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Mit dem gleichen Termin übernahm der Unterzeichnete die Leitung des Gymnasiums, nachdem der um unsere Anstalt hochverdiente Herr Gymnasialdirektor Dr. Grimmelt. am 1. November 1913 in gleicher Eigenschaft an das Königliche Gymnasium in Paderborn versetzt worden war(S. Jahresbericht 1913 14) und Herr Professor Hesse die Amtsge- schäfte des Direktors bis zum 1. 4. 1914 mit hingebender Pflichttreue wahrgenommen hatte.— Die Einführung fand am 22. April statt. Nach einem Hochamte in der Pfarr- kirche, das Herr Professor Leber zelebrierte, versammelten sich das Lelrrerkollegium und die Schüler in der neuen Aula. Der Direktor des Königlichen Provinzial-Sc hulkol- legiums zu Cassel Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler sprach in seiner Einführungsrede zunächst dem Herrn Professor Hesse für die aufopfernde und gewissen- hafte Verwaltung der Direktorialgeschäfte die Anerkennung und den Dank der Königli- chen Staatsregierung aus. gedachte dann in ehrenden Worten der großen Verdienste der Herren Direktoren Dr. Widmann und Dr. Grimmelt um die äußere uud innere Ausgestal- tung der Anstalt und forderte den Unterzeichneten auf, im Geiste seiner Amtsvorgänger weiter zu arbeiten und in der ihm anvertrauten Jugend vor allem die JFdeale der Gottes- furcht, Vaterlandsliebe und Arbeitsamkeit zu pflegen. Wahre Gottesfurcht, die der Weisheit Anfang sei und in ihrer Betätigung mit dem Festhalten an dem überliefer- ten Glauben die Achtung vor jeder ehrlichen anderen Uberzeugung verbinde, tue gerade unserer Zeit not. Die opferfreudige Liebe zum Vaterlande aber werde im Herzen des studierenden Jünglings entzündet im bewundernden Aufblick zu all den Helden. die seit, der Erstürmung der Düppeler Schanzen, deren 50. Gedenktag wir eben jetzt feierten, bis zur Aufrichtung des neuen Hen'sohen Reiches in unserem Volk erstanden seien, deren leuchtendes Vorbild edelster Vaterlandsliebe die deutschen Jünglinge in ihrem Pflichtenkreise nachahmen sollten, damit auch sie, wenn einst ihr König rufeé. freudig bereit seien, Gut und Blut für die Ehre und Macht des geliebten Vaterlandes einzusetzen. Zur Achtung der treuen Arbeit im Dienste der Pflicht solle der Jüngling mit Strenge und Liebe erzogen werden. Die Staatsbehörde vertraue, daß es dem Direktor im Verein mit einem berufs- und arbeitsfreudigen Kollegium gelingen werde, den schwierigen An- forderungen, welche die höhere Schule an ihre Leiter und Lehrer stelle, gerecht zu werden.
Herr Professor Hesse begrüßte darauf, nachdem er für die anerkennende Beurteilung seiner Amtsführung durch den Herrn Oberregierungsrat gedankt hatte, den neuen Direk- tor im Namen der Amtsgenessen und versicherte ihn für seine verantwortungsreiche Tä- tigkeit der freudigen Unterstützung durch das Lehrerkollegium.
In seiner Erwiderung gab der Unterzeichnete zunächst dem Gefühle des Dankes gegen Gott Ausdruck. durch dessen gnädige Fügung er nunmehr an der Spitze der An- stalt stehe, deren Schüler er gewesen sei und die ihn vor 28 Jahren mit dem Zeugnis der Reife ins Leben entlassen habe. In zweiter Linie galt sein Dank dem Herrn Oberregierungsrat, dessen Wohlwollen er nächst der Gnade des Königs die Ehre seiner Ernennung verdanke, und dem Vertreter des Lehrerkollegiums für die freund- liche Begrüßung. Alsdann legte er die Grundsätze dar, nach denen er sein Amt zu ver- walten gedenke, und führte durch konkrete Beispiele aus dem Kreis der Schulschrift- steller aus, welch hohen Wert in ethischer und ästhetischer Beziehung noch heute die Beschäftigung mit dem klassischen Altertum auch für die deutsche Jugend in sich berge, erkannte aber gleichzeitig die gewaltige Bedeutung der Naturwissensch aften und der Technik an, die heute Forderungen an die höhere Schule stellten, denen das Gymnasium trotz seiner im altsprachlichen Unterricht begrün- deten Eigenart im Rahmen der preußischen Lehrpläne sehr wohl gerecht werden könne.— Mit der eindringlichen Ermahnung der Schüler zu trenem Fleiß, willigem Gehorsam- und steter Liebe zur sittlichen Reinheit und zur Wahrheit im Denken, Reden und Handeln schloß der Unterzeichnete seine Ausführungen.
Der Gymnasialchor leitete die Feier mit dem Liede„Gott grüße dich“ ein und schloß sie mit dem Gesang:„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“—
Am 26. Mai wurde dem Oberlehrer Herrn Professor Hesse von Seiner Majestät dem König der Rote Adler Orden IV. Klasse allergnädigst verliehen.


