III. Chronik.
Zur Chronik aus dem vorigen Jahre ist noch nachzutragen, daß bei der Schlußandacht am 21. März von dem Direktor des Geburtstages weiland Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm J. gedacht wurde.
Das Schuljahr begann am 6. April mit der Aufnahmeprüfung.
Dem Beginn des Unterrichts am 7. April ging eine gemeinschaftliche Morgenandacht und eine Ansprache des Direktors voraus, in welcher er die wichtigsten Bestimmungen der Schulordnung erläuterte und die Schüler zu deren gewissenhafter Befolgung ermahnte. Im Anschluß daran wurde der mit Verwaltung der 6. Oberlehrerstelle betraute Dr. Bobrik in sein Amt eingeführt, und die neu aufgenommenen Schüler wurden verpflichtet.
Am 28. Mai besuchte Herr Geheimerat Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer die An- stalt und wohnte während 7 Stunden dem Unterricht bei.
Am 15. Juni wurde des Hinganges weiland Sr. Majestät des Kaisers Friedrich III. in einer Ansprache des Gymnasiallehrers Dr. Stamm gedacht. 2
Vom 19. Juni bis zum Beginn der Ferien mußte Gymnasiallehrer Hafner zur Ab- leistung einer militärischen Ubung beurlaubt werden.
Die Sommerferien dauerten vom 4. Juli bis zum 3. August.
Während der Sommerferien, am 18. Juli, erlag Dr. Bobrik einer schweren Krank- heit, die ihn kurz vor den Ferien ergriffen hatte. Nur wenige Monate war es dem schwer heimgesuchten Manne vergönnt, an der hiesigen Anstalt thätig zu sein. Aber die kurze Zeit hatte genügt, ihm die Hochachtung seiner Kollegen und die Liebe seiner Schüler zu er- werben. Die Anstalt verliert an ihm einen Lehrer von hervorragender Begabung und außer- gewöhnlicher Leistungsfähigkeit. Mit voller Liebe und Freudigkeit war er an die ihm hier gestellte Aufgabe herangetreten, und nicht ahnend, wie pald seine, anscheinend unverwüst- liche Kraft gebrochen sein würde, hatte er zwei Monate lang zu seinen 22 Stunden freiwillig noch 6 Stunden für einen erkrankten Kollegen übernommen. Da erfaßte ihn die heimtückische Krankheit, die seiner reichen Wirksamkeit ein so jähes Ende machen sollte. Sein Andenken wird bei uns in Ehren bleiben.
Am 26. August fand zum Teil unter dem Vorsitz des Herrn Geheimerats Dr. L a h- meyer, zum Teil unter dem Vorsitz des Unterzeichneten die Reifeprüfung statt.
Am 2. September wurde der Sedantag unter lebhafter Teilnahme des Publikums durch einen Schulaktus gefeiert, bei welchem Trellers Singspiel„Fürs Vaterland“, kom- poniert von Amand Mangold, zur Aufführung kam.
Am 4. September wurde die Schule ausgesetzt, um den Schülern Gelegenheit zu geben, den Manövern in nächster Nühe der Stadt beizuwohnen.
Am 10. September wurde unter Begleitung einer Anzahl von Lehrern von Schülern der oberen Klassen eine Turnfahrt in das Rhöngebirge gemacht. Dieselbe verlief zu all- gemeiner Zufriedenheit.—


