Jahrgang 
1884
Einzelbild herunterladen

15

die bei ihm erscheinen, in seinen Schutz auf und kehrt nach Vertreibung einiger Getreuer des Königs Otto nach Laon zurück, wo dem Bischof Rudolf wegen Verrats der Prozess gemacht wird.

Es folgt der Zug Giselberts über den Rhein, der als ein Raubzug bezeichnet wird, und der Tod jenes, der Veranlassung giebt zum abermaligen Erscheinen Ludwigs in Lothringen und die Verheirathung zwischen Ludwig und Giselberts Wittwe Gerberga ermöglicht.

Allein auch König Otto ist bald wieder in Lothringen anwesend und behauptet schliesslich fast das ganze Land. So weit Flodoard.

Über das Verhältnis dieser beiden Berichte zu der übrigen Überlieferung und ihr gegen- seitiges Verhältnis ist noch Folgendes zu sagen. Von dem vorzugsweise bei Widukind überlieferten Treffen bei Birten und den daran sich anschliessenden Ereignissen bis zur nächsten Rückkehr Ottos an den Rhein berichtet uns weder Flodoard noch Richer etwas. Dasselbe dürfte bald nach dem ersten, erfolglosen Bittgesuch der Lothringer an Ludwig geschlagen worden sein. Der Umstand, dass es dem Könige Otto nicht gelang, seine Widersacher in Deutschland, insbesondere seinen Bruder Heinrich in Merseburg, gänzlich niederzuwerfen, mag für König Ludwig das Signal gewesen sein, den Bittten der Lothringer endlich Gehör zu geben und sich Ottos Feinden anzuschliessen. Bald danach ist er auf dem Wege nach Lothringen bei Douzy. Aber weder Flodoard noch Richer er- wähnen diese Unternehmung Ludwigs, weil sie vielleicht als eine halbe Massregel erschien und erfolg- los war. Ihr gegenüber zieht Otto zum zweitenmal nach Lothringen, um sich besonders gegen Gisel- bert zu wenden, den er jedoch unbezwungen zurücklassen muss. Dieser Feldzug Ottos ist ohne Zweifel für identisch zu halten mit dem ersten von Flodoard mitgeteilten(Otho rex, Rheno trans- misso, regnum Lothariense perlustrat etc.) und auch mit dem von Richer cap. 18 erzählten.

Es folgt die zweite, die Hauptunternehmung Ludwigs auf Lothringen im Jahre 939, die von Richer(cap. 17) und Flodoard(Rex interea Ludovicus Virdunensem etc.) in seltsamer Über- einstimmung überliefert ist.

Das von Flodoard und Richer übereinstimmend damit in Verbindung gebrachte Auftreten Ludwigs im Elsass scheint König Ottos Anwesenheit gerade dort nötig gemacht zu haben, wo sich der Kampf um das feste Breisach entspann. Auch dieser Feldzug Ottos hat merkwürdigerweise weder bei Flodoard noch bei Richer Erwähnung gefunden, wohl aber der etwa gleichzeitige Zug Giselberts über den Rhein, hauptsächlich wohl schon deswegen, weil der unglückliche Ausgang desselben durch die Ehe Ludwigs und Gerbergas die interessante Aussicht auf eine baldige Bei- legung des langen Streites um Lothringen eröffnete. Aber dass König Otto durch sein viertes Erscheinen in Lothringen diese Aussicht verlegte, wie Flodoard ausdrücklich meldet, hat uns Richer natürlich verschwiegen. Richer wollte wohl gerade dadurch, dass er die lothringischen Händel des Jahres 939 mit der Heirat Ludwigs und Gerbergas abschliessen lässt, den Schein erwecken, als wäre eben durch diesen Ehebund Lothringen in den rechtlichen Besitz Frankreichs übergegangen.

Der deutsche König Otto war im Sommer des folgenden Jahres 940 zur Ordnung der dor- tigen Verhältnisse wieder nach Lothringen gezogen und hatte die vorjährige Verbindung mit den französischen Grossen besonders dadurch aufgefrischt, dass er zu ihren Gunsten einen F eldzug bis an die obere Seine gegen den mächtigen Herzog von Burgund, Hugo den Schwarzen, den Bundes- genossen des Königs Ludwig, unternahm und ihn hierdurch zwang, von diesem Bündnis zurück- zutreten. Sobald aber Otto den Rücken gewandt hatte, rächte sich Ludwig noch im November

Das Jahr 940.