Jahrgang 
1881
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werden, die Lücke zwiſchen Gymnaſium und Elementarſchule, die ſich immer und immer wieder fühlbar macht und zu deren Ausfüllung eben die höhere Bürgerſchule beſtimmt war(vergl. Progr. v. 1878, S. 13), auszufüllen. Ob der Verſuch gelingen wird, muß die Erfahrung lehren, kann aber jetzt ſchon bezweifelt werden. So viel iſt gewiß, daß, abgeſehen von der Frage, ob der Zweck einer einheitlichen Real⸗ ſchulbildung nebenher und beiläuſig durch das Gymnaſium, für welches dieſe Doppelaufgabe auch nicht gerade vorteilhaft ſein dürfte, erreicht werden kann, dem mittleren Bürgerſtande, alſo gerade den Kreiſen der Bevölkerung, welche ſich vorzugsweiſe gewerblichen Berufsarten widmen, der Zugang zu einer höheren Schulbildung unverhältnismäßig erſchwert, wo nicht unmöglich gemacht worden iſt. Denn alle diejenigen Eltern, welche ein jährliches Schulgeld von durchſchnittlich 90 M. nicht aufzubringen vermögen, werden ſich, ſo gerne ſie auch mehr als 6 M.(ſo viel beträgt das Schulgeld der Elementarſchule) anwenden möchten, genötigt ſehen, ihre Söhne in der Elementarſchule zu laſſen. Ich habe deshalb zeitig und wiederholt auf die dem Fortbeſtand der Schule drohenden Gefahren aufmerkſam gemacht und noch in einer auf den Wunſch des Vorſtands verfaßten gutachtlichen Außerung vom November 1878 die Gründe hervorgehoben, welche für die Erhaltung der höheren Bürgerſchule als einer ſelbſtändigen Anſtalt ſprechen.

Die Urſachen, welche den Fortbeſtand der Schule überhaupt erſchwert und zuletzt unmöglich gemacht haben, ſind in den Programmen der letzten Jahre, namentlich in dem von 1878 und 1880. ausführlich dargelegt worden und ſollen hier nur kurz erwähnt werden.

Es waren:

1) die ungünſtigen örtlichen Verhältniſſe, insbeſondere die gedrückte Geſchäftslage; 2) das unverhältnismäßig hohe Schulgeld; 3) die unabläſſigen auf die Beſeitigung der Schule gerichteten Beſtrebungen.*)

Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß unter dieſen Umſtänden die Schule namentlich in den letzten Jahren eine äußerſt ſchwierige und höchſt undankbare Aufgabe zu erfüllen hatte; mit um ſo größerem Nach⸗ druck muß hier die Thatſache hervorgehoben werden, daß das Lehrerkollegium bei allen Schwierigkeiten, die es zu bekämpfen hatte, unbeirrt durch vielfache bittere Erfahrungen ſtets ſeine volle Schuldigkeit gethanhat.

Nachdem ſich mir die Ueberzeugung aufgedrängt hatte, daß die Schule den nimmer ruhenden Angriffen gegenüber, durch welche das bereits mit Erfolg auch zum großen finanziellen Schaden

*) Das Hersfelder Intelligenzblatt brachte unter dem 21. Dezember 1874 einen aktenmäßigen Bericht über eine öffentliche Sitzung des Bürgerausſchuſſes, in welcher über den Plan, die Schule mit dem Gymnaſium zu vereinigen, verhandelt und als Grund für denſelben geltend gemacht wurde, daß dadurchviel id. h. die ganze Ausgabe der Stadt für ihre Schule) geſpart werden könnte. Nach demſelben Bericht hatte der Stadtrat Anfang April 1874 die Aufhebung der Vorſchule beſchloſſen, wozu der Bürgerausſchuß ſeine Zuſtimmung gegeben hatte, und es wurden die Gehälter für die beiden Lehrer der Vorſchulklaſſe nur bis Oſtern 1875 bewilligt, um durch die Aufhebung der Vorſchule die Aufhebung der höheren Bürgerſchule ſelbſt herbeizuführen.(S. Progr. von 1880 S. 14.)