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Ludwig Müller, geboren am 20. Juni 1877 zu Frankfurt a. M., kath. Bek., bestand die Reifeprüfung an dem Kaiser-Friedrich-Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte nach philosophischen und theologischen Studien an den Univéersitäten Marburg und Bonn Mathematik und Naturwissen- schaften und bestand an der letztgenannten Universität die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen. Sein Probejahr absolvierte er an der Handelsrealschule seiner Vaterstadt und war dann mit der Verwaltung einer wissenschaftlichen Hilfslehrerstelle an der Sachsenhäuser Oberrealschule betraut. Diese Zeit benutzte er, um seine naturwissenschaftlichen Studien an dem Senckenbergianum zu Frankfurt a. Main auszubauen, dessen Vorlesungen und Praktika er mehrere Jahre besuchte. Im Oktober 1913 wurde er als Oberlehrer an das Kaiserin Friedrich-Gymnasium und die Realschule zu Bad Homburg berufen.
Gleichzeitig wurde unserer Anstalt Herr Dr. Riess als Probekandidat überwiesen.
An die Stelle des im Dezember 1912 verstorbenen Rabbiners Dr. Kottek wurde von der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Winter(bisher in Myslowitz) gewählt. Er trat im Juli 1913 sein neues Amt in Homburg an und übernahm im II. Quartal den israe- litischen Religionsunterricht an unserer Schule, den in der Zwischenzeit Herr Cantor Herz mit Pflichteifer und Gewissenhaftigkeit erteilt batte.
An einem archäologischen Ferienkursus in Bonn und Trier(Pfingsten 1913, vom 13.— 22. Mai) nahm der Unterzeichnete teil, nachdem er vom Kgl. Prov.-Schulkollegium dazu einberufen war.— Zu einem englischen Kursus in Göttingen vom 23. März bis 4. April 1914 wurde Herr Oberlehrer Brenken einberufen.
Militärische Uebungen leisteten ab Herr Oberlehrer Kasper vom 3. Juni bis zu den grossen Ferien und Herr Oberlehrer Dr. Prinz vom 11. März an 8 Wochen. Die Ver- tretungen wurden vom Kollegium und den überwiesenen Kandidaten übernommen.
Am 29. und 30. Mai besichtigte Herr Provinzial-Schulrat Kanzow die Anstalt und wohnte dem Unterricht in einer grossen Anzahl von Fächern und Klassen bei. Die dabei gemachten Beobachtungen besprach er mit den betreffenden Lehrern und dem Direktor.
Einen breiten Raum nehmen in diesem Jubiläumsjahr die Gedenkfeiern an die grosse Zeit der Erhebung ein, und sie haben hoffentlich dazu beigetragen, unserer Jugend grosse Vorbilder zur Nacheiferung vor Augen zu stellen und sie mit Begeisterung und Liebe für unser Volk und seine bedeutende Geschichte zu erfüllen. Am 10. März 1913 fand die schon im vorigen Programm angekündigte Feier zum Gedächtnis der Erhebung Preussens und der Stiftung des eisernen Kreuzes statt, wobei Herr Prof. Rudolph in seiner Rede den Zu— hörern die grossen Ereignisse des Winters und Frühlings 1812 und 13 lebhaft vor Augen führte.
Am Ende des vorigen Schuljahres hatte Herr Zeichenlehrer Herbold eine reich- haltige Ausstellung von Zeichnungen und Malereien der Schüler veranstaltet, die nach der Schlussfeier am 19. März auch von den Eltern unserer Schüler und sonstigen Freunden der Anstalt eingehend besichtigt wurde. Sie legte von den Fortschritten der Schüler sowohl im Freihand- wie auch im technischen Zeichnen ein beredtes Zeugnis ab. Die Schlussfeier selbst brachte eine Reihe von frisch vorgetragenen Chören, Deklamationen, Instrumentalvorträgen und Reden. Der Abiturient Feldmann richtete Worte des Abschieds an die Lehrer der Anstalt und seine Mitschüler, indem er an Schillers Wort von der Bildung des Talentes und der des Charakters anknüpfte. Der Primaner Sahner führte in seiner Antwort an die Scheidenden aus, ein wie grosser Unterschied sei zwischen der wahren Freiheit, die auf Selbstbeherrschung beruhe, und der falschen, angemassten des Jünglings, der sich nur ausleben wolle. Der Direktor wünschte den Abiturienten, dass ein guter Genius aus ihrer schönen Heimat, deren Reize er ihnen noch einmal vor Augen stellte, sie auf ihren ferneren Lebens- pfaden begleiten möge. Das echte Heimatgefühl und die Liebe zu den Eltern sollen ihnen ein Talisman sein. Zur Nacheiferung im Dienste des Vaterlandes stellte er ihnen aus der


