Jahrgang 
1915
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Die Feier von Kaisers Geburtstag fand am 27. Januar, morgens 9 Uhr, statt. Sie wurde mit Choral und Gebet eingeleitet, das von Herrn Prof. Klemme gesprochen wurde. Von den Gedichten wirkten besonders ergreifend:Deutschlands Jugend bei Lange- marck undUnser Kaiser im Schützengraben. Nach dem von zwei Schülern vorgetragenen Militärmarsch von Schubert wurden zwei im Auftrage Seiner Majestät vom Herrn Minister der Anstalt überwiesene Bücher als Prämien verteilt. Die von dem Schülerchor gebotenen Lieder fanden ungeteilten Beifall. In der Festrede führte Herr Prof. Dr. Dreyling seine Zuhörer auf das ethische Gebiet und legte einerseits dar, welche herben Enttäuschungen uns der gegenwärtige Krieg gebracht und andererseits, welch unerschöpflichen Born sittlicher Kraft er uns erschlossen hat.

Anfang Februar wurden die Herren Dr. Riess, Dr. Heukrath und Sch ild zum Heer einberufen. Die von den beiden ersteren erteilten Stunden übernahmen die Se- minarkandidaten Schmidt, Kistner und Kummer. Die Zeichenstunden mussten aus- fallen, da ein Ersatz für Herrn Schild nicht vorhanden war.

Der gewaltigen Winterschlacht in Masuren und ihrer Bedeutung wurde am 13. Febr. in einer gemeinsamen Feier in der Turnhalle von dem Mitunterzeichneten gedacht. Die An- sprache klang in ein begeistert aufgenommenes Hurra auf unseren genialen Heerführer Hin- denburg aus. Am 17. Februar wurde die letzte Stunde dazu benutzt, auf die weiteren Erfolge der erst am 16. Februar beendeten Schlacht hinzuweisen, und am 23. Februar wurde ebenfalls von dem Mitunterzeichneten ein zusammenfassender Uberblick über die glänzenden Leistungen von Führern und Truppen in jener Schlacht unter den Augen ihres allerhöchsten Kriegsherrn gegeben. Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.

Am 4. März 1915 weilte Herr Provinzial-Schulrat Kanzow in Seminarangelegen- heiten einige Stunden in der Anstalt.

Die schriftlichen Arbeiten der diesjährigen Realuntersekundaner wurden in der Zeit vom 8. bis 11. März 1915 angefertigt.

Die zweite musikalische Aufführung zum Besten der Kriegsfürsorge am 13. März 1915 erfreute sich ebenfalls eines ausserordentlich guten Besuches. Die Darbietungen aller Mit- wirkenden gewährten einen hohen künstlerischen Genuss. Der Reinertrag belief sich auf 518 M. Im Ganzen hat also das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium 1165 Mark zur Kriegsfür- sorge beigesteuert.

Die mündliche Prüfung fand unter dem YNorsitz des stellv. Direktors am 18. März statt. Das Kuratorium war vertreten durch Herrn Oberbürgermeister Lübke.

Der Gesundheitszustand der Lehrer war sehr günstig. Wegen grosser Hitze musste der Unterricht am 22. Mai, 2. und 3. Juli von 11 Uhr ab, am 30. jJuni nachmittags ausfallen. Eisfrei war am Nachmittag des 2. Februar 1915.

Die zwischen der Kgl. Staatsregierung und den städtischen Körperschaften geführten Verhandlungen zwecks Verstaatlichung der Anstalt in ihrer jetzigen Form haben zu einem günstigen Abschluss geführt. Mit dem 1. April 1915 geht die Schule in die Hände des Staa- tes über, und es steht zu erwarten, dass der in den Vereinbarungen vorgesehene Neubau durch Wahl des Platzes sowie innere Ausstattung es dem höheren Schulleben Homburgs er-