothringen um so ungestörter weiter, als Heinrich der Zänker, der seiner Haft entgan- gene Vetter des Kaisers, gegen diesen sich jetzt offen in Baiern erhob und Otto II. durch diesen Bürgerkrieg von Lothringen ferngehalten wurde. Sobald aber der Kaiser nach vorläufiger Uber- windung seines Vetters Baiern beruhigt sah, wandte er sich nach Lothringen(Frühjahr 977). Leider aber liess sich Otto hier zu übergrosser Nachgiebigkeit gegen die Störer des Landfriedens herbei: Reinhart und Lambert erhielten ihr väterliches Erbe zurück; Karl, der Bruder des Königs Lothar von Frankreich, wurde mit dem schon länger erledigten Herzogtum Niederlothringen belehnt und musste nur versprechen, von seinen Feindseligkeiten abzustehen und das deutsche Land selbst gegen die Angriffe des eigenen Bruders zu verteidigen ²). Auch der Herzog Friedrich von Oberlothringen, dessen Gemahlin Beatrix eine Schwester Hugo Capets war, wurde damals vom Kaiser mit grossen Gunstbezeugungen bedacht, damit er in der Treue nicht erkalte.[Beiläufig sei hier bemerkt, dass die Verwaltung des Herzogtums Lothringen um das Jahr 959 von dem damaligen Herzog-Erzbischof Bruno, Kaiser Ottos des Grossen Bruder, geteilt worden war. Schon früher wahrscheinlich hatte er mit Gotfried, einem ihm persönlich befreundeten Grafen des Landes, einen Gehülfen und Vertreter, der aber gleichfalls den Herzogstitel führt, angenommen*) und nun auch den vorher erwähnten, während des Bürgerkriegs bewährten Grafen Friedrich zum Herzog, wahr- scheinlich aber nur von Oberlothringen, wo seine Besitzungen lagen, eingesetzt, so dass Gotfried und Friedrich fortan als Unterherzöge unter Bruno, jener in Unter-, dieser in Oberlothringen, walteten).]

Bedenkt man, dass der Kaiser Otto die Brüder Reinhart und Lambert im Jahr 974 zur Räumung Lothringens nicht zu zwingen vermochte, ferner dass er sich zwei Jahre später vielmehr dazu verstand, die Forderungen dieser verbannten Empörer zu bewilligen und sogar ihren Helfers- helfer, den Bruder des französischen Königs, der freilich Ottos Vetter war, mit dem so exponierten

¹) Gesta episc. Camerac. I. cap. 96: Denique in partes Karlensium concedentes, Karolum, regis Lotharii fratrem pravis moribus deditum, pariterque Ottonem, Alberti Vermandensium comitis filium, cum aliis quoque multis raptoribus suo auxilio adsciverunt.

²) Ibid. cap. 95: terramque suam primum Richario nobili viro, sed hoc defuncto Warnero et Raynaldo, quibus etiam defunctis, Godefrido atque Arnulfo comitibus nobilissimis contulit, filiosque eius praefatos a patriis finibus pro eisdem insolentiis eliminavit.

²) Sigebert Gemblacens. Chron. 977: Ducatus Lotharingiae datur Karolo, fratri Lotharii regis Francorum, ut et ipse ab insolentiis desistat, et fratris sui Lotharii motibus obsistat.

¹) Cf. Dümmler, Otto I., S. 227.

⁵¹) Cf. ibid. S. 301 302.