Jahrgang 
1892
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Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages Theodor Körners wurde durch eine Schulfeier begangen, pei welcher Professor Dr. Wachenfeld die Ansprache hielt, und die Schüler patriotische Lieder Körners vortrugen.

Am Schluß des Sommersemesters verließ uns-der wissenschaftliche Hülfslehrer Heidsieck, um in Dillenburg die Stelle eines ordentlichen Gymnasiallehrers anzutreten. Das Kollegium verliert in ihm einen treuen und gewissenhaften Mitarbeiter, die Schüler einen ebenso freundlichen wie unermüdlichen Lehrer.

Am 12. Oktober pegann das Wintersemester. Es wurden 12 Schüler aufgenommen. Die Verpflichtung derselben fand zugleich mit der Einführung der beiden neueintretenden Hülfslehrer Dr. Koch und Baumann im Anschluß an die Morgenandacht statt. Uber ihren bisherigen Lebensgang teilen diese folgendes mit:

Jakob Koch wurde am 17. Februar 1862 zu Langenselbold geboren. Er pesuchte von Ostern 1873 bis Ostern 1881 das Gymnasium zu Hanau und studierte dann auf den Universitäten Marburg und Leipzig klassische Philologie und Deutsch. Im November 1885 bestand er die Prüfung pro facultate docendi in Marburg, nachdem er bereits am 1. Oktober desselben Jahres sein pädagogisches Probejahr am städtischen Gymnasium zu Frankfurt a. M. angetreten hatte. Nach Ableistung seiner militärischen Dienstpflicht war er vom Herbst 1887 bis Ostern 1890 an derselben Anstalt, sowie später an der Musterschule in Frankfurt a. M. als unbesoldeter Hülfslehrer thütig. Diese Beschäftigung wurde im Winter 1888 89 durch eine halbjährige Reise nach Italien unterbrochen. Ostern 1890 wurde er am Kaiser Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt a. M., und Herbst 1891 am Königlichen Gymnasium in Hersfeld mit der Verselfung einer Lehrerstelle beauftragt. Im Mai 1891 pestand er in Marburg das Examen rigorosum und wurde auf Grund seiner InauguraldissertationDe carminibus Prisciani grammatici nomine inscriptis zum Doktor der Philosophie promoviert.

Ludwig Baumann, geboren am 16. September 1860 zu Herborn, Reg.-Bez. Wiesbaden, besuchte das Gymnasium zu Dillenburg, das er Ostern 1881 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er studierte in Berlin, München und Marburg klassische Philologie und bestand an letzterer Universität am 12. Februar 1886 die Prüfung pro facultate docendi. Das pädagogische Probejahr leistete er von Ostern 1886 bis dahin 1887 am Königlichen Gym- nasium zu Wiesbaden ab, woselbst er noch bis Ostern 1891 als unbesoldeter wissenschaftlicher Hülfslehrer be- schäftigt war. Von da bis Herbst 1891 war er am Königlichen Gymnasium zu Hanau als wissenschaftlicher Hülfs- lehrer beschäftigt und wurde Herbst 1891 in gleicher Eigenschaft der hiesigen Anstalt überwiesen.

Am 17. Oktober wurde der Geburtstag des hochseligen Kaisers Friedrich festlich begangen. Die Ansprache hielt Gymnasiallehrer Oheim.

Am 15. Dezember fand in der Aula eine Weihnächtsaufführung statt, in der von den Schülern u. a. Zion von Niels Gade und die Geburt Christi aus Mendelssohns unvollendetem Oratorium Christus vorgetragen wurden. Die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer zollten den jugendlichen Sängern reichen Beifall, und es darf gesagt werden, daß deren Leistungen in der That Anerkennung verdienten.

Am Freitag, den 22., und Sonntag, den 24. Januar, wurde von Schülern der Unter- prima in dem Bolenderschen Saale Wallensteins Tod aufgeführt. Es war ein kühnes Unter- nehmen, mit so ungeschulten jugendlichen Kräften eine so gehaltvolle, die feinste psycho- logische Ausmalung verlangende Dichtung darzustellen. Um so größer war für den die Einübung leitenden Kollegen Herrn Gymnasiallehrer Cornelius und für die mitwirkenden Schüler die Freude, als alles so über Erwarten schön gelang, und reicher Beifall des sehr Zahlreich versammelten Publikums ihnen ihre Mühe lohnte..

Am 9. März wurde in einer Schulfeier des Heimgangs weiland Sr. Maj. des Kaisers Wilhelm I. gedacht; die festliche Ansprache hielt der wissenschaftliche Hülfslehrer Stern.