Jahrgang 
1914
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setzt wurde und nach Marburg übersiedelte. Mit ihm schied aus dem Amte ein Mann von lauterster und vornehmster Gesinnung, begeistert für alles Schöne, Edle und Gute, der sein ganzes Selbst in den Dienst unserer Schule gestellt hatte; ihr hat er viele Jahre lang in unermüdlicher Tätigkeit und aufopfernder Fürsorge für Lehrer und Schüler seine Dienste geweiht zum Segen aller derer, die seiner Obhut anvertraut waren. Seinen Amtsgenossen wußtte er durch sein Beispiel, sein freundliches Entgegen- kommen, durch billige Berücksichitgung ihrer Persönlichkeit Liebe und Freudigkeit zum Beruf zu erwecken und frisch zu erhalten; seinen Schülern war er ein zweiter Nater, der sie mit liebevoller Hand zur sittlichen Reife führte und aus dem reichen Schatze seines Wissens ihnen Belehrung zuteil werden ließ. Wie große Liebe er sich überall erworben hat, zeigte sich in dem regen Wetteifer, den alle Kreise der Stadt betätigten, um ihm beim Abschied ihre Verehrung zu bezeugen. Seine jetzigen und früheren Schüler brachten ihm einen Fackelzug dar, bei dem der Primaner Rosenthal und stud. Stern den Gefühlen der Anhänglichkeit Ausdruck gaben; unter starker Beteiligung der Bürgerschaft Hersfelds fand eine Abschiedsfeier statt, wo Herr Prof. Dr. Schaaf in tiefempfundenen Worten den Scheidenden der Dankbarkeit und der Liebe der Zurück- bleibenden versicherte. Im Tage des Schulschlusses verabschiedete sich Herr Direktor Steiger von der Anstalt, der er so lange als Lehrer und als Leiter angehört hat; bei dieser Gelegenheit dankte ihm Herr Prof. Klippert nochmals für alles, was er Lehrern und Schülern Gutes erwiesen.

S. Majestät der Kaiser und KRönig verlieh dem Scheidenden in Anerkennung seiner treuen Dienste den Charakter als Geheimer Studienrat.

An seine Stelle trat mit Beginn des Winterhalbjahres der Unterzeichnete*). Er wurde am 14. Oktober in sein Amt eingeführt, wobei Herr Provinzial-Schulrat Kanzow ihn im Namen der vorgesetzten Behörde begrüßte und in ausführlicher Rede über die Pflichten seines neuen Amtes sprach. Herr Prof. RKlippert richtete an ihn freundliche Worte des Willkommens namens des Lehrerkollegiums. Der Unterzeichnete dankte für die ihm erwiesene Freundlichkeit, sprach die Hoffnung aus, daß es ihm ver- gönnt sein möge, mit Unterstützung seiner neuen Amtsgenossen zum Segen der ihm anvertrauten Anstalt zu wirken, und wandte sich dann an die Schüler in einer längeren Ansprache, in der er Zweck und Ziel des höheren Schulunterrichts auseinandersetzte.

*) Carl Köhler, geboren am 16. Oktober 1864 zu Berlin, besuchte das Luisenstädtische Gym- nasium daselbst, studierte von 1883 bis 1887 in Berlin klassische Philologie und Geschichte. Im Mai 1888 von der dortigen Universität zum Dr. phil. promoviert, widmete er sich zunächst wissenschaftlichen Hrbeiten, bestand dann Februar 1891 in Berlin das Staatsexamen, war Seminarkandidat am Sophiengymnasium und legte das Probejahr am Rgl. Joachimsthalschen Gymnasium ab, an dem er Michaelis 1895 als Oberlehrer und Adjunkt angestellt wurde. Ostern 1896 wurde er an das Rgl. Französische Gymnasium beurlaubt, von Neu- jahr bis Ostern 1901 an das Kgl. Gymnasium in Friedeberg i./N., seitdem war er am Kgl. Wilhelmsgymnasium in Berlin tätig. Ostern 1906 bis Ostern 1908 weilte er im Auftrage des Ministeriums zu wissenschaftlichen Urbeiten in Italien. Am 15. Dezember 1908 wurde er zum Professor ernannt. Erschienen sind von ihm außer einer Anzahl von Aufsätzen und Rezensionen in Fachzeitschriften: Das Verhältnis Kaiser Friedrichs II. zu den Päpsten seiner Zeit, Breslau 1888; Wirtschaft, Recht und Verfassung im Karolingerreiche, Stuttgart 1891.