— 8—
Vericht
über den Verlauf der Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes der höheren Bürgerſchule am 18. September 1887.
G=
Die Einweihungsfeier unſeres neuen Realſchulgebäudes verlief gemäß dem vom Großherzoglichen Miniſterium genehmigten Feſtprogramm in folgender Weiſe:
Nachdem ſämtliche Schüler der Anſtalt dem Gottesdienſt ihrer Religionsgemeinde beigewohnt, bewegte ſich gegen 12 Uhr der Feſtzug unter den feſtlichen Klängen der hieſigen ſtädtiſchen Muſikkapelle von dem alten Realſchulgebäude aus nach dem Rathauſe, woſelbſt ſich die inzwiſchen angekommenen Feſtgäſte dem Zuge nach dem neuen Schulgebäude anſchloſſen.. 3
Die Beteiligung an dem Feſtzuge wie auch an der ſich unmittelbar anſchließenden offziellen Schulfeier in dem Zeichenſaal des neuen Realſchulgebäudes war ungemein zahlreich. Unter anderen Ehrengäſten waren als Vertreter Großherzoglicher Staatsregierung Herr Geheimer Staatsrat von Knorr und Herr Geheimer Oberſchulrat Greim erſchienen.
Die offizielle Schulfeier begann mit dem von den Schülern ſämmtlicher Klaſſen geſungenen Pſalm:
„Machet die Thore weit“ v. J. H. Lützel,
worauf der Schüler der I. Klaſſe Georg Sailer aus Bensheim nachſtehenden, von Herrn Lehrer Hornef verfaßten Prolog vortrug:
„Freudig erſchallt frohlockender Jubel des herrlichen Feſtes, „Fröhlichen Herzens Willkomm klinget dem Gaſte zum Gruß! „Warum auch ſollten wir nicht uns freuen des herrlichen Tages, „Da der vollendete Bau Widmung und Weihe erhält! „Stolz erhebt ſich das Haus, gar trefflich dem Zwecke entſprechend: „Würdiges Denkmal der Stadt, Zeuge des opfernden Sinns, „Und aus den freudigen Herzen quillet in mächtigem Drange „Inniger, warmer Dank allen den Förd'rern des Bau's. t„Opfer wohl hat es gefordert, doch galten ſie edlem Zwecke, und „Heppenheim brachte ſie gern, zeugend von eben dem Geiſt, „Der da im Ringen und Kämpfen erhabene Macht und Größe „Unſeres Volkes erſchuf. Daß doch der Väter Sinn „Nimmer entartend verbleibe in unſeren fernſten Geſchlechtern: „Jener erhabene Sinn, der, die beherrſchende Macht „Geiſtiger Bildung erkennend, meſſend die Größe des Volks nach „Maß ſeines ſittlichen Thuns,— würdigt das menſchliche Sein. „Hat ja doch Gott uns gegeben nicht nur die Stärke des Arms, „Nicht nur des Formens Geſchick. Jenes hat auch der Löw', „Dieſes die Künſtlerin Biene. Menſchen erſt ſind wir geworden, „Bilder des ſchaffenden Gotts, da uns der göttliche Hauch „Geiſt und Seele verliehen: fähig erhebender Bildung, „Darum im engſten Verein pflegen wir Körper und Geiſt. „Wiſſen und Können verbunden bekunde das menſchliche Wirken,


