Jahrgang 
1908
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Teil des französischen und englischen Unterrichts übernahm, da von aussen Ersatz nicht zu bekommen war, der in den Ruhestand getretene Oberlehrer Achard. Herr Professor Dr. Spranck musste wegen einer schweren Verletzung des Fusses vom 6.25. August, und wegen Unwohlseins vom 23.29. November den Unterricht aussetzen. Herr Professor Fröling war zum Besuch der Philologen-Versammlung in Basel vom 22.28. September, Herr Professor Dr. Rudolph zum Zweck archivalischer Studien drei Wochen im Anschluss an die Herbstferien beurlaubt. Krank waren Herr Hoffmann fünf Tage im Sommer und neun Tage im Februar, Herr Professor Dr. Rudolph vier Tage im November, Herr Professor Dr. Bauder vier Tage im Februar, Herr Professor Dr. Glaser vom 14. Februar an und Herr Professor Fröling mehrere Tage im März. Wegen Todesfalls in der Familie beurlaubt waren Herr Oberlehrer Purgold zwei Tage und Herr Milow vier Tage im Februar.

3. Der Unterricht begann, nachdem der Montag den Aufnahmepriifungen der neu eintretenden Schüler gewidmet worden war, am Dienstag, den 28. April. Zeitweise war es sehr schwer, den Unterricht in geordnetem Gang zu erhalten. Ausser den vielen Ver- tretungen wirkte die Unruhe störend ein, die durch das Automobilrennen und die ihm vor- ausgehenden Ubungsfahrten unter der Jugend hervorgerufen wurde. Der Besuch der Renn- strecke richtete die Gedanken vieler Schüler ganz auf diese sportlichen Veranstaltungen. Im Herbst wurde eine Unterbrechung durch die mehrere Tage dauernde Reifeprüfung von Nichtschülern veranlasst, die durch das Königl. Provinzial-Schulkollegium unserer Schule überwiesen worden waren. Auch der im Schuljahr eintretende Lehrerwechsel brachte gewisse Schwierigkeiten mit sich, dic jedoch, da die im Winterhalbjahr eintretenden Herren sich ihrer Aufgahe mit Eifer und Geschick hingaben, leicht überwunden wurden. An einem stenographischen Kursus, der vom Juni bis September dauerte, nahm eine grössere Anzahl von Schülern teil. Mit Genehmigung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums besuchte der Geh. Oberschulrat Herr Professor Dr. Menge aus Oldenburg unsere Schule und wohnte am 20., 21. und 23. September dem Unterricht in verschiedenen Klassen bei, um die an unserer Anstalt eingerichtete Verbindung einer Realschule mit einem Gymnasium kennen zu lernen.

4. Die Sedaufeier wurde am 2. September in der Turnhalle mit Gebet, Gesangs- vorträgen und Deklamationen der Schüler begangen. In der Festrede schilderte Herr Professor Dr. Rudolph den Gang der Befreiungskämpfe der Germanen gegen die Römer, wodurch die Selbständigkeit Deutschlands erhalten wurde. Am Geburtstag S. Majestät des Kaisers und Königs wurden Chorgesänge und die zwei letzten Szenen aus dem vierten Akt von Körners Zriny vorgetragen. In der Festrede gab Herr Professor Dr. Dreyling einen Überblick über die Bestrebungen der Deutschen, in aussereuropäischen Ländern Kolonien zu erwerben, vom sechzehnten Jahrhundert bis auf die Gegenwart, wo das kraftvolle Eintreten des Kaisers für die Flotte und die Kolonisation zu schönen Erfolgen geführt hat.

5. Die schriftliche Reifeprüfung der unserem Gymnasium überwiesenen Nicht- schüler wurde vom 26. bis zum 29. August, die mündliche Prüfung am 11. und 12. September gehalten. Von zwölf Geprüften wurden sechs für reif erklärt. Ihre Namen sind: Michael Christ, Heinrich Klepper. Ernst Köhler, Ludwig Payer, Ernst Schneider, Georg Weber. Unsere Oberprimaner, von denen einer wegen Krankheit seine Meldung zuriickgezogen hatte, einer nicht zugelassen worden war, da er der Prima noch nicht volle zwei Jahre angehörte, wurden schriftlich vom 10. bis 14. Februar, mündlich am 6. März geprüft.

6. Wegen zu grosser Hitze wurde der Unterricht um 11 Uhr vormittags geschlossen am 13. und 17. Mai, 28. Juni. 6. und 14. August. Geimpft wurden am 8. Mai durch Herrn Medizinalrat Dr. Ziehe 33 Schüler. Derselbe unterzog auch die hygienischen Ver- hältnisse der Schule im Herbst einer eingehenden Untersuchung. Da den Untersekundanern ihr Klassenzimmer im zweiten Stockwerk des Schulhauses nicht geniigenden Raum bot, wurde auf Antrag des Direktors eine Zwischenwand in den Weihnachtsferien weggenommen und durch Vereinigung zweier Räume ein grosses Klassenzimmer geschaffen, Die im Schulhause zur Verfügung stehenden Zimmer sind damit alle besetzt,