Jahrgang 
1900
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werden, daß die erste junge Dame, die wir an unsrer Anstalt zu prüfen hatten, allen An- forderungen in ehrenvollster Weise genügt hat.

Das Winterhalbjahr begann am 9. Oktober mit der Aufnahmeprüfung.

Am 10. Oktober wurden nach der gemeinschaftlichen Morgenandacht die neu auf- genommenen Schüler von dem Direktor durch Handschlag verpflichtet. Im Anschluß daran wurde Professor Dr. Richter, der durch Verfügung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums vom 20. Juni 1899 an das hiesige Gymnasium berufen war, von dem Unterzeichneten in sein neues Amt eingeführt und als Mitarbeiter herzlich willkommen geheißen. Über seinen Lebensgang teilt Professor Dr. Richter folgendes mit:

Professor Dr. Richter, geb. 1847 zu Schloß Pretzsch bei Wittenberg, war nach absolviertem Uni- versitäts-Studium und bestandener Prüfung pro fac. doc. von Michaelis 1869 an cand. prob. am Realgymnasium zu Krefeld, von Ostern 1871 bis Ostern 1876 ordentlicher Lehrer am Realprogymnasium zu Eisleben, bis Ostern 1880 ordentlicher Lehrer am Königlichen Gymnasium zu Flensburg, bis Ostern 1889 Oberlehrer am Königlichen Gymnasium zu Rendsburg, bis Michaelis 1893 Professor am Königlichen Gymnasium zu Glückstadt, dann Professor am Königlichen Gymnasium zu Hadamar, von wo er durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums in Kassel vom 20. Juni 1899 zum 1. Oktober v. J. an das hiesige Königliche Gymnasium versetzt wurde.

Am 18. Oktober hielt Professor Dr. Klippert die feierliche Ansprache.

Am 19. November verließ uns wieder der Wissenschaftliche Hülfslehrer Dr. Metzen, nachdem er seine schwierige Aufgabe mit bestem Erfolge gelöst hatte.

Am 20. November nahm Professor Kraatz, durch einen Urlaub von drei Monaten wesentlich gestärkt und erfrischt, seine Thätigkeit wieder auf. Allein nur wenige Tage sollten wir uns der wiedererlangten Vollständigkeit des Lehrerkollegiums erfreuen.

Schon am 23. November mußte Oberlehrer Dr. Heermann, dessen Gesundheits- zustand schon lange zu Besorgnissen Anlaß gegeben hatte, seine Arbeit einstellen und auf ärztlichen Rat einen längeren Urlaub erbitten, um in einer Nervenheilanstalt für seine Leiden Heilung zu suchen. Der Urlaub wurde ihm am 27. November gewährt. Mit seiner Ver- tretung wurde abermals der Wissenschaftliche Hülfslehrer Paul beauftragt.

Die von Allerhöchster Stelle aus angeordnete festliche Ansprache am letzten Schul- tage des scheidenden Jahrhunderts hielt Professor Hafner.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde wie immer in festlicher Weise be- gangen. Am Vorabend führte die Gymnasiastenkapelle den Zapfenstreich aus und den Fest- tag selbst eröffnete sie mit den frischen Klängen des Weckrufes. Bei der öffentlichen Feier in der Aula, die sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte, hielt Oberlehrer Dr. Stamm die Festrede. Im Anschluß daran überreichte der Direktor dem Primus omnium Heinrich Ruelberg das durch Befehl Sr. Majestät des Kaisers für einen besonders guten Schüler der Anstalt bestimmte Exemplar des Prachtwerkes von Georg Wislicenus: Die deutsche Seemacht sonst und jetzt, ferner den Ersten aus den 10 übrigen Klassen von I2 bis VI je ein Exemplar des schönen Werkes von Georg BüxensteinUnser Kaiser. Am Abend war für die Schüler der drei oberen Klassen in der festlich ge- schmückten Turnhalle eine Feier veranstaltet, an der sich der Direktor und die Mehrzahl der Lehrer beteiligten. Eine größere Anzahl von Gästen, darunter viele Offiziere und ehe- malige Schüler des Gymnasiums, erfreuten uns mit ihrem Besuche und trugen wesentlich zur Verschönerung der Feier bei.