Jahrgang 
1906
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2. Das Kuratorium. Seit September 1901 führte Herr Oberbürgermeister von Marx den Vorsitz im Kuratorium, bis er im Frühjahr 1905 infolge seiner Ernennung zum Königlichen Landrat des Obertaunuskreises aus dieser Stellung ausschied. Wir danken ihm für das der Anstalt erwiesene Wohlwollen und erinnern besonders daran, dass er in einer Immediateingabe an S. Majestät den Kaiser und König, unter Hinweis auf die grossen Kosten, die der Stadt Homburg aus der Unterhaltung der höheren Lehranstalt erwachsen, darum bat, es möge unsre Schule auf den Staat übernommen werden. Nach langen Ver- handlungen wurde entschieden, dass zwar jener Bitte nicht entsprochen werden könne, doch wurde am 14. April 1905 mitgeteilt, dass der vom Staate zur Unterhaltung der Homburger höheren Schule gezahlte Bedürfniszuschuss um 5000 M. jührlich erhöht worden sei. Gegenwärtig besteht das Kuratorium aus Herrn Oberbürgermeister Mass als Vorsitzenden, dem Kgl. Landrat Dr. von Marx als Vertreter des Kgl. Kompatronats, Herrn Geh. Sa- nitätsrat Dr. Hitzel, Herrn Justizrat Dr. Zimmermann und aus dem Direktor der Schule.

3. Der Lehrkörper. Da Herr Adolf Reusch, der im Jahre 1904 seine Kraft unsrer Schule gewidmet hatte, zum Oberlehrer in Krefeld erwählt worden war und zu Ostern 1905 Homburg verliess, wurde die etatsmässige Hilfslehrerstelle Herrn Karl Bellgard übertragen, der, geboren zu Frankfurt am 28. März 1877, ebenda sein Probe- jahr abgelegt hatte. Der Badische Schulamtspraktikant, Herr Dr. Har ald Hofmann, der, wie im vorjihrigen Berichte mitgeteilt worden ist, vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium zur Lehrtätigkeit an unserer Schule zugelassen worden war und in anregender Weise in verschiedenen Klassen unterrichtet hatte, gab diese Tätigkeit am 30. September 1905 auf, da er nach Heidelberg ibersiedeln musste. Herr Oberlehrer Rudolph erwarb sich an der Universität Tübingen die philosophische Doktorwürde mit einer Abhandlung über die Entwicklung der Landeshoheit in Kurtrier. Dem Direktor wurde durch S. Majestät, den Kaiser und König am 9. September der Rote Adlerorden 3. Kl. mit der Schleife huld- vollst verliehen. Dem Oberlehrer Dr. Eekhardt wurde durch Patent vom 27. Januar 1906 der Charakter als Professor verliehen.

4. Schulfeiern. Am 9. Mai 1905 wurde in der Turnhalle des Gymnasiums die Schillerfeier abgehalten. Sie wurde eingeleitet durch Instrumentalmusik; es folgte ein Prolog und Vorträge Schillerscher Gedichte und von Szenen aus seinen Dramen. Der Direktor machte bekannt, dass durch die Güte des Herrn Ministers und das Entgegenkommen der städtischen Behörden ermöglicht worden sei, eine Anzahl auf Schiller bezügliche Bücher zu verteilen, deren Lektüre Schillers edle Persönlichkeit und seine hohen Geistesschöpfungen der Jugend dauernd lieb machen solle. Nach Gesangsvorträgen unter der Leitung des Herrn Schildhauer hielt Herr Professor Dr. Bauder die Festrede, in der er Schillers Ent- wicklungsgang schilderte und seine hohe Bedentung für das Deutsche Volk auch in der Gegenwart, besonders aber für die Jugend unsrer Tage, in warmen Worten darlegte. Am Sedantag, den 2. September, hielt Herr Lehrer Hoffmann die Festrede, in der er dar- auf hinwies, dass dieser Tag ein Tag des Dankes für uns sei, ein Tag der Freude über die Gegenwart und der Hoffnung auf die Zukunft unter der Führung unseres Kaisers. Am 9. September begaben sich Lehrer und Schüler auf den Festplatz, wo das von der Stadt, Homburg errichtete Denkmal für Kaiser Wilhelm I. in Gegenwart der Kaiserlichen und Königlichen Majestäten enthüllt wurde. Die neue Fahne des Gymmasiums, die grossenteils von Beiträgen der Schüler angeschafft worden war, begleitete den Zug. Am Schluss der Feier wurde ein von den Lehrern und den Schülern dem Andenken des grossen Kaisers gewidmeter Kranz am Fusse des Denkmals niedergelegt. Am 27. Ja- nuar, dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, Nurden nach einleitenden Gesängen einige Scenen aus E. von WildenbruchsQuitzows in Gegenwart der Behörden und anderer eingeladener Gäste vorgetragen. Die Festrede hielt Herr Professor Frö- ling: er entwarf darin vor den Zuhörern ein lebensvolles Bild der tatkräftigen Persönlich- keit unseres Kaisers, der auf vielen Gebieten mächtige Anregung zum Einschlagen neuer