Jahrgang 
1884
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Bruder Heinrich und verband sich mit Giselbert von Lothringen. Zunächst zwar waren die Em- pörer ohne den Beistand des französischen Königs Ludwig und sie erlitten durch Otto, der selbst gegen sie an den Rhein ausgezogen war, bei Birten am Niederrhein eine Niederlage. Aus dieser war Heinrich nach Sachsen entwichen, aber bald von dem ihm folgenden König in der Feste Merseburg zu einer Kapitulation gezwungen worden, die ihm die Möglichkeit liess, mit seinen Anhängern wieder in die Rheinlande zu entkommen ²). Jetzt gewannen die Empörer auch die Hilfe des französischen Königs. Entweder die Ursache oder die Folge hiervon war, dass mehrere lothringische Grosse, voran der Herzog Giselbert, dem Könige Ludwig huldigten ²). Dieser selbst befand sich am 20. Juni am Flusse Chiers unweit Douzy auf dem Wege nach Lothringen ³). Aber auch der deutsche König Otto eilte zur Abwendung solcher Gefahren für den Besitz Lothringens aus dem Slavenkriege, der ihn eben beschäftigte, zum zweitenmale in diesem Jahre an den Rhein, um sich direkt gegen Giselbert zu wenden. Er schloss denselben in dem festen Chevremont ein, das er jedoch auch nach dem Entweichen des Herzogs nicht einnehmen konnte 4). Dafür gelang es Otto, noch bevor er Lothringen wieder verliess, ein Werkzeug gegen Giselbert in dem ver- schlagenen Grafen Immo zu finden und in einer Zusammenkunft die Huldigung der mächtigsten französischen Grossen, wie des Herzogs Hugo von Francien, als natürliches Gegenmittel gegen den Anschluss der Lothringer an Ludwig zu erlangen. Dieser hatte inzwischen Ottos Rückkehr nach Sachsen nur abgewartet, um sich in den lothringischen Gau von Verdün zu begeben, wo ihm nunmehr auch einige oberlothringische Bischöfe huldigten, die, durch Geiseln an Otto gcbunden, vorher damit noch zurückgehalten hatten ³). Von Verdün aus unternahm dann Ludwig auch noch einen Verheerungszug in das Elsass). Allein Bewegungen im inneren Frankreich und die Nach- richt ven der Annäherung Ottos zwangen ihn zur Umkehr. Otto eilte also zum drittenmale im Jahre 939 herbei, um Lothringen und das Elsass zu retten. Er belagerte Breisach im Oberelsass), das inzwischen in die Hände des ebenfalls gegen seinen König conspirirenden Frankenherzogs Eberhard gekommen war. Derselbe verband sich damals mit Giselbert zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Sache des Königs Otto ³). Allein beide ereilte auf dem gemeinsamen Verheerungszuge gegen einige Getreue des Königs der Tod wahrscheinlich in der Nähe von Andernach am Rhein). Hiermit war Otto von seinen gefährlichsten Gegnern befreit und konnte, obgleich eben noch in harter Bedrängnis, da er von mehreren mächtigen Anhängern verlassen worden, nun Breisach erobern ¹⁰) und zur gerechten Bestrafung der Abtrünnigen schreiten. König Ludwig aber, bei dem Ottos Bruder Heinrich Schutz gesucht und gefunden hatte, benutzte den Augenblick, als Otto sich vom Elsass nach Franken gewendet hatte, zu einem neuen dritten Einfall in Lothringen und heiratete bei dieser Gelegenheit Giselberts Wittwe Gerberga, Ottos Schwester. Sie war 7 Jahre älter als

¹) Widukind II, 22.

²) Flodoard anno 939.

³) Bouquet Recueil IX, 591: Actum in Querceto iuxta Dociacum villam superfluvium Carum. *) Ann. Augien. 939 und Contin Regin 939.

*³) Flodoard anno 939.

) Ann. Angiens 939 und Contin. Regin. 939.

*) Widukind II, 24.

³) Wiquk. II, 24.

*) Contin. Regin. 938 und Lindprand, Ant. IV, 28.

¹⁰) Contin. Regin.

II.

III.