Jahrgang 
1884
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Karls des Ein- faltigen Versuch auf Lothringen.

Lothringen

wieder ein deut- sches Reichsland und Herzogthum.

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Burgund gesalbt.Der Umfang Seines Reiches wurde in der Weise bestimmt, dass es alles umfassen sollte, was vom Gebiete weiland Lothars II. jetzt zu Ostfranken gehörte, also auch ganz Friesland, das Elsass mit dem Bfeisgau, den Rest von Burgund, den Boso und Rudolf übrig gelassen, d. i. den Erzsprengel von Bisanz(Besançon).

So war einem Jüngling und zwar der wildesten und ungestümsten einem, die schwierige Aufgabe gestellt, das leicht, bewegliche, stets zur Veränderung neigende Volk der Lothringer durch eine der Hauptsache nach unabhängige Königsherrschaft im Zaum zu halten und die West- grenze deutscher Herrschaft zu hüten. Es war dies ein Schritt Arnolfs, der die Zusammengehörig- keit Lothringens mit Deutschland in Frage stellen musste, selbst für den Fall, dass das neue Verhältnis, in das Lothringen eintrat, nur von kurzer Dauer sein sollte. Der Charakter Zwentibolds zeigte sich in seiner neuen hoben Stellung gar bald, denn im Jahre 897 sehen wir ihn mit einem Teile seiner weltlichen Grossen so ernstlich entzweit, dass der Vater den Sohn bei einer Zusammen- kunft zu Worms zum Nachgeben und zum Frieden ermahnen musste. Kaum jedoch war hier die Aussöhnung erreicht, so entstand ein viel gefährlicherer Zwiespalt zwischen Zwentibold und dem Grafen Reginar, dem weitaus mächtigsten Herrn in Lothringen. Dieser, der Spross eines edlen Geschlechtes, wahrscheinlich der Sohn eines Grafen Giselbert und einer von ihm entführten Tochter des Kaisers Lothar I., erfreute sich anfangs der Gunst Zwentibolds rin hohem Grade. Aber jählings wurde er zu Anfang des Jahres 898 aus seiner einflussreichen Stellung herabgestürzt, von Zwentibold aller seiner lothringischen Besitzungen beraubt und sogar des Landes verwiesen. Obgleich früher von Karl dem Einfältigen abgefallen, warf sich Reginar mit anderen unzufriedenen Unterthanen Zwentibolds jenem nun in die Arme, der jetzt frei von seinem Gegner Odo und eben so ländersüchtig wie sein Grossvater Karl der Kahle, der Aufforderung Reginars, Lothringen in Besitz zu nehmen, mit einem Einfalle in das Land sofort entsprach und Zwentibold anfangs auch zurückdrängte. Doch raffte dieser bald einige Mannschaft zusammen und nötigte Karl nach seinen Grenzen zurückzukehren.

Hatte aber Zwentibold anfangs nur mit den weltlichen Grossen Streit bekommen. 80. musste er nun bald erleben, dass auch die Geistlichkeit nicht mehr fest auf seiner Seite stand. Das war die Folge seiner Willkür und Gewaltthätigkeit bei Verteilung von Kirchengütern. Er vermochte die Widerspenstigen nicht zu demütigen. Während dieser Wirren starb Kaiser Arnolf gegen Ende des Jahres 899, und ihm folgte sein Sohn Ludwig das Kind in der Herrschaft über Deutschland. Bald nun ergingen Aufforderungen aus Lothringen an den neuen König, den unfähigen, der allgemeinen Verachtung preisgegebenen Halbbruder zu verdrängen und Lothringen in Besitz zu nehmen. Ludwig begab sich daher nach Diedenhofen an der Mosel, wo ihm die Häupter des lothringischen Volkes durch Handschlag Huldigung leisteten. Aber Zwentibold sammelte auch jetzt noch einen Anhang um sich und wütete, während Ludwig wahrscheinlich in die Rheingegend zurückgekehrt war, gegen seine Widersacher in Lothringen schrecklicher als zuvor; doch wurde er, noch ehe Ludwig wieder in Lothringen eintraf, in einem Treffen gegen einige seiner lothringischen Gegner am 13. August 900 erschlagen.

So war Lothringen seines tyrannischen Königs wieder ledig und mit der Huldigung von Diedenhofen auch formell in das Verhältnis eines Reichslandes von Deutschland zurückgetreten. Doch blieb eine gewisse Scheidung zwischen Lothringen und dem übrigen Deutschland bestehen,