Otto u. Ludwig versöhnt.
König Lothar von Frankreich.
16
desselben Jahres dafür wieder mit einem Angriff auf Lothringen. Die Wirkung davon war, dass, wahrscheinlich mit Hülfe der westfränkischen Partei in Lothringen, der mit Otto jetzt versöhnte und zum Herzog von Lothringen bestellte Bruder Heinrich vertrieben wurde. Aber ohne Verzug eilte Otto auch jetzt zur Abwehr herbei, und es kam ohne vorausgegangenen Kampf etwa zu Winters-Anfang zu einem Waffenstillstand, demzufolge Lothringen deutsch blieb. Erst zwei Jahre später, im Herbst 942 folgte der Abschluss eines förmlichen Friedens und die Aussöhnung der beiden Könige Otto und Ludwig auf einer Zusammenkunft zu Vouziers an der Aisne.— Richer übergeht die eben mitgeteilten Ereignisse des Jahres 940 gänzlich, obgleich er sie bei Flodoard deutlich vor sich hatte. So schneidet dieser Pragmatiker die Geschichte zu. Nur von dem zwei Jahre später erfolgten Frieden weiss er, II. 29, zu erzählen, aber so, als ob nach vorhergegangener Verschwägerung(durch Gerberga) ein engerer Freundschaftsbund geschlossen worden wäre..
Jedenfalls war dies der letzte Versuch des Königs Ludwig auf Lothringen, da er bald nachher in die übelste Lage seinen grossen Vasallen, besonders Hugo dem Grossen von Francien, gegenüber geriet, so dass er bald die Hülfe seines bisherigen Gegners und jetzigen Schwagers Otto in Anspruch nehmen musste, von dem er bis an sein Lebensende vollständig abhängig blieb, seit- dem derselbe im Jahr 945 ¹) seine bisherige Politik, die bis dahin die französischen Vasallen gegen ihren König Ludwig begünstigte, verlassen hatte und nun umgekehrt für Ludwig besonders gegen Hugo von Francien eintrat. Diesen Systemwechsel bewies Otto gleich im folgenden Jahre 946 durch einen grossartigen Feldzug in das Innere Frankreichs, auf dem er mit dem jungen Könige Konrad von Hoch- und Niederburgund verheerend bis über die Seine, also bis in das Herz der Besitzungen Hugos von Francien rückte und den König Ludwig wenigstens not- dürftig in der Herrschaft herstellte. Selbst in den Stürmen, die das deutsche Königtum im Jahre 954 zu bestehen hatte, liess der westliche Nachbar das deutsche Grenzland unangetastet.„Ver- schiedene Gründe“, sagt Dümmler, Otto S. 244,„wirkten zu dieser Enthaltsamkeit zusammen: Die Umsicht und Festigkeit, mit der Konrad(der 944 zum Herzog von Lothringen bestellte Schwiegerschn des Königs Otto) durch seine Bemühungen Lothringen enger an Deutschland gekettet hatte, vor allem die hilfsbedürftige Schwäche des französischen Königs, der seinen deutschen Verwandten so vielen Dank schuldig geworden, endlich der verheerende Einfall der Ungarn, die quer durch Frankreich streiften. Dazu kam nun ein Thronwechsel, den Niemand so früh erwartet haben würde.“
Am 10. September 954 starb nämlich König Ludwig und es folgte ihm auf den franzö- sischen Königsthron sein älterer Sohn Lothar. Es erübrigt noch, das Verhalten dieses Regenten gegen Deutschland und Lothringen zu betrachten. Lothar zählte bei seiner Thronbesteigung erst 12 Jahre. Aber auch abgesehen von diesem jugendlichen Alter kann man es nur begreiflich und natürlich finden, dass er bei der imponirenden Stellung Ottos des Grossen und der fortdauernden Schwäche des französischen Königtums keinen Angriff auf Lothringen wagte. Herzog Hugo der Grosse von Francien war zwar 956 auch gestorben und das Verhältnis zwischen König Lothar und dessen Mutter Gerberga einerseits und Hugos Söhnen andererseits war im ganzen ein besseres, für die Königspartei günstigeres*) geworden. Doch verdankte man diese Besserung hauptsächlich
¹) Flodoard ann. 945; cfr. Dümmler, Otto d. G. 8. 145. 2) Cfr. Dümmler, Otto S. 284.


