Jahrgang 
1888
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Unſer Lob können wir ſchließlich jenen Werkführern nicht verſagen, die bei der Ausführung des wohlgelungenen Werkes beteiligt geweſen, insbeſondere dem Herrn Stadtbaumeiſter Klein, der es verſtand, mit verhältnismäßig geringen Mitteln ein ſeinem Zwecke in jeder Hinſicht entſprechendes Gebäude zu er⸗ richten, das zugleich durch ſeine geſchmackvolle Ausführung der Stadt Heppenheim zur Zierde gereicht. Somit wäre denn nun ein nach einem wohldurchdachten Plane, auf ſoliden Fundamenten auf⸗ gerichtetes Gebäude ſeinem Gebrauch übergeben. Nach wenigen Stunden werden Lehrer wie Schüler in gehobener Stimmung die nene ſtattliche Schwelle überſchreiten, um hier das Werk ihres geiſtigen Bauens fortzuſetzen und einer glücklichen Vollendung entgegenzuführen. Oder iſt nicht unſer Wirken und Streben hier ein geiſtiges Bauen, ein Bauen auf ſoliden Fundamenten, ſtetig fortſchreitend, immerfort aufwärts ſtrebend?

Was uns Lehrer betrifft, ſo darf ich, dieſe feierliche Stunde benutzend, den Herrn Vertretern des Großherzoglichen Miniſteriums die Verſicherung erneuern, daß wir nach Kräften bemüht ſein werden, in dieſem neuen Heim den geiſtigen Bau der Jugendbildung auf der Grundlage eines wohldurchdachten Planes fortzuſetzen und ſeiner Vollendung entgegenzuführen. Ja ich darf es im Namen meiner ſämt⸗ lichen Herrn Kollegen hier ausſprechen: Unſer unabläſſiges Bemühen ſoll es ſein, eingedenk der hohen Verant⸗ wortlichkeit, die jeder Erzieher mit ſeinem Amte übernommen, dahin zu ſtreben, daß in dieſem neuen Hauſe neben der gewiſſenhaften Pflege des Unterrichts Zucht und gute Sitte ganz beſonders in Ehren gehalten werde, daß wir der Deviſe uns ſtets bewußt ſein werden, die man über dem Portale ähnlicher Bauwerke, wie das unſrige, lieſt: musis, moribus sacrum, ein Heiligtum der Muſen und guten Sitten!

Damit aber, meine lieben Schüler, jener Bau, von dem ich hier im Bilde rede, ſeiner Vol⸗ lendung entgegenwachſe, dürft ihr nicht müßig und teilnahmslos euch verhalten. Ihr könnt euch noch zum Teil erinnern, wie in dem heißen Sommer des verfloſſenen Jahres die Bauleute dieſes Haus, in dem wir uns heute zum erſten Male befinden, aufgeführt haben, wie ſie im Schweiße ihres Angeſichtes von der frühen Morgenſtunde an bis zur Stunde der Dämmerung unabläſſig thätig waren, wie ſie auf einem tief in den natürlichen Boden geſenkten ſoliden Fundamente in geſchickter Weiſe die Steine zu⸗ ſammenfügten es waren oft zentnerſchwere Blöcke, die ſie mit großer Mühe und Kraftanſtrengung an den Ort ihrer Beſtimmung gebracht, wie ſie es ferner verſtanden, dieſe Steine in einer kunſtgerech⸗ ten Form ſo mit einander zu verbinden, daß das vollendete monumentale Werk als eine Zierde unſerer Stadt betrachtet werden darf.

Mit dieſen Worten aber, teure Schüler, dürfte ich eure Lage, Beſtimmung und Arbeit zur Ge⸗ nüge angedeutet haben. Oder in welcher Lage befindet ihr euch denn? Nehmt ihr vielleicht eine Son⸗ derſtellung unter den Millionen von Menſchen ein, denen insgeſamt als Los die Arbeit beſchieden iſt? Iſt es vielleicht eure Jugend, die euch gewiſſe Vorrechte vor anderen Menſchen einräumt, die euch ins⸗ beſondere berechtigt, die Hände ruhig in den Schoß zu legen, während andere mit einem ſauren Tage⸗ werk ſich abquälend, den täglichen Lebensunterhalt für euch erwerben? Dürfte eure Lage eine ange⸗ nehmere ſein, als die jener Bauleute, von denen ich eben redete, die in der Gluthitze der Sonne ſchweiß⸗ triefend dieſen Bau aufführten! Obliegt euch doch eine ähnliche Aufgabe wie ihnen, und was iſt euer Wirken und Schaffen anders als ein geiſtiges Bauen, das alle eure Kräfte vollauf in Anſpruch nimmt und die Entfaltung einer regen Thätigkeit während eurer ganzen Jugendzeit erheiſcht?

Jetzt, liebe Schüler, ſteht es noch in eurer Macht, euch eine mehr oder weniger angenehme Zukunft zu ſichern. Jeder einzelne von euch iſt ſich nochſeines Glückes Schmied! Es kommt eben alles darauf an, daß ihr das Talent, das euch der liebe Gott anvertraut, nicht vergrabet, daß ihr vielmehr damit Wucher treibt, indem ihr eure Jugendzeit in vorteilhafter Weiſe gewiſſenhaft ausnutzet.

Damit ihr nun aus euren Mühen und Sorgen auch die rechten Vorteile erzielet und euer Bauen kein vergebliches ſei, ſo ſehet zunächſt zu, worauf ihr bauet. Achtet darauf, daß das Fundament recht dauerhaft und feſt ſei, ein Fundament, das nicht nachgibt, auch wenn die Laſt noch ſo ſchwer auf ihm ſich auftürmt. Ein ſolches Fundament aber, das für den Aufbau von Kenntniſſen geeignet ſein dürfte, und das mögen namentlich die Schüler der unteren Klaſſen beherzigen gewährt nur die Tüchtig⸗ keit in den Elementarübungen. Unterlaßt ihr es, in den unteren Klaſſen gewiſſenhaft Tag für Tag den Anforderungen, die an euch geſtellt werden, zu genügen, dann dürft ihr euch nicht wundern, wenn