Jahrgang 
1877
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Wieder von vorne beginnt der Jahrhunderte mächtiger Kreislauf. Schon kehrt die Jungfrau zurück, es kehrt das Reich des Saturnus Und ein neues Geschlecht entsteigt dem erhabenen Himmel.

Sei dem kommenden Knaben, mit dem das eiserne Alter

Schliesst und die goldene Zeit ringsum erbliibhet im Weltall,

Sei, o keusche Lucina, ihm hold, schon herrscht dein Apollo. Wahrlich dies Heil der Zeit wird unter dir, Pollio Consul,

Fangen an; bald werden die grossen Monde heraufziehn.

Ja durch Dich, wo noch bleibt von den Spuren unsrer Verschuldung, Wird es getilgt und befreit vom ewigen Schrecken die Länder. Jener(der Sohn) wird göttliches Leben empfahn und Heroen mit Göttern Wandeln sehn, ja selbst mit unter ihnen erscheinen,

Und in des Vaters Kraft den friedlichen Erdkreis beherrschen. Unbebaut wird zuerst, o Knabe, kleine Geschenke,

Rankenden Epheu hier, dort Narden und holden Akanthus

Mit Colokasien dir die Erd' in Fülle bescheeren.

Selber wird dann die Ziege mit milchgeschwollener Euter Heimziehn, und nicht mehr fürchten das Rind den gewaltigen Löwen. Selbst die Wiege wird Dir erblühn in schmeichelnden Blumen,

Es wird sterben die Schlange; die tückische Pflanze des Giftes Stirbt und es blüht ringsum Assyriens edles Amomum.

Aber sobald nun Heldengesang und Thaten des Vaters

Du zu lesen vermagst, und was Tugend sei zu erkennen,

Wird mit sanfter Aehre die Flur allmählig sich gelben,

Und am wildernden Dorn wird hellroth hangen die Traube,

Ja auch harten Eichen enttropft dann thauiger Honig.

Wenig sodann sind Spuren des alten Truges mehr übrig,

Die zu versuchen in Schiffen das Meer, die schirmende Mauern Städten zu baun und zu spalten das Land mit der Furche gebieten. Dann ist ein anderer Tiphys, es fährt eine andere Argo

Auserkorne Heroen, ja dann sind andere Kämpfe

Und es wird wieder gen Troja gesandt ein andrer Achilles.

Drauf, wenn, stärker nunmehr, zum Mann dich gebildet das Alter, Weicht der Schiffer auch selbst aus dem Meer, es segelt die Fichte Nicht mehr zum Tausch; denn Jegliches wächst in jeglichem Lande. Nicht den Karst wird dulden die Flur, nicht die Hippe der Weinberg; Schon auch löset die Stiere vom Joch der stämmige Pflüger.

Nicht mehr lernet die Wolle den Lug vielartiger Färbung,

Nein selbst hüllt auf der Aue der Widder sich bald in des Purpurs Liebliche Röthe das Vliess und bald in feurigen Safran,

Und von selber umglüht Scharlach die weidenden Lämmer.

Solche Jahrhunderte rollt, o rollt ihr Spindeln! so sprachen Strenge das feste Gebot des Schicksals ordnend, die Parcen.

Nimm, o nimm, schon nahet die Zeit, die erhabenen Ehren