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Am Abend des Tages führte die Gymnasiastenkapelle den Zapfenstreich aus. Darauf vereinigten sich die Schüler der drei oberen Klassen in der schön geschmückten Turnhalle zu einem Festtrunk, an dem fast alle Lehrer und einige Freunde der Anstalt teilnahmen.
Der Festtag selbst— der 2. September fiel auf einen Sonntag— wurde durch den von der Gymnasiastenkapelle ausgeführten Weckruf eingeleitet.
Am 7. September besuchte Herr Schulrat Küpers im Auftrage des Herrn Mi- nisters unsere Anstalt, um von dem Turnbetrieb Kenntnis zu nehmen. Der Herr Schulrat wohnte dem Turnunterricht in der Oberprima und der Untertertia, ferner den Turnspielen auf dem vor dem Thore gelegenen Spielplatz des Gymnasiums bei und besuchte auch die Badeanstalt. Er sprach sich über die von ihm gemachten Wahrnehmungen, über die Leistungen und Einrichtungen an unserer Anstalt sehr befriedigt aus und bedauerte nur, daß die Turnhalle zu klein sei und der Nebenräume vollständig entbehre.
Am 10. September fand unter dem Vorsitz des Unterzeichneten die Reifeprüfung statt. Am 17. September fiel der Unterricht aus, damit die Schüler dem in unserer Nähe sich abspielenden Divisionsmanöver zuschauen konnten.
Das Winterhalbjahr begann am 8. Oktober mit der Aufnahmeprüfung.
Am 9. Oktober wurden nach der gemeinschaftlichen Morgenandacht die neu auf- genommenen Schüler von dem Unterzeichneten durch Handschlag verpflichtet.
Am 11. Oktober wohnte der Direktor der märchenhaft schönen Feier auf der Saalburg bei und schilderte am 12. den Primanern den überwältigenden Eindruck, den die ganze Feier, vor allem aber die so warm der deutschen Jugend gedenkenden Worte Sr. Majestät des Kaisers gemacht haben.
Am 18. Oktober hielt Oberlehrer Wassermeier die Ansprache zum Gedächtnis Kaiser Friedrichs III.
Vom 2. bis zum 17. November nahm der Direktor abermals an Beratungen über die Regelung der orthographischen Frage teil, die im Unterrichtsministerium zu Berlin- gepflogen wurden.
Am 18. Januar 1901 teilte der Herr Geheime Regierungsrat Provinzialschulrat D. Dr. Lahmeyer dem Direktor mit, daß nach der neuen Verteilung der Geschäfte im Provinzial- schulkollegium das Hersfelder Gymnasium nicht mehr zu seinem Amtsbereich gehöre. Die- warmen und sehr freundlichen Worte, mit denen der Herr Geheimrat diese Mitteilung begleitete, fanden im Kollegium lebhaften Widerhall, und der Unterzeichnete handelt im- Sinne des ganzen Kollegiums, wenn er auch an dieser Stelle dem Gefühle des Dankes, den das Hersfelder Gymnasium während einer so langen Reihe von Jahren dem Herrn- Geheimen Regierungsrat schuldig geworden ist, warmen und herzlichen Ausdruck gibt.
Am 18. Januar wurde unter großer Beteiligung der Bürgerschaft das Krönungsfest in der Aula des Gymnasiums durch einen Aktus gefeiert, bei dem Professor Hafner die Festrede hielt. Von den Schülern der Anstalt wurde u. a. Karl Heys„Festgesang zu Preußens Jubeltage am 18. Januar“ vorgetragen. Am Abend waren die Schüler der 3. obern Klassen zu einem Festtrunk in der schön geschmückten Turnhalle des Gymna-


