Jahrgang 
1887
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keit wenigstens teilweise wieder auf. Leider mußte aber während des ganzen Semesters der Oberlehrer Berlit, den eine hartnäckige Erkältung bereits am Schlusse des Sommersemes- ters an das Haus gefesselt hatte, von der Schule fern bleiben. Doch war es dank der Bereit- willigkeit des Lehrerkollegiums möglich, seine Stunden so zu verteilen, daß die bezüglichen Klassenpensa, Lateinisch und Griechisch in Oberprima, Griechisch und Geschichte in Unter- prima, durchgeführt werden konnten. Während der letzten beiden Monate mußte auch Gym- nasiallehrer Lohmann wegen Krankheit vertreten werden. Die Durchführung der ihm ge- stellten Klassenaufgaben würde, da die Kollegen bereits durch ihre eigene Aufgaben und Vertretung anderer Lehrer stark in Anspruch genommen waren, sehr schwierig gewesen sein, wenn nicht Kandidat Noll mit dankenswerter Bereitwilligkeit die schwerere Hälfte der dem erkrankten Kollegen zufallenden Arbeit 5 St. Latein in Realsekunda und 7 St. Griechisch in Obertertia auf seine Schultern genommen hätte.

Im übrigen waren zwar länger andauernde Vertretungen nicht erforderlich; doch kam es nicht selten vor, daß zu gleicher Zeit mehrere, während einer Woche sogar sechs, Leh- rer krank waren. Der Gesundheitszustand der Schüler war im ganzen günstig. Obgleich ein halbes Jahr hindurch Fälle von Diphtheritis in der Stadt ziemillich häufig waren, wurden doch nur wenig Schüler von der gefährlichen Krankheit ergriffen, und keiner ist ihr unterlegen.

Am 23. Januar gab die Schule in ihrer Gesamtheit einem Schüler, welcher der Anstalt nur kurze Zeit angehört hatte, das letzte Geleite. Der Untersekundaner William John wurde in der Blüte der Jugend den Seinigen, die so große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatten, durch den Tod entrissen.

Am 10. März wurde in der Aula des Gymnasiums eine musikalische Abendunterhal- tung veranstaltet, in welcher Schillers Glocke in der Komposition von Max Bruch auf- geführt wurde. Eine Wiederholung der Aufführung fand am 19. März statt; dieselbe wurde durch einen auf den nahen Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers hinweisenden, von Gymnasial- lehrer Cornelius gedichteten und von einem Primaner gesprochenen Festprolog eingeleitet. Der reiche Beifall, welchen beidemal die Aufführung von seiten des sehr zahlreich erschienenen Publikums fand, war in der That wohl verdient. Denn der unermüdlichen Sorgfalt des Ge- sanglehrers Berge und dem Fleiß der Schüler war es gelungen, das herrliche Tonwerk so vorzuführen, daß es allen Anforderungen, die man an eine derartige Schüleraufführung stellen kann, in erfreulicher Weise genügte. Der Reinertrag wurde teils der Luisenstiftung, teils dem Kapital zur Gründung einer neuen Freitischstelle zugewendet.

Am 21. März beteiligte sich das Gymnasium in seiner Gesamtheit an einem festlichen Fackelzuge zur Vorfeier des Geburtstags Sr Majestät des Kaisers; am 22. fand unter großer Beteiligung des Publikums in der Aula eine Feier statt, bei welcher Gymnasiallehrer Hartwig die Festrede hielt.

Am 24. und 25. März fand die mündliche Reifeprüfung statt. Den Vorsitz führte am 24. vormittags der Unterzeichnete, am 24. nachmittags und am 25. vormittags Herr Pro- vinzialschulrat Dr. Lahmeyer, am 25. nachmittags wieder der Unterzeichnete. Allen 21 Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt.