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gleichsam aus dem Felsen gewachsenen Meersburg an dem Grabe der großen Dichterin Anette von Droste-Hülshof. Daran schloß sich ein Besuch des Fürstenhäusle, in dem Anette ihre letzten Jahre verlebte. Hier war uns eine Verwandte der großen Künstlerin eine liebenswürdige Führerin durch die vielen Erinnerungen und durch die bescheidenen Räume, in denen ein bedeutendes Leben zu Ende ging. Dann trug uns der Schnellzug über Singen und an dem Hohentwiel vorbei, von dessen Ruine uns die schöne Herzogin, die glutäugige dunkle Praxides, der ernste Mönch und dahinter der lustige Spazzo vertraut grüßten, mitten durch den Schwarzwald mit seinen rauschenden Tannenwäldern zurüd in die traute Schönheit unserer hessischen Berge.
Das bedeutsamste Ereignis in der Geschichte der Anstalt während des abgelaufenen Berichts- jahres war der Abgang des Leiters der Schuſe, des Herrn Oberstudiendirektors Dr. Köhler. Infolge der Erreichung der Altersgrenze schied der Führer und Berufsgenosse aus unserer Mitte und aus seinem Amte, das er fast zwei Jahrzehnte mit großem Erfolge geführt hatte. Ein arbeitsvolles, aber auch reich gesegnetes Beamtenleben ist damit zum Abschlusse gelangt.
Der Summe seines Wirkens und den Ausstrahlungen seiner gefestigten Persönlichkeit entsprach die Fülle und Innigkeit der Verehrung und Anerkennung, die ihm beim Abschiede von der heiß⸗ geliebten Klosterschule in das Otium cum dignitate folgten. Kraftvoll hat er die äußere Entwicklung der Anstalt gefördert, aber auch ihr inneres Wachsen stark und nachhaltig beeinflußt.
Als ihn das Vertrauen seiner vorgesetzten Behörde an die Spitze unserer altehrwürdigen Klosterschule berief, da unterstützte den neuen Leiter in seinem Streben und in seiner Arbeit nur ein Jahr lang der Segen des Friedens. Dann stiegen herauf die schweren Zeiten des großen Krieges mit ihrem wundervollen Opfermut, aber auch mit ihrer Not und ihrem Elende und in ihrem Gefolge die Inflation, die alles aus den Fugen zu reißen drohte. Und an diesen Kampf schloß sich dann ein anderer Kampf auf geistigem Gebiete, der Kampf um die Neuordnung unseres Schulwesens und unserer Jugenderziehung, der bis heute seine Wellen in jede Schule trägt.
Es bedurfte der ganzen verzehrenden Tatkraft und der meisterhaften Geschicklichkeit des Steuer- manns, um das Schulschiff durch die aufgeregten Wogen zu lenken, eine unendliche Fülle von Arbeit und Opfer und die beste Manneskraft umsäumen den Weg. Zeitweise türmten sich die inneren und äußeren Schwierigkeiten so sehr, daß eine Durchführung des Unterrichts überhaupt in Frage gestellt war. Siegreich ging aus Kampf und Not die Schule hervor.
Es erfolgte der Ausbau der Schule zur großen Doppelanstalt und die Einrichtung der Realschule. Mit dieser Neuordnung wurde einem langgehegten Wunsche unserer Lullusstadt entsprochen und ihre Weiterführung zur Oberrealschule erhoffen weite Elternkreise. Die von Dr. Köhler ausgehende Anregung führte auch zur Gründung der Vereinigung ehemaliger Klosterschüler, die heute über 1400 Mitglieder zählt und ein Band schlägt um Lehrer, Schüler, Studenten und um Männer, die bereits längst im ernsten Kampfe des Lebens stehen und es zu hohen Ehren gebracht haben. Auch der Freitisch, das„Tischlein ded dich“ für so viele bedürftige Schüler— in der Vorkriegszeit stieg die Zahl bis auf vierzig—, ist durch Mühewaltung Dr. Köhlers im Vereine mit dem früheren Landrat wieder lebendig geworden und spendet aufs neue seine Gaben mit freigebiger Hand.
Und wenn heute von der Wand der Aula die Gedenktafel mit den Namen der im Weltkriege gefallenen Lehrer und Schüler unsere Jugend mahnt, daß das Wohl der Gemeinschaft über dem persönlichen Glücke steht, so ist auch dieses weihevolle und ernste Erinnerungsmal in erster Linie auf die Anregung und die Arbeit des früheren Direktors zurückzuführen.
Trotz der schweren Bürde, die auf seinen Schultern lastete, fand Dr. Köhler immer noch Zeit über den Rahmen seiner Amtspflichten hinaus seine Kraft in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen mochte es sich darum handeln, den Verwundeten den harten Weg zum Lazaren zu erleichtern, die


