Durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 9. Juni wurde der Lehrer a. G. Herr Georg Häuser zur Teilnahme an einem Fortbildungskursus für Ge- sanglehrer in Köln vom 15.—27. Juni einberufen. 1
Herr Oberlehrer Dr. Jung nahm als Geschworener an der Schwurgerichtssitzung in Limburg am 22. und 23. Juni teil.
Dem Herrn Professor Hesse wurde zum früheren Beginn einer für die Sommerferien in Aussicht genommenen Badekur der nachgesuchte Urlaub für die Zeit vom 9.—17. Juli gewährt.
Der Kandidat des höheren Lehramts Herr Dr. Georg Boos vom Gymnasium zu Esch- wege wurde am 20. August zur Fortsetzung des Probejahres unserer Anstalt überwiesen, am 8. Februar aber durch Kriegsbeorderung einberufen und dem Rekrutendepot Wetzlar zugeteilt(vgl. 8).
Der anstellungsfähige Kandidat Herr Joseph Auer wurde nach Verfügung der Behörde vom 18. August ab als wissenschaftlicher Hilfslehrer voll beschäftigt.
5. Schulgebäude. In dem Südflügel des Schlosses, der, soweit er noch nicht dem Gymnasium gehörte, mit den daran stoßenden Gärten von der Verwaltung des Zentral- Studienfonds schon vor dem Berichtsjahre angekauft worden war, ist der erste Stock durch Instandsetzung der einzelnen Räume und künstlerisch vollendete Erneuerung des wertvollen Stukks und der Deckengemälde zu einer schönen und geräumigen Dienst- wohnung des Direktors hergerichtet worden. Der Plan, den großen Raum hinter der neuen Aula im zweiten Stock in seiner südlichen Hälfte zur Aufnahme des physikali- schen Cabinetts. in der nördlichen zum Zeichensaale umzugestalten, harret noch der Ausführuug. Nach Vollendung dieser Arbeit würde die äußere Ausgestaltung der Anstalt zu einem gewissen Abschluß gebracht sein.
6. Revision. Am 26. Mai wurde eine außergewöhnliche Revision der hiesigen Gymna- sialkasse durch einen Beamten des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vorgenommen.
Am 16. Juli beehrte der Direktor des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterrichte in verschiedenen Klassen bei.
7. Reifeprüfung. Zur Not-Reifeprüfung wurden alle Primaner zugelassen, soweit sie den Voraussetzungen des M.-E. vom 1. 8. 1914 entsprachen. Da alle zum Heeresdienste drängten, wurden sie, sobald die erforderlichen Bescheinigungen der Eltern und der Mili- tärbehörde vorlagen, gruppenweise in den Tagen vom 7.—18. August der Prüfung unter- zogen. Alle Prüflinge erhielten das Zeugnis der Reife.
S. Der Krieg und unsere Schule. Als mitten in den stillen Sommerferien die Kriegs- fanfare Deutschlands Söhne zum heiligen Kampfe rief und ein gewaltiger Sturm der Be- geisterung durch die deutschen Lande brauste, da Waren auch die Lehrer und Schüler des Gymnasiums in Hadamar nur von dem einen großen Gedanken an die Abwehr feind- licher Niedertracht erfüllt. Alle beseelte der eine Wunsch, dem Vaterlande mit ganzer Kraft zu dienen, wo immer es sei. Vom Lehrerkollegium traten sofort 6 Mitglieder ins Heer ein: 1) Herr Professor Dr. Friedrich Peters. der als Oberleutnant d. R. im Januar 1907 seinen Abschied genommen, aber für den Fall einer Mobilmachung sich der Militär- behörde zur sofortigen Verfügung gestellt hatte und nachmals(am 6. 2. 1915) zum Haupt- mann befördert wurde. 2) Herr Professor Oskar Bosing, am 24. 12. 1914 vom Vizefeldwebel und Offzierstellvertreter zum Leutnant d. L. befördert, 3) Herr Oberlehrer Dr. Jung, Leutnant d. R., 4) Herr Oberlehrer Carl Ruez, Gefr. d-R., 5) Herr Probekandidat Richard Schmitt, der ein Jahr vorher seiner Dienstpflicht als Einjährig-Freiwilliger genügt hatte, und 6) Herr Probekandidat Ferdinand Müller als Ersatzreservist. Leider ist Herr Richard Schmitt seit dem 22. August als„vermißt“ bezeichnet, und alle Nachforschungen sind bis zur Stunde ergebnislos geblieben.— Am 8. Februar wurde weiterhin Herr Probe- kandidat Dr. Georg Boos als Ersatzreservist eingezogen.
Erhebende Stunden waren es für den Unterzeichneten und das ganze Lehrerkollegium, als sämtliche nach dem M.-E. in Frage kommenden Primaner sofort um Zulassung zur Notreife-Prüfung baten, um möglichst bald zur Fahne zu kommen, und außer diesen noch 2 Schüler der UI, 2 der OII und 6 der UII in schnellem Entschlusse ins Heer


