Jahrgang 
1928
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erneute Vorstellung seitens des Elternbeirats wurde schließlich St. A. Mebus, der durch Ver- fügung vom 26. April dem Gymnasium in Oberlahnstein überwiesen, aber noch vor seinem dortigen Eintritt aus gesundbeitlichen Gründen auf ¼ Jahr beurlaubt worden war, gestattet, seinen Urlaub abzubrechen und als Vertreter an unserer Anstalt bis zur Wiederherstellung der beiden Kollegen zu bleiben*) Außerdem fanden sich noch Frau Anna Schönemann und Herr Fabrikant Kleine bereit, einen Teil der neusprachlichen Stunden aushilfsweise zu über- nehmen. Auch mußte St. R. Brenken unter den obwaltenden Umständen der ihm zu einer Reise nach England im Anschluß an die Sommerferien bewilligte 14tägige Urlaub auf 5 Tage gekürzt werden. Vom 16. Januar ab wurde für den abermals am Unterricht, zunächst bis Ostern 1928, verhinderten St. R. Hartung Herr Junglehrer Philipp Kraus, ein früherer Schüler unserer Anstalt, mit dem Turnunterricht in den beiden Sexten und der U. IIIr. betraut; die U. II. g. und r. mußten im Deutschen kombiniert und die übrigen 11 Unterrichtsstunden Har- tungs auf seine Kollegen verteilt werden. Allen, die in dieser für die Anstalt außerordentlich schwierigen und an Leitung wie Lehrerkollegium die höchsten Anforderungen stellenden Zeit uns ihre wertvolle Hilfe geliehen haben, sei auch an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt.

Doch ungleich härter als alle diese Schwierigkeiten war der Schlag, der die Anstalt kurz vor den Sommerferien traf. O. Sch. L. Reinhard Barth, der sich von der schweren Erkrankung des vergangenen jahres nie ganz erholt hatte, erlitt in den Pfingstferien in seinem Heimatsort einen völligen Zusammenbruch. Zugleich setzte ein so rapider Kräfteverfall ein, daß seine schleunige Ueberführung in ein hiesiges Krankenhaus geboten war. Doch konnte auch eine sofort vorgenommene Operation keine Rettung mehr bringen, und am 23. Juni schloß der liebe Kollege seine Augen für immer. Zwei Tage später gaben ihm Lehrer- kollegium und Schülerschaft sowie eine große Trauergemeinde das letzte Geleit, nachdem schon unmittelbar nach dem Eintreffen der Todesnachricht eine kurze Trauerfeier in der Turnhalle stattgefunden hatte. An seinem Grabe gedachte der Direktor in ehrenden, tief- empfundenen Worten des lauteren und vornehmen Charakters des Heimgegangenen, seines eisernen Pflichtgefühls und seiner hohen Fähigkeiten als Jugendbildner und Künstler. Er wird uns allen unvergeßlich bleiben. Mit seiner Vertretung wurde Seminaroberlehrer Severin Janisch betraut, der am 28. Juni eintraf.

Die Impfung fand am 2. Mai, die Nachschau 8 Tage später statt.

An der Tagung des V. D. A. in Goslar, die vom 3. 12. Juni abgehalten wurde, nahmen 12 Schüler unserer Anstalt unter Führung der St. R. Dr. Reuter und König teil.

Vom 23. 25. Juni wohnte der Anstaltsleiter der Tagung der Direktoren-Konferenz in Kassel bei.

Der Wiederkehr des Verfassungstages wurde am 11. August durch eine eindrucks- volle Feier in der Turnhalle gedacht. St. R. Dr. Hohmann hielt die Rede.

Der 80. Geburtstag des Herrn Reichpräsidenten von Hindenburg wurde am letzten Tage vor den Herbstferien durch eine schlichte, würdige Feier begangen, bei der St. R. Ansorge Redner war.

Die am 3. und 4. September auf dem Sportplatz am Güterbahnhof ausgetragenen Reichsjugendwettkämpfe waren für unsere Anstalt recht erfolgreich. 101 Schülern konnte ein Diplom für gute Leistungen ausgehändigt werden.

In den Klassen wurde in mehr oder weniger ausführlicher Weise gedacht des 150. Geburtstages von Heinrich v. Kleist, des 150. Geburtstages von Friedrich Gauß und des 200. Todestages Aug. Herm Franckes. Albrecht Dürers Leben, Wirken und Bedeutung hatte sich der Oberprimaner Oskar Müller zum Ausgangspunkt seiner Abschiedsrede gewählt.

Der Reformationstag wurde am 31. Oktober durch gemeinsamen Kirchgang der evangelischen Schüler gefeiert. Der Unterricht fiel für sämtliche Schüler aus.

*) Vom 1. Oktober ab wurde er dem Kaiser Wilhelm-Gymnasium in Frankfurt a. M. überwiesen.