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Bedurfniſſe des einzelnen Schülers hinzuleiten. Auch ſoll der Lehrer kleinere Abſchnitte, beſonders aus dem neuen Teſtament, oder die beſten Lieder des Geſangbuchs, auswendig lernen laſſen.
Dritte Claſſe.
Nachdem in den früheren Claſſen die wichtigſten religiöſen Creigniſſe in geſchichtlicher Aufeinanderfolge mitgetheilt, und die bedeutendſten Abſchnitte der Bibel erläutert worden ſind, ſo ſteigert ſich in der dritten Claſſe die Aufgabe dahin, die Lehren und Thaten Chriſti vom bibliſchen Standpunct aus als ein Ganzes zu entwickeln. Die Worte„vom bibliſchen Standpunkt aus“ deuten darauf hin, daß der Unterricht, ohne allgemeine Vorerinnerungen über Begriff und Nothwendigkeit von Offenbarung u. ſ. w. vorauszuſchicken, unmittelbar von dem Bedürfniß des Menſchen nach Erlöſung und von der Erſcheinung des Heilands als von Thatſachen ausgehe. Durch den Ausdruck„als ein Ganzes“ ſoll die Trennung in Glaubens⸗ und Sittenlehre hier abgelehnt, und ferner darauf hingewieſen werden, daß Leben und Lehre Jeſu bei der Dar⸗ ſtellung, ſo viel möglich, als etwas Innigſtverbundenes erſcheinen müſſe.
In dem Gange des Unterrichts ſoll die Lehrweiſe der Apoſtel zum Muſter dienen, ſo daß man, wie dieſe, gleich mit dem Geſammtinhalt des Chriſtenthums beginnt und erſt alsdann zum Einzelnen übergeht.
Demgemäß duürften die einzelnen Puncte der Unterweiſung folgendermaßen zu vertheilen ſein:
I. In welcher Weiſe kündigt ſich Jeſus als den Heiland an, auf welchen das alte Teſtament hinweiſet, deſſen Juden und Heiden bedurften, deſſen auch wir bedürfen?
Hiernach werden 1) die meſſianiſchen Stellen des alten Teſtaments erläutert; ſodann wird 2) eine geſchichtliche Schilderung des Zuſtandes der Juden und Heiden zu Jeſu Zeiten, 3) eine Schilde⸗ rung unſeres heilsbedürftigen Zuſtandes gegeben; zuletzt ſind 4) die Ausſprüche Jeſu über ſeine Sendung zu erörtern.
II. Wie hat Chriſtus durch ſein Leben(Lehre und Thaten) für die Erlöſung und Beſeligung der
Menſchen gewirkt?
In dieſem Abſchnitt wird die meſſianiſche Thätigkeit Jeſu ſeit der Taufe durch Johannes hiſtoriſch dargeſtellt. Den Ubergang zum folgenden Abſchnitt macht die Berufung aller Menſchen zum Chriſtenthum(Matth. 28, 19).
II. Was hat uns insbeſondere der Heiland gelehrt? A. Was hat er uns von Gott, von deſſen Eigenſchaften, von deſſen Vorſehung, was hat er uns vom Geiſterreich gelehrt?. B. Was iſt nach Jeſu Lehre das Ebenbild Gottes in dem Menſchen, und zu welchem Ziel hat Gott den Menſchen erſchaffen? Hierbei werden zugleich die wichtigſten Pflichten des Menſchen erörtert. C. Worin beſtehet nach dem neuen Teſtament die Sunde des Menſchen, und wie zeigen ſich die ein⸗ zelnen Ausbrüche derſelben? Bei der Erörterung der einzelnen Sunden tritt eine paſſende Wieder⸗ holung der fruͤher entwickelten Pflichten ein. D. Wie kann laut Jeſu Verheißung der Sünder erlöſet und auf Erden wie im Himmel beſeliget werden?
So ſchließt der Unterricht mit dem Grundgedanken, mit welchem er begann, und bietet hier. eine paſſende Gelegenheit, Früheres zu wiederholen.
Was die Lehrweiſe betrifft, ſo erſcheint es wünſchenswerth, daß der Lehrer ſeine Schüler, die aus dem früheren Unterricht mit der bibliſchen Geſchichte und mit den wichtigſten Abſchnitten der Bibel ſchon vertraut ſind, ſoweit irgend ihre Kräfte reichen, die chriſtlichen Wahrheiten auffinden laſſe, die Ergebniſſe
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