Jahrgang 
1894
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Gottfried Grandpierre, geboren am 21. Oktober 1860 zu Königstein im Taunus, besuchte bis Ostern 1882 das Gymnasium zu Hadamar, studierte in Marburg Philologie und trat am Königlichen Gymnasium daselbst zu Ostern 1887 das Probejahr an. Darautf unterrichtete er im Ausland, bis er zu Herbst 1893 an das Königliche Gymnasium zu Hersfeld berufen wurde.

Am 15. und 16. Dezember unterzog der Provinzialschulrat Herr Geheimrat Dr. Lah- meyer die Anstalt einer Besichtigung. Er wohnte in 17 Lektionen dem Unterricht bei.

Am 26. Januar führte zur Einleitung der Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs die Gymnasiastenkapelle einen Zapfenstreich aus; die Feier des Tages selbst eröffnete sie mit dem Weckruf. Im Anschluß an den Festgottesdienst fand unter großer Beteiligung des Publikums der Festaktus in der Aula statt. Die Festrede hielt Oberlehrer Burhenne.

Am Abend des Tages waren die Schüler mit der Mehrzahl der Lehrer zu einem Festtrunk vereinigt. Festliche Ansprachen, lebende Bilder, Aufführung dramatischer Szenen und musikalische Vorträge wechselten in bunter Reihe und gestalteten den Abend zu einem für alle Teilnehmer unvergeßlichen. Zur Erhöhung der Feststimmung trug es nicht wenig bei, daß der Herr Direktor der hiesigen Kriegsschule und eine große Anzahl der an der Kriegsschule beschäftigten Herren Offizieren uns mit ihrem Besuche erfreuten und ihrer Freude an dem fröhlichen Treiben und der tadellosen Haltung unsrer Jugend lauten Aus- druck gaben.

Am 1. Februar verließ der katholische Religionslehrer Kaplan Schlitt die An- stalt, an der er 1 ¼ Jahre mit Pflichttreue seines Amtes gewaltet hatte. An seine Stelle wurde Kaplan Jestädt perufen, der schon in Kassel als Religionslehrer an höheren Lehr- anstalten beschäftigt gewesen ist.

Am 6. Februar wurde in der Aula eine Abendunterhaltung veranstaltet, bei der u. a., auch die Dichtung Kurt GeißlersZigeunerblut mit den Chören von Julius Beckers Zigeunern zum Vortrag kam. Die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer spendeten den Leistungen unsrer Schüler lebhaften Beifall.

Am 1. März trat Professor Dr. Wachenfeld in den Ruhestand. Seit 2 ½ Jahren wurde er von einem Augenleiden heimgesucht, das anfangs unbedeutend erschien. Immer mehr aber stellte sich allmählich heraus, daß der Heilung des Ubels nichts hinderlicher sei als die von der Ausübung des Lehrerberufs unzertrennliche Anstrengung der Augen. Und so mußte sich denn Professor Wachenfeld mit schwerem Herzen entschließen, vor der Zeit nach seiner sonstigen körperlichen und geistigen Frische, wie nach seinem Alter hätte er noch lange Jahre der Thätigkeit hoffen dürfen von dem ihm so lieb gewordenen Be- rufe, dem er 33 ½ Jahre hindurch, und zwar 17 ½ Jahre an unsrer Anstalt, mit so großem Pflichteifer und mit soviel Freudigkeit obgelegen, Abschied zu nehmen. Das Königliche Provinzialschulkollegium sprach ihm bei der Gewährung seines Gesuches um Versetzung in den Ruhestand für die dem Staate geleisteten Dienste Dank und Anerkennung aus und übersandte am 6. Februar für ihn die Insignien des Roten Adlerordens IV. Kl., den S. Majestät der König ihm zu verleihen geruht hatte. Sein Andenken wird an unsrer Anstalt unvergeßlich bleiben. Möge er das otium cum dignitate noch lange genießen!

Am 5. März fand unter dem Vorsitz des Unterzeichneten am Gymnasium, am 6. am Realprogymnasium die Reifeprüfung statt.

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