Jahrgang 
1915
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ist unzweifelhaft und geht klar aus allen brieflichen und mündlichen Mitteilungen, die uns bisher geworden sind, hervor, dass der Geist strenger Pflichterfüllung, die unauslöschliche Liebe zu dem schwer bedrohten Vaterlande und das feste Vertrauen auf den Sieg der ge- rechten Sache auch während der schwersten Prüfungen der Feldzüge in Ost und West bei allen, Lehrern wie Schülern, lebendig blieb. Wie steht es nun mit jenen kleinlichen Zweifeln und Nörgeleien, durch welche so viele übelwollende Kritiker die höheren Schulen und beson- ders das Gymnasium herabsetzen wollten, als sei es nicht fähig, die Jugend mit echter vater- ländischer Begeisterung, mitStaatsgesinnung und mit Tapferkeit für den Krieg zu erfüllen?! Die Lehrer, die dem Unterricht an Deutschlands höheren Schulen ihre Lebensarbeit gewid- met haben, dürfen mit Genugtuung feststellen, dass die von ihnen unterwiesene und geführte Jugend ebenso aufopferungsfreudig, vaterlandsliebend und tapfer ist, wie die der grossen Jahre 1813/15 und 1870/71.

Und so soll und wird es bleiben, bis der grosse Kampf ausgekämpft ist und deutsche Ehrlichkeit, Frömmigkeit und Tapferkeit wieder einmal gesiegt haben, und diesmal über den furchtbarsten und gefährlichsten Bund, der sich je gegen uns erhoben, über den Bund wel- scher Tücke und Rachsucht, moskowitischer Gier und Barbarei, englischer Heuchelei und Profitsucht.

Möge dieser erhoffte Sieg bald kommen und nicht zu herbe Opfer mehr verlangen! Möge dann nach dem Siege die ernste Friedensarbeit auch unserer Schule ungestört ihren Gang wieder aufnehmen und fortfahren, dem Vaterlande auch künftig Heldensöhne zu er- wecken! Das walte Gott!

Als erster von den Kriegsfreiwilligen unserer Anstalt erhielt der jetzige Fahnen- junker Ernst Eckhardt für Tapferkeit vor dem Feinde in den Kämpfen um Lodz am 3. Dezember 1914 das Eiserne Kreuz.

Am 24. August fand in der Turnhalle eine Siegesfeier statt. In ihr wies der Mitun- terzeichnete auf die grossen Erfolge des Kronprinzen Wilhelm und des Kronprinzen Rupprecht in Westen, sowie auf die Siege Hindenburgs in Ostpreussen hin.

Der 2. September wurde in herkömmlicher Weise gefeiert. In der Ansprache an die Schüler behandelte der stellvertretende Direktor in kurzen Zügen die Verwaltung in den von uns eroberten feindlichen Gebietsteilen, die Einrichtung des Etappenwesens, der Feldeisen- bahnabteilungen und der Feldpost.

Die Feier des Falls von Maubeuge gab dem Mitunterzeichneten am 9. September Anlass, auf die Erfolge der österreichischen Motorgeschütze und der deutschen 42 cm- Mörser hinzuweisen.

Auch im Unterricht, besonders in der Geschichte, wurden immer wieder die Lehrauf- gaben in lebendige Beziehung zu den grossen kriegerischen Ereignissen gesetzt.

Am 21. September ging der Erlass über die militärische Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes ein. Nach ihm soll die heranwachsende Jugend vom 16. Lebensjahre ab auf Grund der dem Erlass beigefügten Richtlinien ausgebildet werden.

Mit Begeisterung wurde der Plan zur Errichtung einer Jugendwehr an unserem Gymnasium und der Realschule aufgenommen. Sämtliche noch vorhandenen Schü-