Jahrgang 
1915
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fuhr, der auch als Vizefeldwebel d. Res. und zwar im Inf.-Regt. 88 in den Krieg gezogen war. In den ausgedehnten Kämpfen an der Maas ereilte ihn am 28. August in der Nähe von Mouzon das Todesgeschick aus einem französischen Maschinengewehr. Die Kunde von seinem Tode wirkte um so erschütternder, als Dr. Prinz eine junge Frau hinterliess und ein Kind, das erst wenige Tage vor Kriegsbeginn geboren war. So war denn die menschliche Teilnahme an dem jähen Ende eines so kurzen ehelichen Glücks allgemein und tief. Die Schule aber betrauert in dem Dahingeschiedenen einen Lehrer von grossen und schönen Gaben. Ein reiches, vielseitiges Wissen auf Gebieten, die sonst nur selten vereinigt werden, in Mathematik, Physik und alten Sprachen, hatte ihn für die Stelle an unserer Schule beson- ders geeignet gemacht, und eine ausserordentlich glückliche Veranlagung für den höheren Lehrberuf liess seinen Eintritt in das Kollegium in hohem Grade wertvoll erscheinen. Mit feinem Takte wusste er den jugendlichen Geistern den Lehrstoff fasslich zu machen, so dass auch schwächere Schüler ihm mit Nutzen folgten, und die Beherrschung jener Mittel, wodurch der gute Lehrer zugleich die Herzen der Schüler gewinnt und ihre Köpfe aufhellt, machte ihn bei der Schuljugend und den Eltern beliebt. Wie viele Hoffnungen sind mit ihm begraben! Wenn auch Prinz nur ein kurzes Wirken an unserer Schule beschieden war über seinen Eintritt und seinen Lebenslauf hat das vorige Programm berichtet, so wird seiner doch in dankbarer Erinnerung gedacht werden. Mit Wehmut sehen wir eine viel ver- heissende Laufbahn jählings abgebrochen; indessen: es war der Tod fürs Vaterland, für das kein Opfer zu gross sein darf.

Zu Ehren des im Heldenkampf gefallenen Kollegen fand am 10. September eine Trauerfeier in der Turnhalle statt.

Ende September wurde Herr Kand. Meis am Kopf verwundet. Nach Heilung der Wunde kehrte er im Januar zu seinem Regiment zurück. Auch Herrn Oberlehrer Bräuning traf eine feindliche Kugel im tapferen Kampf an der Schulter. Glücklicherweise aber war die Verletzung nicht gefährlich, so dass er schon Anfang Januar wieder in das Ersatzbataillon des Inf.-Regts. 80 eintreten konnte. Die Verleihung des Eisernen Kreuzes erfüllte nach dieser Feuertaufe ihn selbst mit Freude und die Schule mit besonderem Stolz. Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Herren Dir. Dr. Schönemann zum Hauptmann, Prof. Kasper zum Oberleutnant, Prof. Dr. Gerland und Oberlehrer Bräuning zu Leutnants befördert wurden.

Auch die Zahl der Schüler, die bei Kriegsausbruch sich sofort aus dem Dienst der Musen in den männermordenden Krieg wagten, war wir dürfen es mit Stolz sagen! über alles Erwarten gross. Kaum waren die Reden verklungen, in denen an den grossen Gedenktagen des Jahres 1913 die Jugend der deutschen Gymnasien und Universitäten von 1813 gepriesen war, die Jugend, die in den Befreiungskriegen aus Schulen und Hörsälen aufs Schlachtfeld eilte, da erlebten wir selbst, freudig staunend und aufhorchend, eine neue Erhebung der deutschen Schuljugend. Es gab in der ersten Augustwoche Tage, wo der Direktor, wenn er arbeitend am Schreibtische sass, drei- oder viermal durch eintretende Pri- maner unterbrochen wurde, die ihm ihren festen Entschluss erklärten, sich als Kriegsfreiwil- lige zu melden. Das ging so weit, dass er in einigen Fällen, wo Zartheit der körperlichen