Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

15

möglicht, denjenigen Aufschwung zu nehmen, dessen es sonst fähig ist. Dem Kuratorium und den städtischen Körperschaften sagen wir für das Wohlwollen, das sie stets in hohem Masse unserer Anstalt entgegen gebracht haben, aufrichtigen Dank.

Mit dem Schuljahr 1915/16 naht der Termin, wo unsere Anstalt das erste halbe Jahr- hundert ihres Bestehens feiert. Noch aber rollen die eisernen Würfel des Weltkrieges, und wenn wir auch zuversichtlich hoffen, dass Deutschland sich gegen die Ubermacht siegreich behaupten wird, so ist doch eine solche Zeit der auf- und absteigenden Erwartung wenig ge- eignet, Feste vorzubereiten. Dazu kommt, dass viele Lehrer und frühere Schüler im mobilen Heere stehen und daheim alle Kräfte stark angespannt sind. Deshalb teilen wir allen Freunden der Anstalt und besonders auch den früheren Schülern mit, dass für den Herbst vorläufig nur eine akademische Feier vorgesehen ist.

DIe Einrichtung des pädagogischen Seminars.

Ostern 1914 wurde auf Verfügung des Herrn Ministers an unserer Schule ein Kgl. pädagogisches Seminar zur praktischen Ausbildung von Kandidaten des höheren Lehramts eingerichtet. Bei dem starken Andrang zum héheren Lehrfach, der gegenwärtig wieder herrscht, mußten der neugegründeten Anstalt 7 Kandidaten überwiesen werden, die Herren: Konrad Casselmann, Peter Kistner, Johannes Kummer, Otto Mebus, Johannes Meinshausen, Johannes Safran und Robert Schmidt. Zum Leiter des Seminars wurde der Direktor, zu Lehrern die Herren Prof. Dr. Dreyling und Schneider ernannt..

Die Aufgabe, junge Fachgenossen in die so schwierigen Erfordernisse und Pro- bleme des höheren Schulunterrichts zweckmäfiig einzuführen, gibt Anlaß zu einer vielseitigen und gründlichen Erörterung pädagogischer und didaktischer Fragen, die mehr oder weniger alle Lehrer der Anstalt in ihre Kreise ziehen muß, dadurch für den gesamten Unterricht anregend wirkt und der Anstalt zu hohem Segen gereichen kann.

Der Lehrplan des Seminars wurde durch den Kriegsausbruch im August 1914 empfindlich gestört. Fünf Kandidaten, die Herren Casselmann, Mebus, Meinshau- sen, Safran und Schmidt mußten entweder sofort den Fahnen folgen oder traten als Kriegsfreiwillige ein. Die Herren Kistner und Kummer mußten z. T. vertretungsweise voll beschäftigt werden. Leider war schon Mitte August auch der Direktor durch seine Einberufung der Leitung des Seminars entzogen, wodurch diese an Herrn Prof. Dr. Dre y- ling überging. Nach den Herbstferien kehrte Herr Schmidt, der sich im Felde einen Herzfehler zugezogen hatte, wieder zurück, und der Betrieb des Seminars konnte nun mit drei Kandidaten fortgesetzt werden.

RA= W