Jahrgang 
1889
Einzelbild herunterladen

26

auf der Universität zu Marburg dem Studium der Philologie. Nachdem er im August 1863 dietheoretische Prüfung für Bewerber um ein ordentliches Lehramt an Gelehrtenschulen bestanden hatte, trat er am 31. Oktober 1863 als Praktikant an dem Gymnasium zu Hersfeld ein. Nach Ablauf des Probejahres wurde er mit Aushülfe im Unterricht an demselben Gym- nasium beauftragt. Nachdem er im März 1865 die sog. praktische Prüfung vor der Gymna- sial-Kommission zu Marburg bestanden hatte, wurde er Ostern 1865 mit Versehung einer Lehrerstelle an dem Gymnasium zu Kassel beauftragt und bald nachher durch Allerhöchstes Reskript vom 10. Mai zum Hülfslehrer ernannt. Am 30. Mai 1866 erlangte er von der philo- sophischen Fakultät zu Marburg die Doktorwürde, Im Jahre 1868 wurde er zum ordentlichen Lehrer und im Jahre 1875 zum Oberlehrer befördert; Ostern 1882 wurde er an das Gymna- sium zu Rinteln und von da zu Ostern 1888 an das hiesige Gymnasium versetzt. Im Druck erschien von ihm die Dissertation: De L. Junio Gallione rhetore; ferner die Abhandlung: de moribus veterum Britannorum als wissenschaftliche Beilage zu dem Programm des Kasseler Gymnasiums von 1872; und: Kurzgefaßte Lateinische Stilistik. Leipzig bei Teubner 1880. (3. Aufl. 1886).

Adolf Giesse, geb. in Paris den 29. März 1858, besuchte die Gymnasien zu Montabaur, Weilburg und Greifswald, wo er im Herbst 1882 das Maturitätsexamen bestand. Hierauf studierte er neuere Sprachen und Germanistik in Berlin und Marburg, war an letzterer Univer- sität ein Jahr hindurch Lektor der französischen Sprache, bestand daselbst im Februar 1888 das Examen pro fac. doc. und wurde zu Ostern desselben Jahres dem hiesigen Gymnasium zur Ablegung des Probejahres überwiesen.

Von dei 1. Juni ab wurde der Leutnant der Reserve Kandidat Mascher zu einer achtwöchentlichen Dienstleistung einberufen.

Am 8. und 9. Juni machten die oberen Klassen in Begleitung des Unterzeichneten und einer Anzahl Lehrer eine Turnfahrt, mit welcher der Besuch der Herrigschen Luther-Festspiele in Kassel verbunden wurde. Obwohl die Turnfahrt kürzer war als alle die vorhergegangenen, an welche sich die schönsten Erinnerungen der ehemaligen Hersfelder Gymnasiasten knüpfen, so war sie doch durch die Verbindung künstlerischer Genüsse mit den Freuden, welche der An-

lick herrlicher Naturschönheiten gewährt, nicht minder reich als jene. Unter den Klängen unserer trefflich eingeschulten Gymnasiastenkapelle marschierten unsere Schüler in straffer Haltung durch Kassel nach der Aue und von dort nach anderthalbstündiger Erholung und Anhörung eines Gartenkonzertes nach dem Stadtpark, wo das Luther-Festspiel aufgeführt wurde. Uber- wältigend wur der Eindruck, den dasselbe auf die empfängliche Jugend machte, und begeistert stimmte sie mit ein in die vom Publikum mitgesungenen Lutherlieder. Nach Beendigung des Festspiels zogen wir nach Wahlershausen, wo für Abendessen und Nachtquartier gesorgt war, und durchstreiften am nächsten Tage den Habichtswald von den 11 Buchen bis zum Brassels- berg, stets aufs neue staunend über die außerordentliche Fülle von Schönheit, welche über diese herrliche Gegend ausgegossen ist.

Vorzüglich bewährte sich auch bei dieser Gelegenheit die militärische Einrichtung, die