Jahrgang 
1924
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Volks⸗ und Vaterlandslieder. Zur Uebung im rhythmischen, melodischen und harmonischen Hören diente das Tondiktat. Die Schüler der IV bis Ol, soweit sie gesangfähig waren, bildeten zwei Abteilungen; OOlI umfaßten einen Männerchor, UIl bis IV einen 3 4 stimmigen Knabenchor. Beide Abteilungen zusammen übten in einer Stunde wöchentlich als großer gemischter Chor. Ge- sungen wurden mehrstimmige Lieder kirchlichen und weltlichen Inhalts, daneben Chorwerke, die mit oder ohne Instrumentalbegleitung bei Schulfeiern und beim Hausmusikabend zum Vortrag ge- langten. Im Anschluß an die Einübung der Chorwerke wurden den Schülern theoretische Belehrungen, auch einiges aus der Musikgeschichte und der musikalischen Formenlehre mitgeteilt. Neben dem großen Chor bestand ein kleiner a capella⸗Chor, dem die besten Sänger der Schule angehörten. Gepflegt wurde hier das alte geistliche Lied und das alte und neue Volkslied. In einer Instrumental- stunde vereinigten sich die Schüler, die Violine, Laute und Klavier spielen; geübt wurde alte Musik von Bach und Händel. Durch unterrichtliche Vorbereitung und nachherige Besprechung öffentlicher Konzerte, die den Schülern gegen geringes Eintrittsgeld zugänglich waren, erfuhr die Schulmusikpflege eine wesentliche Erweiterung.

2. Zeichenunterricht.

In den unteren Klassen wurde vornehmlich im Anschluß an eigene Erlebnisse und Märchen, aus der Phantasie und aus dem Gedächtnis gezeichnet. Einzelne Aufgaben wurden als Buntpapier- schnitt und Linoleumdruck ausgeführt.

In den übrigen Klassen wurde auch das Zeichnen aus dem Gedächtnis nach Gegenständen geübt, Kunst⸗ und Naturobjekte nach Modell und perspektivische Ansichten von Teilen des Innen- raumes und des Straßenbildes gezeichnet. Phantasiezeichnen schloß sich an persönliche Erlebnisse, Zeitereignisse und den übrigen Unterrichtsstoff an. Der Förderung des Geschmackes, des Form- und Farbgefühls dienten Stempeldrucke und freie Ornamententwürfe. Einzelne Schüler drückten sich durch Linol⸗ und Scherenschnitt und Pinselzeichnen aus.

In allen Klassen fanden einige Kunstbetrachtungen statt, die in OIll und UIl durch Besuch der Gemäldegalerie und der Ausstellungen im Kunstverein zu Cassel vertieft wurden.

Am wahlfreien Zeichnen beteiligten sich 8 Schüler. Die geringere Teilnehmerzahl gegen früher erklärt sich dadurch, daß für die Klasse UII, die früher die stärkste Beteiligung aufwies, im Schuljahr 1924/25 Zeichnen zum erstenmal Pflichtfach wurde.

3. Turnen, Sport und Schwimmen.

Der Turnbetrieb erfuhr trotz der Neuordnung bei uns keme wesentliche Nenderung. Die Verteilung der Turn⸗ und Spielstunden, wie sie bisher festgesetzt war, wurde nunmehr gut⸗ geheißen, d. h. es wurden für den einzelnen Schüler 2 Turnstunden morgens und 2 Spielstunden am Nachmittag angesetzt. Rußerordentlich schwierig gestaltete sich die Verteilung der Klassen auf die vorgeschriebenen 14 Turn⸗ und Spielabteilungen. Es wurden 8 Turn⸗ und 6 Spielabteilungen gebildet. Für das Turnen mußten die Doppelklassen VI bis UIll und Oll mit Ul zu je einer Turnabteilung zusammengeschlossen werden. Noch schwieriger war die Bildung der Spielgruppen: 80 00 Schüler waren der Leitung eines Lehrers unterstellt, meist 23 Klassen. Der eine Spiel⸗ nachmittag zugleich für alle ließ sich trotz der zur Verfügung stehenden drei Plätze nicht durchführen; schon bald wurden die älteren und jüngeren Schüler auf 2 Nachmittage verteilt. Neben der großen Schülerzahl bereitete die Rücksicht auf die auswärtigen Schüler weitere Hemmungen, ebenso die