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geographische, geologische Vorträge der Schüler, darunter ein Referat über das Deutsche Museum, seine Geschichte, Er- stehung und Einrichtung gingen voraus. Angeschlossen hatte sich der Fahrt auch Herr Oberstudienrat Hertlein.
Am Morgen des 3. juli standen wir endlich schwerbepackt auf dem Bahnhofe unserer Lullusstadt, trotz der dicken, grauen Nebelschwaden, die über Hersfeld und dem Fuldatale lasteten, eitel Sonnenschein in unseren Herzen: trug uns doch der Zug der leuchtenden Sonne des Südens entgegen und in eine unbekannte Ferne. Ueber Würzburg, Nürnberg, Treuchtlingen erreichten wir in ununterbrochener Fahrt am Abend des ersten Tages München. Wenn auch die Unterkunft in der Jugendherberge weder ihrem Rufe, noch unseren Erwartungen entsprach, so nahmen wir doch die Unbequemlichkeiten leichten Herzens in Kauf, weilten wir doch im lsarathen mit seinen reichen Kunstschätzen und wundervollen Museen. Für die Hauptstadt des Bayernlandes waren vier Tage bestimmt, der Löwenanteil fiel auf den Besuch des in der Welt einzig dastehenden Deutschen Museums. Am ersten Tage nahmen wir einen allgemeinen Ueberblick über die endlosen Sammlungen und studierten an den anderen Tagen in Gruppen je nach Interesse und Veranlagung einzelne Abteilungen genauer. Die historisch⸗ästhetisch Gestimmten verwandten einen Teil der Zeit auf die Pinakotheken, die Glyptothek u. ä., in die alle anderen Teilnehmer am letzten Tage kürzer schauten.
Die Münchener Eindrücke waren so vielseitige und gewaltige, daß wir es fast als Erlösung betrachteten, als uns der ratternde Zug am Morgen des 8, Juli über Kempten-Immenstadt in die Herrlichkeit der Allgäuer Alpen nach Oberstdorf trug.
Der Besuch der Breitachklamm, deren Felswände sich kerzengerade, zu schwindelnder Höhe emporredken, während tief unten die Breitach mit Donnergetöse ihre schäumenden Wasser durch dunkle Felsentore drängt, war allen ein dauerndes Erlebnis, nicht minder aber der Aufstieg zum Nebelhorn(2224 m) aus der Glut der brennenden Julisonne über Schluchten und Abgründe hinweg in die einen halben Meter dicke Schneelage des Gipfels. Und wenn auch das Nebelhorn seinem Namen Ehre machte und sein Haupt eigenwillig in dicke Schwaden barg, so enthüllte sich doch ab und zu„Durch den Riß nur der Wolken“ die ganze uns zu Füßen liegende Pracht und bot einen Ausblick vom stolzen Hochvogel und den drohenden Spitzen der Höferts bis zu den Lichtaler, Tiroler und Schweizer Bergen.
Durch eine Landschaft voll Anmut und Liebreiz, von den leuchtendsten freudigsten Farben übergossen, durch tau- frisch duftende Talgründe, über sanfte Matten im Wechsel mit schattigen einladenden Tannen- und Buchenwäldern stürmte nach zwei Tagen das„Feuerroß“ mit uns nach dem schönen Lindau. Ein jubelruf ertönte aus aller Munde, als in der Ferne zum ersten Male die blauen, glitzernden Fluten des Schwäbischen Meeres auftauchten. Der schöne, von Künstlerband geschmückte kühle Schlafsaal der Jugendherberge lud uns nach einem erfrischenden Bade im See ein zu willkommener Ruhe nach den hinter uns liegenden Anstrengungen. 3
Die frühe Morgensonne des nächsten Tages erblickte uns schon auf der weiten Fläche des Bodensees, den unser Dampfer stampfend durchfurchte. In Rorschach, dem bekannten Luftkurorte, betraten wir zuerst den Schweizer Boden. Die Grenzformalitäten waren leicht überwunden, und schon nahm uns der bereitstehende Zug auf, um uns an dem herrlichen Wallensee entlang, aus dem steil wie eine gigantische Mauer die ehrwürdigen Churfirsten mit ihren zackigen Graten in den Himmel streben über Glarus nach Linthal zu bringen.
In der brennenden Mittagshitze begann der Aufstieg auf der vielgewundenen Klausenstraße, die zu den landschaftlich schönsten Alpenübergängen gehört, zur Paßhöhe 1932 mtr. In märchenhafter Pracht erglühten ringsrum die schneebedeckten Firnen und boten Bilder von unvergeßlicher Herrlichkeit. Der Abend auf dem Klausenpaß war unstreitig der Höhepunkt unserer Fahrt.
Der Abstieg am frühen nächsten Morgen durch den 115 mtr. langen Seelitaltunnel auf mäßig fallender Straße überraschte uns immer wieder durch großartige Ausblicke auf die Bergwelt und auf den tief unten brausenden Schächen. Ueber Urigen, Spiringen, Bürglen gings leichtbeschwingten Herzens trotz der immer stärker wirkenden Sonnenstrahlen nach Altdorf. Hier wurde im Schatten des bekannten Telldenkmals von Kißling kurz gerastet, denn alles drängte nach dem Vierwaldstätter See. Die Fahrt über seine blaue Fluten gehörte wiederum zu den Glanzpunkten unserer Wanderung. Die Tell- kapelle, der Axenstein, das Rütli, die beiden Mythen, der Schillerstein zogen vorüber, die Tellsage und Schillers unsterbliches Werk wurden lebendig. Die hohen spitzen Türme der Hofkirche in Luzern kündeten das baldige Ende der wundervollen Fahrt.
Der Besuch der Museen, der Hofkirche mit ihrem wundervollen Orgelkonzert füllten restlos die beiden für Luzern bestimmten Tage. Damit hatte der schönste Teil unserer Wanderfahrt ihr Ende erreicht. Die Rückfahrt sollte über die Rheinfälle und Konstanz angetreten werden. Noch einmal standen wir an den obst- und weinschweren Gestaden des herrlichen Sees, dessen Schönheiten schon die Römer priesen und auf dem sie eine Flotille hielten. Die Domkirche in Konstanz, der Marktplatz, der Konziliensaal, an dessen Mauern einst der See brandete, erzählten uns von schidksals- schweren, bedeutsamen Vorgängen. Bevor wir Abschied nahmen von diesem schönen Fleckchen Erde standen wir in dem


