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Konstitution oder irgend ein Gebrechen den Schüler als noch unreif oder untauglich für die Kriegsstrapazen erscheinen liessen, sich verpflichtet fühlte, sanft aber dringend abzumahnen. Freilich meist vergebens!— Auch verschiedene misslungene Versuche, bei diesem oder jenem Truppenkörper anzukommen, schreckten die ungestüm Drängenden nicht ab, die nur immer neue Möglichkeiten militärischer Betätigung aufsuchten. Keiner wollte da hinter dem anderen zurückstehen. Die Prima des Gymnasiums schmolz mit reissender Schnelle zusammen. Von 24 Primanern blieben nur 4 auf der Schulbank zurück, auch diese nur mühsam ihre heissen Wünsche dämpfend.
Damit aber die jungen Leute, die sofort bei Kriegsausbruch zu den Waffen eilten, keine Schädigung für ihren späteren Beruf erlitten, ordnete der Herr Minister durch Verfügung vom 1. August 1914 an, dass die Lehrerkollegien der neunstufigen höheren Schulen befugt sein sollten, eine Notprüfung mit abgekürztem Verfahren, den Zeitumständen entsprechend abzuhalten.
An unserem Gymnasium fand diese Notreifeprüfung am 7. und 8. August unter dem Vorsitz des Direktors statt. Sämtliche 14 Prüflinge konnten für reif erklärt werden. Dies waren:
Heinrich Bertalot, Erich Bohris, Walter Hess, Fritz Heydorn, Otto Höhn, Kurt Kohl, Wilhelm Lühr, Karl Philipps, Wilhelm Pröscholdt, Wil- helm Richter, Edmund Sahner, KarlSchenk, Theodor Trog, Alfred Ubrich.
Die Primaner, die im ersten Halbjahr die Prima besuchten und als Kriegsfreiwillige in das Herr eingetreten waren, wurden auf die Verfügung des Herrn Ministers vom 31. Aug. 1914 hin nach Oberprima versetzt. Es waren dies:
Ernst Eckhardt, Theodor Holzhausen, Hans Lönholdt, Paul Nauck, Rudolf Schlichte, Rudolf Taxer, Gerhard Trapp.
Diejenigen unter ihnen, die als Fahnenjunker in das Heer eintraten, hatten nach einer Verfügung des Herrn Kriegsministers Anspruch auf Befreiung von der Fähnrichsprüfung.
Den vier Kriegsfreiwilligen aus der Obersekunda: Hans Lucke, Kurt Matthaei, Erich Scholz, Heinrich Winter wurde die Reife für die Versetzung nach Unterprima zuerkannt.
Der Untersekundaner Viktor Spielmans erhielt das Zeugnis für die wiss. Befähi- gung zum einjährig-freiwilligen Dienst. Mit ihm trat zugleich auch sein 15jähriger Bruder, der Untertertianer Max Spielmans, in das Heer ein.
So hatten sich denn die Reihen der Lehrer und Schüler mehr, als man vorher ahnen konnte, gelichtet; und es ist natürlich, dass die Gedanken der Zurückbleibenden während der aufregenden Kriegsereignisse der folgenden Monate insbesondere den Schicksalen der Kol- legen und kriegsfreiwilligen Schüler, die hinausgezogen waren, mit gespannter und besorgter Teilnahme folgten. Wie es aber bei den grossen Anstrengungen und Strapazen, bei dem häufigen Hin- und Herschieben aller Heereskörper nicht anders zu erwarten stand, flossen die Nachrichten über die Kriegsteilnehmer aus dem Lehrerkolleg und der Schülerschaft zum Teil nur spärlich, und bei der Fortdauer des Krieges ist etwas Ausführliches oder Abschlies- sendes über sie nicht zu erfahren. Es muss einem anderen Schulprogramm vorbehalten bleiben, die oben gegebene Nachricht zu ergänzen und zum Abschluss zu bringen. Das aber


