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Die Herren Kandidaten Dr. Braum, Lehmann und Dr. Widmann verließen mit dem
Schlusse des Schuljahres die hiesige Anstalt; an ihre Stelle traten die Herren Probe- kandidaten Seis und Dr. Schmidt.
Der Probekandidat Herr Dr. Georg Jung wurde am 1. April als Oberlehrer ange-
stellt; zu derselben Zeit wurde dem Gymnasium als Oberlehrer überwiesen der Hülfs- lehrer Herr Dr. Alexander Conradi.
Herr Gymnasialdirektor Dr. Widmann wurde durch Ministerialerlaß vom 30. Juni zum 1. Oktober an das Königliche Paulinische Gymnasium in Münster i. Wfl. versetzt. Er hat das Gymnasium in Hadamar 7 ½ Jahr mit großer Umsicht, Geschick und Tatkraft geleitet und sich unvergängliche Verdienste um dasselbe erworben. Um ihrer Liebe und Verehrung gegen den scheidenden Direktor, der ebenso ausgezeichnet war durch Reichtum des Wissens wie durch Freundlichkeit des Wesens, Ausdruck zu geben, brachten ihm die Schüler am 27. September einen glänzenden Fackelzug dar. Unsere herzlichsten Wünsche folgen ihm in seinen neuen Wirkungskreis.—
An die Stelle des Herrn Direktors Dr. Widmann trat der Unterzeiclmete, Dr. Bern- hard Grimmelt, der durch Allerhöchste Bestallung vom 3. August zum Königlichen Gym- nasialdirektor ernannt worden war, nachdem er vorher 5 Jahre das Stiftische Progym- nasium Nepomucenum in Rietberg geleitet hatte. Seine Einführung in das neue Amt
fand am 16. Oktober statt. Die Feier wurde durch ein Hochamt in der Pfarrkirche,
eingeleitet, das Herr Prof. Dr. Bertram zelebrierte. Danach versammelten sich das Lehrerkollegium und die Schüler in der alten Aula. Hier hieß der Direktor des König- lichen Provinzial-Schulkollegiums. Herr Oberregierungsrat Dr. Pähler, in seiner Begrüßzungs- rede den Unterzeichneten im Namen der vorgesetzten Behörde willkommen, gedachte dann in ehrenden Worten der großen Verdienste, die sich Herr Direktor Dr. Widmann um die Anstalt erworben habe, wies seinen Nachfolger auf die schweren Pflichten seines verantwortungsvollen Amtes hin und ermahnte ihn, im Unterrichte dem Scheinwesen und der Abrichtung zu wehren, die Förderung des selbständigen Denkens der Schüler stets im Auge zu behalten und ihre Ausbildung zu charaktervollen Persönlichkeiten sich an- gelegen sein zu lassen, damit sie mit gereifter Erkenntnis und starkem Pflichtgefühl auf dem Grunde weiterbauen könnten, der in der Schule gelegt sei, die Jugend in der Liebe zu unserm herrlichen geeinten Vaterlande und zu unserem Kaiser und Herrn zu erziehen und sie in wahrer Gottesfurcht und frommer Sitte zu fördern. Darauf übergab er ihm mit herzlichen Glück- und Segenswünschen die Allerhöchste Bestallung.
Dann begrüßte Herr Professor Hesse im Namen des Lehrerkollegiums den neuen Direktor und versprach ihm treue Mitarbeit an dem Werke der Erziehung und Aus- vildung der unserem Gymnasium anvertrauten Jugend.
Der Unterzeichnete gab in seiner Erwiderung zunächst dem Gefühle des Dankes gegen Seine Majestät den König Ausdruck, durch dessen Gnade er in seine neue Stellung perufen sei; dann dankte er dem Herrn Oberregierungsrat für die freundliche Begrü- Bung und dem Vertreter des Lehrerkollegiums für die herzliche Bewillkommnung. Darauf legte er dar, daß die Eigenart des Gymnasiums auf dem Unterrichte im Griechischen beruhe und daß es mit ihm stehe und falle. Er zeigte, in welchem Verhältnisse unsere Kultur zur griechischen stehe, welche Anschauung unsere Klassiker von dem Werte und der Bedeutung der griechischen Kunst und Literatur gehabt. und welche Verän- derung diese Auffassung im Laufe der Zeit erfahren habe. Aber trotz der veränderten Auffassung habe die griechische Kultur auch heute noch die größte Bedeutung für uns, weil die Bekanntschaft mit ihr uns erst das Verständnis unserer eigenen Kultur erschließe, deren Wurzeln im klassischen Altertume lägen, und weil eine reiche Fülle geistbildender Kräfte in ihr enthalten sei. Daher müßten wir befürchten, eine unwieder-
bringliche Einbuße an geistigen Gütern zu erleiden, wenn wir nicht den griechischen


