Jahrgang 
1890
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examen pro facultate docendi. Von Ostern 1887 ab absolvierte er das pädagogische Probejahr am Gymnasium zu Weilburg, nachher war er als Hauslehrer beschäftigt.

Am 16. Dezember starb in seiner Heimat Wehren nach langem Krankenlager ein braver Schüler, Johann Wackerbarth. Obwohl er nur kurze Zeit der Schule angehört, hatte er sich doch das Vertrauen seiner Lehrer und die Liebe seiner Mitschüler erworben.

Die Weihnachtsferien dauerten 14 Tage.

Über die außergewöhnlich ungünstigen Gesundheitsverhältnisse, unter denen das neue Jahr begann, wird weiter unten berichtet.

Am 27. Januar fand unter sehr großer Beteiligung des Publikums die Feier des Ge- burtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs statt. Die Festrede hielt Oberlehrer Bender.

Am 8. März vormittags 11 Uhr fand die Gedenkfeier des Todestages Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I. statt. Die Gedächtnisrede hielt Oberlehrer Dr. Klippert.

Am 14. März wurde wie alljährlich in der Aula eine musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung veranstaltet, die sich großer Anerkennung erfreute. Es wurden 2 größere Tonstücke vorgeführt: 1.Bretagne, Ballade von Rob. Prutz, komp. für Männerchor mit Pianoforte von Werner Nolopp. 2.WManderer und Welle von M. Meißner, für Soli, gemischten Chor und Klavierbegleitung mit verbindender Deklamation in Musik ge- setzt von L. Grosse. Der Reinertrag dieser Vorführung, sowie einer am 20. März im All- gemeinen Bildungsverein veranstalteten Wiederholung derselben wurde zu gemeinnützigen Zwecken verwendet.

Am 17. März fand am Gymnasium, am 18. am Realprogymnasium unter Vorsitz des Unterzeichneten die Reifeprüfung statt. Alle Abiturienten erhielten das Zeugnis der Reife.

Am 22. März vormittags 11 Uhr fand die Gedenkfeier für den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm 1. statt. Die festliche Ansprache hielt Oberlehrer Dr. Becker.

Mit dem Schluß des Schuljahrs verläßt uns Gymnasiallehrer Dr. Schotten, um einem Rufe an das Städt. Realprogymnasium zu Schmalkalden zu folgen. Die Anstalt verliert in ihm einen gewissenhaften, ernst strebenden Lehrer, das Kollegium einen hochge- schätzten, von kollegialischer Gesinnung beseelten Amtsgenossen. Unsere besten Wünsche be- gleiten ihn in seine neue Stellung.

Was die Gesundheitsverhältnisse der Lehrer betrifft, so begann das Schuljahr nicht günstig.

Prorektor Dr. Schmidt mußte die erste Woche, G.-L. Lohmann die ersten 3 ½ Wochen, der technische Lehrer Lindow von der dritten Woche ab 14 Tage lang vertreten werden. Bald darauf erkrankte abermals der Prorektor Schmidt und mußte eine Woche

der Schule fernbleiben. Vom 17. Juni an lag O.-L. Dr. Becker an einer schweren Krankheit

darnieder, er konnte erst nach den Sommerferien seine Thätigkeit wieder aufnehmen. Die erste Woche nach den Sommerferien mußte O.-L. Dr. Klippert wegen Krankheit vertreten werden.

Noch viel ungünstiger war der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern im Wintersemester. Gymnasiallehrer Oheim erkrankte einige Wochen nach Beginn des Unter- richts und war am Schluß des Semesters noch nicht wieder völlig hergestellt. Nach Neujahr herrschte die Influenza in der Stadt so heftig, daß kaum ein Haus vollständig verschont blieb.