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Zahlreiche Kundgebungen aus den Kreisen der Schüler gaben Zeugnis für die Liebe und Anhänglichkeit, deren sich der Heimgegangene bei seinen Schülern erfreut hatte. Das Lehrerkollegium widmete ihm folgenden Nachruf:
„Unser Lehrerkollegium verliert in ihm einen treuen, charaktervollen Mitarbeiter, der Staat einen Diener von unbedingter Zuverlässigkeit und Pflichttreue. Sein Herz schlug warm für alles Edle und Gute, und in selbst- loser Hingebung an seinen Beruf that es ihm keiner zuvor. Wir werden stets in Verehrung und Liebe des edlen Mannes und treuen Kollegen gedenken.“
Der äußere Lebenslauf des Dahingeschiedenen war sehr einfach.
Er wurde geboren am 17. Februar 1849 in Strenz-Naundorf in der Provinz Sachsen, wo sein Vater Pfarrer war. Er besuchte zuerst das Gymnasium in Zeitz und dann das Gymnasium in Schleusingen, Wo er Herbst 1870 die Reifeprüfung bestand. Hierauf studierte er auf der Universität Halle klassische und deutsche Philologie und erwarb durch eine Prüfung pro facultate docendi am 23. Oktober 1876 das Oberlehrerzeugnis. Von Ostern 1877 bis dahin 1878 versah er eine Hülfslehrerstelle an dem Gymnasium in Marburg und wurde Ostern 1878 als ordentlicher Lehrer an dem Realprogymnasium in Biedenkopf angestellt. Im Herbst 1887 wurde er an das hiesige Gymnasium versetzt. Am 4. April 1893 erhielt er den Titel Professor und am 28. April 1898 den Rang der Räte 4. Klasse..
Am 16. Februar wurden von Schülern des Gymnasiums im Bolenderschen Saale das oben genannte Festspiel„Zwei Jahrhunderte unter dem Schwarzen Adler“ und die Dichtung von Hermann Müller„Die Heinzelmännchen in Köln“ aufgeführt. Der Reinertrag wurde dem hiesigen„Vaterländischen Frauenverein“ überwiesen.
Am 21. Februar fand unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Dr. Kaiser die Reifeprüfung statt.
Am 5. März wurde auf mehrfach ausgesprochenen Wunsch die oben erwähnte Schüleraufführung zum Besten der Burenfrauen und kkinder wiederholt.
Des Todestages Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I. wurde am 10. März bei der gemeinsamen Morgenandacht in der Aula Erwähnung gethan.
Über die Gesundheitsverhältnisse an der Anstalt ist folgendes zu berichten.
Oberlehrer Dr. Sänger war durch ein schwereres Leiden genötigt, von den Sommerferien ab der Schule fern zu bleiben. Von der so schnell und unerwartet zum Ende führenden Krankheit des Professors Kraatz ist schon oben berichtet worden. Die übrigen Lehrer mußten zwar fast alle zeitweise wegen Krankheit vertreten werden, aber doch immer nur auf wenige Tage.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut. Doch hatten wir den Verlust eines lieben Schülers zu beklagen. Der Quartaner Karl Breitung, Sohn des Herrn Oberlandmessers Breitung hier, verschied am 26. Juli infolge einer schnell verlaufen- den akuten Krankheit. Er wurde von Schülern der oberen Klassen zu Grabe getragen, und die während der Ferien hier anwesenden Lehrer und Schüler gaben ihm das letzte Geleite.
Mit dem Schluß des Schuljahres verläßt uns Oberlehrer Tiemann, um an das Domgymnasium in Magdeburg überzutreten. Er hat 9 Jahre an unserer Anstalt gewirkt und hinterläßt den Ruf eines überaus pflichtgetreuen und tüchtigen Lehrers, dessen unermid- lichem Eifer viele Schüler großen Dank schuldig geworden sind. Unsere besten Wünsche
begleiten ihn in seine neue Stellung.


