Jahrgang 
1928
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4 Am 8. März wurde ein Elternabend abgehalten, der der heiteren Muſe gewidmet war. Es wurden drei ſzeniſche Bilder mit Geſang vorgeführt. Der zahlreiche Beſuch zeigte, daß unſere Veranſtaltungen ſich großer Beliebtheit erfreuen. Am 24. Oktober fand ein Elternabend ſtatt, bei dem Frau Dr. Kempf von der Sozialen Frauenſchule in Frankfurt am Main das Thema: Weibliche Berufe. Möglichkeiten und Ausſichten behandelte.

Daß auch die bildenden Künſte in unſerer Schule zu ihrem Rechte kommen, beweiſt die Kunſtmappe, die Zeichenlehrer Schäfer als Feſtgabe zur erſten Reifeprüfung unſerer Studien⸗ anſtalt herausgab. Sie enthält 12 Blätter, die ſelbſtändige Arbeiten und geiſtiges Eigentum der Schülerinnen ſind, in deren Händen auch die Herſtellung der Druckſtöcke in Holz und Linoleum und der Zinkplatten lag. Bloß der Steindruck eines Aquarells mußte von einer Steindruckerei ausgeführt werden. Die Vervielfältigung wurde auf eigener Kupferdruckpreſſe vorgenommen.

Die Arbeiten beweiſen ein hohes Können und ſorgfältige Ausbildung der Schülerinnen, zeigen aber auch, wie unſer Zeichenunterricht auf praktiſche Betätigung in der Kunſt ausgeht, um ſo neben der allgemeinen Formalbildung ein tieferes Verſtändnis der Werke der bildenden Kunſt zu erzielen. Während der Ferien wird die Mappe in der Buchhandlung von Keißner (Schulſtraße 6) ausliegen.

Am heſſiſchen Jugendfeiertag(24. Juni) machte unſere Schule Klaſſenſpaziergänge.

Den Höhepunkt unſeres Schullebens bildete eine Rheinfahrt, die wir am 9. Juli unter nahmen. Ein Sonderzug brachte uns nach Mainz, von wo wir auf einem Dampfer nach Rüdes⸗ heim fuhren. Auf dem Schiff herrſchte bald fröhlichſte Stimmung, die durch die flotten Weiſen einer Kapelle weſentlich geſteigert wurde. In Rüdesheim angelangt, marſchierten die Klaſſen, nach dem Niederwalddenkmal, wo eine kleine, aber eindrucksvolle Feier abgehalten wurde. Nach dem Geſang des Liedes:Ich kenn einen hellen Edelſtein, hielt der Direktor eine kurze Anſprache, die in einem Hoch auf das Vaterland ausklang. Es wurde nun das Lied:Ich hab' mich er geben geſungen, worauf St.⸗R. Freitag im Auftrage des Vereins für das Deutſchtum im Ausland Ehrenpreiſe an drei Schülerinnen verteilte, die ſich in der Werbewoche des V. D. A. beſondere Verdienſte erworben hatten. Nach ihm ergriff ein zufällig am Denkmal anweſender Deutſcher, der durch den Verſailler Vertrag polniſch werden mußte, das Wort. In bewegten Worten dankte er der Jugend für die Freude, die ſie ihm durch die vaterländiſche Feier bereitet hatte. Er bat, auch den Volksgenoſſen im Oſten, die außerhalb der deutſchen Grenzen leben müſſen, die Treue zu halten.

In Aßmannshauſen nahm uns der Dampfer wieder auf. Bei prächtigem Wetter ging es nach Koblenz, wo wir gegen 17 Ahr ankamen. Anter Führung einiger Schülerinnen der Hilda⸗Schule wurde die Stadt gruppenweiſe beſichtigt. Am 19 Ahr wurde der Sonderzug wieder beſtiegen, 215s Ahr kamen wir wieder wohlbehalten in Gießen an.

Wir dürfen der Aeberzeugung ſein, daß dieſe Rheinfahrt in unſeren Schülerinnen un⸗ vergeßliche Eindrücke hinterlaſſen hat.

Von Ausflügen ſei die achttägige Studienreiſe der Oberprima(25. 6.3. 7.) erwähnt, die unſere O.¹, unter Führung ihres Klaſſenführers St.⸗R. Dr. Lenz, in den ſüdlichen Schwarz⸗ wald und an den Bodenſee führte. Die Schülerinnen hatten ſchon ſeit Jahren dafür geſpart.

Die Verfaſſungsfeier, bei der Frl. Birnbaum die Anſprache hielt, fand am 20. Auguſt ſtatt.

Am 14. Oktober feierten wir den achtzigſten Geburtstag unſeres Reichspräſidenten Hindenburg. Die Anſprache für die Klaſſen VI, V. IV hielt Reallehrer Appel; für die übrigen der Direktor.