Jahrgang 
1884
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dem Umstand, dass der damalige Herzog Bruno von Lothringen, König Ottos Bruder, als Oheim sowohl Lothars als auch Hugos(Capet) von Francien(dessen Mutter eine Schwester Gerbergas) wohl im Auftrag seines königlichen Bruders zwischen beiden vermittelnd eingriff oder wo nötig Lothar beschützte. An diesem Abhängigkeitsverhältnis änderte sich auch nach Brunos(965) und Ottos des Grossen Tod zunächst kaum etwas.

Wenn Lothar gleichwohl nach und nach Lust bekam, die auf Lothringen gerichteten Eroberungs- pläne seiner Vorgänger wieder aufzunehmen, so hat man den Grund in den argen Verwicklungen zu suchen, die der junge Kaiser zu bestehen hatte. Vorzugsweise hatte er es mit seinem ehrgeizigen Vetter, dem Herzog Heinrich II. von Baiern, zu thun, der einen gefahrvollen Bürgerkrieg erregte, um sich die deutsche Königskrone zu verschaffen. Doch wurde Otto der Empörung Meister. Mit dem erle- digten Herzogtum Baiern verfuhr er nach freiem Ermessen, insbesondere gab er gegen den Wunsch seiner Mutter Adelheid das(verkleinerte) Herzogtum Baiern an seinen Stiefneffen und Freund Otto, den er schon vorher zum Herzog von Schwaben erhoben hatte.Die Entfremdung, sagt Giesebrecht,¹)die zwischen Mutter und Sohn eintrat, machte sich sofort in allen Verhältnissen der Regierung fühlbar; sie wandte die Herzen Vieler im Lande vom Kaiser ab und drohte vornehmlich auch, da sie sich in ihre Heimat Burgund zurückzog, den bisherigen Frieden mit dem Westreiche zu lösen. König Lothar von Frankreich war mit Emma, Adelheids Tochter aus erster Ehe(mit Lothar, König von Italien) vermählt. So lange er durch sie und Adelheid auf den Kaiser einen gewissen Einfluss üben konnte, mochte die abhängige Stellung, in die er von dem mächtigen Ostreiche geraten war, ihm minder empfindlich erscheinen; sie wurde ihm unerträglich, als dieser Einfluss sich minderte und endlich auf- hörte. Überdies war Lothar ehrbegierig, er wollte wieder in Wahrheit ein König sein und nicht eine Scheinkrone tragen. Aber auf keinem anderen Wege konnte er in seinem Reiche zur Macht gelangen als durch ein Unternehmen gegen den Kaiser, und er durfte sich von einem solchen Unternehmen um so mehr Erfolg versprechen, als gerade der alte Hader zwischen dem Karo- lingischen und Capetingischen Hause einmal schlummerte und die Söhne Hugos des Grossen ihrem königlichen Vetter zu einem auswärtigen Kriege die Hand zu bieten geneigt waren. Die Vor- boten des nahenden Sturmes waren bereits fühlbar geworden. Graf Reinhart von Hennegau, wahrscheinlich ein Neffe des früheren Herzogs Giselbert von Lothringen( 939) ²), war, weil er viele Ausschreitungen zur Erweiterung seiner Macht in Lothringen sich erlaubt, durch den Macht- spruch des Kaisers Otto I. und Herzogs Bruno endlich(im Jahre 958) auf Lebenszeit nach Böhmen verbannt worden und dort später gestorben. Aber seine Söhne Reinhart und Lambert, die in- zwischen in Frankreich zu männlichen Jahren herangewachsen waren, kehrten jetzt, nach dem Tode Ottos des Grossen, nach Lothringen zurück, um sich des auch ihnen entrissenen Erbes mit Gewalt zu bemächtigen. Sie fassten im Jahre 974 wirklich festen Fuss im Lande, bis der junge Kaiser Otto II. gegen sie anrückte, sie bei der Eroberung einer von ihnen besetzten Burg (Bussud das heutige Boussoit bei Peronne ³) gefangennahm und aus dem Reiche auswies). Dennoch

¹) Kaiserzeit I., 3. Aufl. S. 578.

²) Cfr. Dümmler, Otto, S. 296 297. Giesebrecht, Jahrbücher des deutschen Reichs unter Otto II, S. 10. und Kaiserzeit I., S. 394 u. 511 nennt ihn einen Bruder Giselberts; mit welchem Rechte habe ich aus keiner Quelle ersehen können.

³) Gesta episcoporum Camerac. I, 95. Giesebrecht, Jahrbücher des deutschen Reichs Otto II., S. 10 Anm. 4.

*) Gesta episcop. Camerac. I, 95: Hoc autem iuvenis imperator audiens, collecto exercitu castellum obsidione clausit, diruit, captosque rebelles in exilio misit.

Vorboten dee Kampfes zwischen

Otto II. und

Lothar.