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Am 1. Juni rettete der Schüler der 3. Realklasse, Fritz Hattemer aus Hattersheim, einen in den dortigen Mühlgraben gefallenen vierjährigen Knaben durch rasches und umsich- tiges Eingreifen vom Tode des Ertrinkens. Der Direktor sprach ihm dafür vor der Klasse die Anerkennung des Lehrerkollegiums aus. Auch der Herr Regierungs-Präsident hat durch Verfügung vom 17. Juli die in Anbetracht der Jugend des Schülers von großer Ueberlegung und Entschlossenheit zeugende Tat belobigend zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
Wegen großer Hitze mußte der Nachmittagsunterricht am 28. Juni und am 10. Juli ausfallen, desgleichen am 14. und 23. August und am 4. September.
Dem Oberlehrer Martin wurde durch Patent des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten vom 12. Juni der Charakter als Professor und durch Allerhöchste Kabinets- Ordre vom 28. Juni der Rang der Räte IV. Klasse beigelegt.
Die Sommerferien dauerten vom 13. Juli bis zum 13. August.
Dem Professor Dr. Lohberg, der schon 14 Tage vor den Sommerferien genötigt gewesen war, den Unterricht auszusetzen, wurde zur Herstellung seiner Gesundheit Urlaub bis zum 30. September bewilligt; zugleich wurde der Kandidat des höheren Schulamts König mit seiner Vertretung beauftragt.
Am 16. August verlor die Anstalt einen braven Schüler, den Real-Tertianer Hans Halm aus Höchst a. M., im Alter von 13 ½ Jahren nach kurzer Krankheit. Lehrer und Mitschüler gaben ihm das letzte Geleite.
Da die Unterrichtsstunden nicht mehr in normaler Weise gedeckt werden konnten und da durch die hohen Frequenzzahlen einiger Klassen eine Ueberlastung einzelner Ober- lehrer eingetreten war, beschlossen die städtischen Kollegien auf Antrag des unterzeichneten Direktors die Berufung eines Wissenschaftlichen Hilfslehrers. Am 21. August trat der Wissenschaftliche Hilfslehrer Rüssel in das Lehrerkollegium ein; er wurde am 27. August in Gegenwart des Lehrerkollegiums vereidigt.
Hans Rüssel, geboren am 3. Juni 1875 zu Mainz, katholischer Konfession, vorgebildet auf dem Gymnasium zu Mainz, studierte von Ostern 1805 ab neuere Philologie auf den Universitäten zu Gießen, München und Straßburg, woselbst er die Prüfung für das höhere Lehramt im Dezember 1800 bestand. Seine theoretisch- und praktisch-pädagogische Ausbildung genoß er am Neuen Gymnasium zu Märmetaudt. Er verwaltete Lehrerstellen bisher in Worms, Oppenheim a. Rh., Bingen a. Rh., Cöln un rüssel.
Die schriftliche Reifeprüfung fand am 23., 24., 25. und 28. August statt; die münd- liche Prüfung wurde am 5. September unter dem Vorsitz des Herrn Ober- und Geheimen Regierungsrates Dr. Paehler abgehalten. Dem Oberprimaner, der in die Reifeprüfung ein- getreten war, wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt.
Die Erinnerung an den Tag von Sedan wurde am 1. September durch einen Festakt gefeiert, wobei der Oberprimaner Lahr einen Vortrag über„Deutschland und Napoleon“ hielt. Demselben und dem Schüler der 1. Realschulklasse Kraus wurde je ein vom Herrn Minister der Anstalt überwiesenes Werk als Prämie überreicht.
Am 28. September starb nach längerer Krankheit Professor Dr. Lohberg. Die Anstalt verlor in ihm einen mit reichen Gaben des Geistes ausgestatteten, von wissenschaft- lichem Streben erfüllten Lehrer. Mehr als 19 Jahre hat er an der Anstalt mit unermüd- licher Pflichttreue und rastlosem Eifer gewirkt und eine reichgesegnete Tätigkeit entfaltet. Den Schülern war er allezeit ein wohlwollender Lehrer, ein treuer Freund und Berater; ihrem Wohle gehörte sein Herz. Das Lehrerkollegium aber beklagte den Verlust eines bewährten, wegen seines geraden und lauteren Charakters hochgeschätzten Amtsgenossen. In der Ge- schichte unserer Anstalt wird Professor Dr. Lohberg immer mit Ehren genannt werden. Am 29. September hielt ihm der Direktor in der Aula die Gedächtnisrede, und am 30. gaben ihm die Lehrer und Schüler das letzte Ehrengeleite. Ueber seinen äußeren Lebensgang bis zu seinem Eintritt in das hiesige Lehrerkollegium ist in dem Jahresbericht von 1888 be- richtet worden.
Die Herbstferien währten vom 30. September bis zum 10. Oktober. Am 11. Oktober fand die Aufnahmeprüfung statt, am 12. begann der Unterricht. Neu aufgenommen wurden 3 Schüler ins Gymnasium, 1 in die Vorschule.


