Jahrgang 
1909
Einzelbild herunterladen

15

Herr Professor Dr. Spranck sprach im Namen des Lehrerkollegiums und übergab zur Erinnerung an die Amtsgenossen ein Werk über. den Odenwald, die Heimat des in den Ruhestand Tretenden. Der Oberprimaner Nolte dankte im Namen der Schüler für die treue Leitung des verehrten Lehrers, den sie nie vergessen würden. In bewegten Worten antwortete Herr Professor Glaser und betonte, dass er zu seiner grossen Freude viele Beweise der Liebe erhalten habe, und dass er, wenngleich jetzt das Band amtlicher Zusammengehörigkeit, gelöst sei, doch den persönlichen freundschaftlichen Verkehr weiter zu pflegen hoffe. Wir wünschen dem aus unserer Mitte geschiedenen lieben Kollegen einen ungetrübten, schönen Lebensabend.

Ein schwerer Krankheitsfall traf gegen Ende des vorigen Schuljahrs ein zweites Mitglied unseres Kollegiums. Herr Professor Froeling musste sich am 9. März 1908 in Frankfurt einer Operation unterziehen, sodass er bei der Schlussprüfung der Realprimaner von dem Unterzeichneten vertreten werden musste. Er wurde zuerst bis zu den Sommer- ferien, dann bis zum 1. Oktober beurlaubt, doch erlag er schon am 29. Juli seinen Leiden. Bei seiner Beerdigung wurde unter verschiedenen Kranzspenden, von den Kollegen und Schülern auch im Namen der städtischen Behörden von Herrn Ersten Bürgermeister Lübke ein Kranz niedergelegt. Als am 4. August der Unterricht nach den Sommerferien mit einer Schulandacht eröffnet wurde, widmetéè der Direktor dem Entschlafenen, der seit dem 17. Oktober 1871 an unserer Schule als Lehrer gewirkt hatte, Worte der Anerkennung und des Dankes für die der Anstalt geleisteten Dienste.

Noch eines anderen Todesfalls müssen wir gedenken. Am 22. Mai 1908 starb in Sonnenberg-Wiesbaden der pensionierte Oberlehrer Adolf Giesse. Geboren in Paris am 29. März 1858, war er nach Beendigung seiner Studien ein Jahr Lektor der französischen Sprache an der Universität Marburg. Im Mai 1889 wurde er an unserer Schule angestellt und widmete sich mit Eifer und Liebe der Lehrtätigkeit, doch wurde er im Herbst 1895 von einem sehr schweren Leiden ergriffen, das ihn zwang, das Unterrichten aufzugeben. Mit grosser Geduld ertrug er zwölf Jahre hindurch die Krankheit, bis ihn der Tod erlöste. Wir bewahren dem heimgegangenen Kollegen ein treues Andenken.

Da Herr Professor Glaser für die Monate April und Mai beurlaubt war, übernahm den mathematischen Unterricht, zunächst vertretungsweise, Herr König. Am 1. Juni wurde ihm eine Oberlehrerstelle an unserer Schnle durch Wahl des Kuratoriums und Bestätigung seitens des Königl. Provinzialschulkollegiums übertragen.

g 8 8

Wilhelm König, geboren zu Schlüchtern am 10. Dezember 1880, besuchte zuerst die Volksschule, dann die Lateinschule seiner Heimatstadt. Ostern 1804 trat er in die Herbstuntersekunda des Königl. Wilhelmsgymnasiums zu Casscl ein. Im Herbst 1900 verliess er das Gymnasium mit dem Zeugnis der Reife und widmete sich dem Studium der Mathematik, Physik, Chemie und Mineralogie. Er studierte in München, Berlin und Marburg. Das Staatsexamen bestand er im Oktober 1905 zu Marburg. Das Seminarjahr leistete er an der Klinger-Oberrcalschule zu Frankfurt, das Probejahr an dem Gymnasium nebst Real- schule zu Höchst ab.

An Stelle des verstorbenen Professors Froeling wurde Herr H Bräuning, der seit Oktober 1907 als wissenschaftlicher Hilfslehrer an unserer Schule tätig war, zum Oberlehrer gewählt. Seine Anstellung erfolgte am 1. Oktober 1908.

Hans Heinz Bräuning wurde geboren am 23. September 1879. Er besuchte die Gymnasien zu Schleswig und Meldorf und bestand Ostern 1800 die Reifeprüfung. In den Jahren von 1809 bis 1904 studierte er auf den Universitäten Heidelberg, Berlin, Göttingen und Genf Germanistik und neuere Sprachen. Im juli 1904 bestand er in Göttingen das Staatsexamen. Im folgenden Jahre war er in Weilburg als Seminarkandidat, in dem darauffolgenden in Oberlahnstein als Probekandidat tätig. Im Jahre 1906-07 genügte er seiner Dienstpflicht im Inf.-Reg. No. 31 und übernahm im Oktober 1907 die Hilfslehrerstelle am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium.

Die etatsmässige Hilfslehrerstelle wurde im Herbst 1908 Herrn Gustav Schmidt fibertragen, der im Sommerhalbjahr deutschen Unterricht in Sexta und Real-Tertia, lateinischen Unterricht in Sexta und Geschichtsunterricht in Real-Quarta erteilte. Im Winterhalbjahr wurde ihm der lateinische Unterricht in Quarta übertragen, während Herr Oberlehrer Dr. Gerland dafür den deutschen Unterricht in Real-Tertia übernahm..