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Am 30. April gaben die Schüler der unteren Klassen einem ehemaligen Mitschüler, Hermann Müller, das letzte Geleit. Der liebenswürdige Knabe hatte sein sehr lang- wieriges Leiden bis zu seiner Erlösung mit bewundernswerter Geduld und Ergebung getragen und besaß die Liebe aller, die ihn näher kannten.
Am 22. Mai starb der emeritierte Gymnasialoberlehrer D r. Rit z. Die ganze Anstalt geleitete den erst vor kurzem in Ruhestand getretenen geliebten Lehrer zur letzten Ruhestätte.
Vom 8. bis 10. Juni machten 133 Schüler in Begleitung des Direktors und 6 ande- rer Lehrer eine Turnfahrt über Elm, Steckelsburg, Brückenau auf den Kreuzberg, über Bischoffs- heim und von da nach Gersfeld, über die Wasserkuppe, die Milseburg, Kleinsassen und Fulda zurück. Dieselbe verlief ohne Störung und Unfall zur allgemeinen Zufriedenheit. Die Schüler bewiesen ihre Dankbarkeit für die ihnen bereitete Freude durch tadellose Haltung auf dem Marsche und in den Quartieren. Für alle Beteiligten wird die Erinnerung an die schönen Tage und an die herzliche Gastfreundschaft, welche ihnen die Einwohner von Gersfeld ge- währten, unvergeßlich sein. Dem Unterzeichneten aber gereicht es zu besonderer Freude, dem Herrn Dr. Seiz und seinen Freunden zu Gersfeld für die aufopfernde Mühe und Arbeit, mit der sie die Bequartierung unseres kleinen Heerhaufens ins Werk gesetzt, auch hier noch einmal herzlichen Dank zu sagen.
Die Sommerferien begannen am 3. Juli und dauerten 4 Wochen.
Auch in diesem Jahre war der Gymnasiallehrer Hafner als Reserveleutnant zur Dienstleistung einberufen und mußte für die Zeit vom 1. Juni bis zum Beginn der Sommer- ferien vertreten werden.
Am 30. August nahm der Dirigent der Königlichen Zentral-Turnanstalt in Berlin, Herr Professor Dr. Euler, eine Revision des Turnunterrichts an unserer Anstalt vor und sprach sich im ganzen recht befriedigt über Haltung und Leistungen unserer Schüler aus. Dem Hauptübelstande, der zu rügen war, daß nämlich die Turnhalle für die Bedürfnisse der Anstalt nicht ausreiche, wird leider nicht leicht abzuhelfen sein.
Die Feier des Sedanfestes fand in der herkömmlichen Weise statt; dem festlichen Aktus in der Aula, bei welchem der Unterprimaner Dithmar über die Ereignisse des Jahres 1870 von der Schlacht bei Sedan an einen Vortrag hielt, wohnte ein zahlreiches Publikum bei.
Das Sommersemester wurde am 23. September geschlossen, das Wintersemester be- gann am 9. Oktober.
Während des Wintersemesters mußten wiederholt erkrankte Lehrer längere Zeit hindurch vertreten werden. Doch dank der großen Bereitwilligkeit, mit der die Mitglieder des Kollegiums auch schwerere Mehrarbeiten für ihre leidenden Kollegen übernahmen, war es möglich, die Klassenpensa überall durchzuführen. 1
Am 21. Februar wurde in der Aula des Gymnasiums eine musikalische Abendunter- haltung veranstaltet, in welcher Schillers Glocke in der Komposition von A. Romberg aufgeführt wurde. Die Leistung wurde von den sehr zahlreichen Zuhörern mit freundlichstem Beifall aufgenommen. Anerkennung gebührt besonders der unermüdlichen Thätigkeit des Ge- sanglehrers Berge, welcher die UÜbungen und die Aufführung geleitet hat. Der sich auf 96 Mark belaufende Reinertrag der Abendunterhaltung ist zu gleichen Teilen dem Freitischfonds, dem hiesigen Verein gegen Verarmung und dem Unterstützungsverein hessischer Volksschul- lehrer zugewiesen worden.
Das Kapital der Münscherstiftung beträgt 2809,86 Mark. Das Stipendium wurde den Primanern Hermann Eichhöfer und August Siebert mit je 54 Mark verliehen.
Der Fonds zur Gründung eines neuen Freitisches beträgt 918,76 Mark, hat sich also um 64,15 Mark vermehrt.


