Jahrgang 
1906
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III. Zur Schul⸗Seſchichte.

Im vorigen Herbst waren vierzig Jahre verflossen, seitdein unsere Anstalt untér der Regierung des Landgrafen Ferdinand. des letzten Fürsten aus dem Homburger Hause, ins Leben trat. Heute sind noch zwei von den Männern, die schon bei der Gründung in das Lehrerkollegium eintraten, in unserer Mitte tätig. Herr Professor Dr. Glaser und Herr Oberlehrer Achard. Der erste Direktor, Herr Professor Goepel, der die Mühen der ersten Einrichtung zu tragen hatte und am 24. Oktober 1870 mit den Schülern in das neu erhaute Schulhaus übersiedelte, leitete die Anstalt von 1865 bis 1888. Diese war an- fangs eine Realschule nach nassauischem Muster. gewährte aber denjenigen Schülern, die ein Gynmasium und später zur Universität überzugehen beabsichtigten, die Gelegenheit, in angegliederten Lehrstunden die alten Sprachen zu erlernen.

Die Schule hat in den vierzig Jahren ihres Bestehens viele Umgestaltungen durch- gemacht. Sie wurde. nachdem die Landgrafschaft Hessen-Homburg 1866 der preussischen Monarchie einverleibt worden war, eine Realschule zweiter Ordnung mit gym- nasialem Nebenunterricht. Auf Anregung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums wurde sie, in der Zeit von 1884 bis 1890 in ein Realprogymnasium, verbunden mit Pro- gymnasium umgewandelt. Da nunmehr für alle Schüler der Zwang. Lateinisch zu lernen, vorlag, war diese Form der Schule vielen Homburgern durchaus unerwünscht; es wurde daher mit Zustimmung der Königl. Behörde das Realprogymnasium in den Jahren 1891 bis 1896 wieder in eine sechsklassige Realschule verwandelt. Endlich wurde auf Antrag der städtischen Behörden genehmigt, dass vom Jahre 1897 an das Progymnasium zu einem Gymnasium erweitert werde.

Zu Ostern 1901 wurden die ersten Oberprimaner zur Universität entlassen. In ihrer jetzigen Form als Gymnasium und als sechsklassige Realschule hat die

Anstalt den Bedürfnissen der Bewohner Homburgs und der Umgegend entsprochen. Es ist in der Zeit von Ostern 1901 bis 1905 44 Oberprimanern das Reifezeugnis zuerkannt worden; in derselben Zeit sind 69 Primaner der Realschule nach Bestehen der Schlussprüfung ent- lassen worden. Von diesen sind nur 10 in eine Oberrealschule tbergetreten, dem Kauf- mannsstand haben sich 39, dem Post- und Eisenbahndienst 8, einem technischen Berufe 9 und dem Lehrerberufe 3 zugewendet. Im Ganzen haben seit Ostern 1875 bis Ostern 1905 480 Schüler das Berechtigungszeugnis für den einjährig-freiwilligen Dienst erhalten.

Die Zahl der Gymnasiasten ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Das Pro- gymnasium zühlte im Oktober 1897 63 Schüler, im Sommer 1905 dagegen wurde die Anstalt von 133 Gymnasiasten besucht. Die Zahl der Realschüler ist sich etwa gleich geblieben. Jede der beiden Abteilungen unsrer Lehranstalt aber zählt annähernd gleich viel Schüler 133 Gymnasiasten, 118 Realschüler ein Beweis dafür, dass die Erwer- bung der Vorbildung für einen praktischen Beruf ohne Erlernung der alten Sprachen den zewohnern Homburgs ungefähr in gleichem Masse als notwendig erscheint, wie die durch den Lehrplan des Gymnasiums gebotene Bildung.

1. Das Schuljahr begann, weil das Osterfest ungewöhnlich spät fiel, erst am 2. Mai. Die ungleiche Dauer der Schuljahre ist für den Unterricht ein empfindlicher Nach- teil, da für die Bewältigung der Lehraufgaben der einzelnen Klassen, die von den staat- lichen Behörden für ein normales Jahr bemessen sind, bald zu wenig, bald zu viel Zeit zur Verfügung steht. Damit das erste Schulvierteljahr nicht zu stark verkürzt würde, ordnete das Kgl. Provinzial-Schulkollegium an, dass die Sommerferien eine Woche später als ge- wöhnlich, am 8. Juli, und dementsprechend die Herbstferien am 1. Oktober beginnen sollten. Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis zum 8. Jannar. Das Schuljahr wird am 7. April geschlossen,