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standen, ihr Land wieder mit demjenigen(Südwestfrancien) Karlmanns, des Bruders ihres ver- blichenen Königs, zu vereinigen, liessen sie Ludwigs des Deutschen jüngsten Sohn, Karl den Dicken, der nach dem Tode seines Vaters zunächst nur Herzog von Allemannien und des Elsass, nach dem Tode seiner beiden älteren Brüder nunmehr ganz Deutschland beherrschte und auch die Krone Italiens und die Kaiserkrone trug, durch eine Gesandtschaft bitten, seinem früheren Ver- sprechen gemäss die Westhälfte Lothringens an das Westfrankenreich zurückzugeben. Karl der Dicke hatte wahrscheinlich im Juni 880 zu Gondreville bei Gelegenheit einer diplomatischen Entrevüe mit den beiden westfränkischen Königsbrüdern, Ludwig III. und Karlmann, diesen wohl in einem Anfluge von Begeisterung für das gute Verhältnis mit den französischen Vettern die Rückgabe der westlichen Hälfte von Lothringen verheissen, sobald er seinem kinderlosen Bruder Ludwig dem Jüngeren, der damals noch Herr von Lothringen war, in der Regierung nachgefolgt sein würde. Die Bedingung war jetzt zwar erfüllt, allein die Gesandtschaft fand bei Kaiser Karl kein Gehör, und der westfränkische Anspruch auf Lothringen, dermalen ohne den Nachdruck der Waffen, blieb für jetzt auf sich beruhen.
Als König Karlmann, nach seines Bruders Ludwig III. Tode Beherrscher des wieder ver- Westan aer
einigten Westfrankenreichs, zu Ende des Jahres 884 gestorben war, und Kaiser Karl der Dicke Moehehken dann auch auf den Thron dieses Landes berufen wurde, konnte natürlich für die Dauer der Ver- franzosischen einigung beider Frankenreiche von westfränkischen Annexionsgelüsten auf Lothringen gar keine 4uexion. Rede sein. Auch in der nächsten Folgezeit nach der Absetzung Karls des Dicken durch seinen Neffen Arnolf von Kärnthen, den Sohn von Karls des Dicken ältestem Bruder Karlmann, und bei der neuen Selbständigkeit Frankreichs unter dem Könige Odo, bisherigen Grafen von Paris, war Lothringen von dorther keineswegs bedroht. Denn 0dos Herrschaft über Frankreich war so wenig allgemein anerkannt und befestigt, dass er nicht lange nach seiner Thronbesteigung Arnolf sogar als seinen Oberherrn anerkannte, wahrscheinlich um hierdurch einen Rückhalt an ihm zu erlangen. Und als Odo gar einen Gegenkönig in der Person Karls(des Einfältigen), des nachgebornen Sohnes Ludwigs(II.) des Stammlers, des einzigen in Frankreich damals noch übrigen legitimen Karolingers, erhielt, und beide Gegenkönige um die Wette um die Gunst des mächtigen Arnolf buhlten, lag gewiss die Gefahr einer Losreissung Lothringens vom deutschen Reiche noch ferner.
Aber am 1. Januar 898 schied König Odo aus dem Leben und qer Zwiespalt in Frankreich schien damit sein Ende erreicht zu haben. Da gleichzeitig die Verhältnisse in Lothringen sehr trüb und misslich waren und Arnolf seit seiner Romfahrt im Jahr 896, wo er die Kaiserkrone erwarb, durch Siechtum in seiner Thatkraft gehemmt wurde, so waren die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auch hinusichtlich Lothringens unzweifelhaft andere geworden. 3
Was zunächst die Verhältnisse in Lothringen betrifft, so war König Arnolf seit der Geburt Erhebaug ..-.1.... 2.. 27. Lothringens zum eines legitimen Sohnes Ludwig im Jahre 893 darauf ausgegangen, seinem ältesten illegitimen Königreiob. Sohne, dem vorzugsweise geliebten Zwentibold, dem nun die Erbfolge in der Gesamtherrschaft des Vaters gänzlich versagt war, ein möglichst selbständiges Königreich zuzuwenden und zwar hatte er hiezu das Herzogtum Lothringen ausersehen. Im Jahre 895 erlangte Arnolf auf dem Reichstage zu Worms wirklich die Zustimmung der versammelten lothringischen Grossen zur Ver- wirklichung dieses Lieblingswunsches: Zwentibold wurde zum Könige von ganz Lothringen und
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