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Am 28. Januar fand eine Feier zu Ehren des heſſiſchen Staatspräſidenten Karl Alrich ſtatt, der an dieſem Tage ſeinen fünfundſiebzigſten Geburtstag begehen konnte. Hierbei ſprach Oberreallehrer Kunkel.
Am 19. November verſammelten wir uns, um in einer einfachen, aber ſtimmungsvollen Feier der im Weltkrieg Gefallenen zu gedenken.
Der körperlichen Ertüchtigung unſerer Schülerinnen gilt nach wie vor unſere größte Aufmerkſamkeit. Der Turnunterricht wird nach den Grundſätzen neuzeitlicher Gymnaſtik erteilt. Dienstag nachmittags haben die Schülerinen aller Klaſſen Gelegenheit für 20 Pfennige die Schwimmhalle zu benutzen. Zwei Klaſſen haben gemäß der amtlichen Beſtimmungen eine pflichtmäßige Schwimmſtunde. Die Spielſtunden konnten infolge der ſchlechten Witterung im Sommer leider nur ſehr unregelmäßig gehalten werden.
Daß unſere Schülerinnen gerne Turnen und Sport treiben, beweiſt die große Zahl der⸗ jenigen, die an den Reichsjugendwettkämpfen am 7. September teilnahmen. Es waren 63, von denen 35 ausgezeichnet wurden.
Anſere Ski⸗Gruppe konnte in dieſem Winter leider nur an recht wenigen Tagen ihrem ſchönen Sport obliegen.
Im Laufe des Sommerhalbjahres wurde ein orthopädiſcher Turnkurſus eingerichtet. Dem Bericht des ärztlichen Leiters, Herrn Dr. Heiß vom Aniverſitätsinſtitut für Körperkultur, ent⸗ nehmen wir folgendes:
Im Juni 1927 wurden 160 Mädchen der 3 unterſten Klaſſen des Lyzeums auf Fehl⸗ haltungen hin unterſucht.
Alle Kinder, bei denen hierbei irgend welche abnorme Veränderungen feſtgeſtellt wurden, wurden zur genauen AÄnterſuchung mit den Eltern ins Inſtitut für Körperkultur beſtellt. Von den 43 zur Nachunterſuchung Erſchienenen wurden 32 zur Teilnahme an einem orthopädiſchen Schulturnkurſus ausgeſucht. Einigen ſchweren Fällen(3) wurde empfohlen, fachärztliche Be⸗ handlung aufzuſuchen.
Bei der Anterſuchung zeigte es ſich, daß im Allgemeinen die körperliche Verfaſſung der Kinder durchaus gut iſt. Ausgehend jedoch von der Erfahrung, daß zwiſchen 10 und 14 Jahren, während der Hauptwachstumszeit der Mädchen, die letzte Möglichkeit beſteht, Haltungsfehler zu beſſern, oder vor allem ein Schlimmerwerden zu verhüten, wurde auch den leichten Fällen von Wirbelſäulen⸗ oder Bruſtkorbdeformitäten eine Teilnahme am orthopädiſchen Schulturnen empfohlen.
Bei einigen Kindern machte der ſchwächliche Allgemeinzuſtand eine Befreiung von den Schulturnſtunden erforderlich, um eine Äberanſtrengung zu verhüten.
Die Kinder turnten zweimal wöchentlich in 2 getrennten Kurſen. Die Einteilung in die Kurſe erfolgte nach ärztlichen Geſichtspunkten, ſo daß in dem einen Kurs Mädchen mit vor⸗ wiegend rechtsſeitiger, im andern vorwiegend linksſeitiger Verbiegung der Wirbelſäule turnten.
Es wurden hauptſächlich aſſymetriſche Abungen ausgeführt. Das Hauptgewicht wurde auf eine richtige Ausbildung der Muskulatur, die für eine Aufrechterhaltung notwendig iſt, gelegt. Einmal wöchentlich wurden die Abungen in der Regel ärztlich überwacht.
Da die meiſtern Eltern das nötige Verſtändnis für derartige Turnkurſe hatten, war es möglich, daß die Kinder immer regelmäßig an den Turnkurſen teilnahmen. Trotz der verhältnis⸗ mäßig kurzen Zeit iſt ſchon bei vielen Kindern ein guter Erfolg der übungen zu erkennen. Die für die aufrechte Haltung nötigen Muskelgruppen ſind bei allen Kindern, die regelmäßig zum üben kamen, gut ausgebildet; bei vielen iſt ſchon eine deutliche Beſſerung der Haltung zu er⸗


