Jahrgang 
1837
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Der zuſammenhäangende Unterricht nimmt ſeinen Anfang in der dritten Claſſe mit der vollſtändi⸗ gen Abhandlung der alten Geſchichte(bis 476 n. Chr.), wird in der zweiten mit dem Vortrage der mittleren Geſchichte(bis 1517) und der daraus hervorgehenden Umgeſtaltung der religiöſen und po⸗ litiſchen Verhältniſſe bis zum weſtphäliſchen Frieden(1648) fortgeſetzt, und in der erſten Claſſe mit der Erlernung des übrigen Theils der neueren Geſchichte vollendet. Die Vertheilung des Stoffs iſt folgende:

1) in der dritten Caaſſe: a) im erſten Semeſter, nach vorausgeſchickter Überſicht des Wiſſenswürdig⸗ ſten und Unentbehrlichſten aus der alten Geographie, die Geſchichte ſelbſt bis zur Einführung der römiſchen Republik(509 v. Chr.); b) im zweiten Semeſter bis zu den römiſchen Bürgerkriegen(88 v. Chr.); e) im dritten Semeſter bis zur Zerſtörung des weſtrömiſchen Reichs(476 n. Ch.).

2) in der zweiten Claſſe: a) im erſten Semeſter bis auf Gregor VII(1073 n. Chr.); b) im zweiten Semeſter bis auf die Kirchenverbeſſerung durch Luther; e) im dritten Semeſter bis zum weſtphäli⸗ ſchen Frieden; d) im vierten Semeſter kurze Wiederholung der alten und mittleren Geſchichte.

3) in der erſten Claſſe: a) im erſten Semeſter bis zum Ende des großen nordiſchen Kriegs(1721); b) im zweiten Semeſter bis zum Anfang der franzöſiſchen Revolution(1789); c) im dritten Se⸗ meſter bis auf die gegenwärtige Zeit; d) im vierten Semeſter überſichtliche Wiederholung der alten, mittleren und neueren Geſchichte. Dieſe Wiederholung iſt für die alte und mittlere Zeit zugleich eine Vervollſtändigung, indem ſie die Eigenthümlichkeit der damaligen Völker in Lebensanſichten, Religion, Wiſſenſchaft, Kunſt und Verfaſſung, ſoweit dergleichen in unteren Claſſen dem Verſtänd⸗ niß der Schüler zu fern lag, nachträglich erörtert.

3. EClaſſiſche Alterthumskunde.

Die claſſiſche Alterthumskunde, welche nur in der erſten Claſſe des Gymnaſiums gelehrt wird, ſoll das Volksthum der Griechen und Römer in ſeinem Entwicklungsgang von den fruheſten Zeiten ihrer Ge⸗ ſchichte bis zum Schluß der ſogenannten claſſiſchen Zeit darſtellen. Sie wird ſich alſo beſtreben, das Leben und die Wirkſamkeit beider Völker nach allen Seiten zu ſchildern, vorzugsweiſe jedoch diejenigen Richtun⸗ gen des Volksgeiſtes verfolgen, in welchen ſich deſſen Eigenthümlichkeit am deutlichſten abſpiegelt. Zugleich verlangt der Zweck des Gymnaſiumsdaß ſich die Aufmerkſamkeit des Lehrers beſonders auf diejenigen Puncte der Alterthumskunde richte, durch welche die humaniſtiſche Bildung und insbeſondere das Verſtänd⸗ niß der Claſſiker gefördert wird.

Um das Gepräge der Eigenthümlichkeit nirgends zu verwiſchen, wird die Darſtellung jedes Volks⸗ thums geſondert gehalten, und der ganze Unterricht zerfällt demnach in zwei Haupttheile, deren erſter von den Griechen, deren zweiter von den Römern handelt. Jeder beginnt mit einer geographiſchen Einleitung, in welcher vorzugsweiſe die Heimath, in geringerem Grad die auswärtigen Anſiedlungen und Beſitzungen des Volks, geſchildert werden. Den Schluß dagegen macht bei jedem Volk eine ſtatiſtiſch geordnete Uber⸗ ſicht ſeiner Verfaſſung in dem Zeitraum, welcher für die Zwecke der Schule als der wichtigſte erſcheint. Dieſe Überſicht ſoll von dem Organismus des Staatsgebäudes, von dem Zuſammenwirken ſeiner Glieder, kurz von dem politiſchen Verkehr ein anſchauliches Bild geben..

Da ſich ein Lehrbuch, welches den Gegenſtand in einer entſprechenden Weiſe behandelte, nicht vor findet, ſo iſt der Lehrer einſtweilen darauf hingewieſen, den Unterricht in einem freien Vortrag zu geben,