Jahrgang 
1915
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Die Pfingstferien fielen in die Zeit vom 30. Mai bis zum 8. Juni(einschließl.) Während der Ferien und der beiden folgenden Tage nahm Professor Dr. Erxleben an einem archäologischen Ferienkursus in Bonn und Trier teil.

Am 11. Juni beging der Direktor des Königl. Provinzial-Schulkollegiums, Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler die Feier seines 50jäbrigen Dienstjubiläums. Das Lehrerkollegium brachte dem Herrn Jubilar, der sich um die Entwicklung des höheren Schulwesens unserer Provinz und insbesondere auch um unsere Anstalt große Verdienste er- worben hat, seine Glückwünsche in einer künstlerisch ausgestatteten Adresse dar.

Am 16. Juni unternahmen die einzelnen Klassen unter Führung ihrer Klassenleiter Ausflüge nach dem Taunus, dem Rhein und dem Vogelsberg.

Am 2., 3. und 13. Juli mußte der Nachmittagsunterricht wegen großer Hitze aus- gesetzt werden.

Oberlehrer Rüssel wurde durch Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten vom 7. Juli der Charakter als Professor, durch Allerhöchste Kabinettsorder Sr. Majestät des Königs am 12. August der Rang der Räte IV. Klasse verliehen.

Am 17. Juli begannen die Sommerferien. Während der größte Teil des Lehrer- kollegiums an der See oder im Gebirge Erholung suchte, erschienen dunkle Wolken am politischen Horizont, und am 1. August wurde von dem Kaiser die Mobilmachung der ge- samten Armee und Flotte befohlen. Die allgemeine Begeisterung, die unser deutsches Volk ergriff, entzündete natürlich auch die Herzen unserer Jugend, und schon in den ersten Tagen erklärten zahlreiche Schüler ihre Absicht, als Kriegsfreiwillige für die Verteidigung des Vater- landes einzutreten. Noch während der Ferien am 7. und 12. August konnten auf Grund der inzwischen ergangenen Ministerial-Erlasse von den 15 Oberprimanern 12, die ins Heer eintreten wollten, mit dem Zeugnis der Reife entlassen werden. Außer ihnen traten 9 Unter- primaner(darunter ein erst sechzehnjähriger), 3 Obersekundaner, sowie je 4 Schüler der Untersekunda gymn. u. real. als Freiwillige in das Heer ein. Die, jüngeren Schüler meldeten sich zahlreich zur Erntearbeit.

Vom Lehrerkollegium eilten sofort die Professoren Schlegel und Rüssel, der Oberlehrer Dr. Lauer und die Kandidaten Sanner, Theis, Schmitt(letzterer als Kriegsfreiwilliger) unter die Fahne; wenige Wochen später wurde auch Professor Müller, der sich zur Verfügung gestellt hatte, zum Heeresdienst einberufen. Trotzdem konnte vorläufig der Unterricht un- verkürzt aufrecht erhalten werden, indem die beiden Primen, die nur noch acht Schüler zählten, zusammengelegt und die schon an der Anstalt tätigen Kandidaten des höheren Lehr- amts Huth und Bruckner mit Vertretung der zum Heeresdienst einberufenen Oberlehrer beauftragt wurden.

Zur Feier der herrlichen Siege unserer Truppen wurde an einigen Tagen der Unter- richt ausgesetzt, nachdem vorher der Direktor die Schüler auf dem Schulhofe oder in der Turnhalle versammelt hatte, um sie auf die Großtaten unsres Volkes und auf die gewaltigen Leistungen unsres tapferen Heeres hinzuweisen. Gerade bei diesen Gelegenheiten mußte man es doppelt schmerzlich empfinden, daß es der Anstalt noch immer an einemgemeinsamen Versammlungsraum fehlt, dessen Bedürfnis von den städtischen Kollegien schon vor Jahren anerkannt worden ist. Manche Feier hätte sich in einer Aula eindrucksvollerz gestalten, manche überhaupt erst ermöglichen lassen. Am 2. September fiel zur Feier des Sedantages der Unterricht aus; von einer öffentlichen Schulfeier wurde in diesem Jahr abgesehen.

Die Herbstferien dauerten vom 3. bis zum 14. Oktober.

Am 9. Dezember starb in Pagny in Lothringen Oberlehrer Dr. Ludwig Lauer als Leutnant der Reserve, nachdem er den Feldzug von Anfang an mitgemacht hatte. Seit dem 1. Oktober 1911 gehörte er dem Lehrerkollegium an, das ihm gemeinsam mit dem Kura- torium folgenden Nachruf widmete:

Auf dem Kriegsschauplatz in Lothringen starb den Tod fürs Vaterland Herr Ober- lehrer Dr. Ludwig Lauer, Leutnant der Reserve im Brig.-Ers.-Bat. Nr. 42.

Mit einer gründlichen wissenschaftlichen Bildung ausgestattet, trat er im Oktober 1911 an unsre Anstalt ein und widmete sich seinem Berufe mit unermündlicher Pflichttreue und