Jahrgang 
1926
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Anterricht einige Zeit hindurch recht empfindliche Störungen, denn die Vertretungen mußte das Kollegium übernehmen. Nur diejenige für Prof. Dr. Markert wurde dem an unſerer Anſtalt als Volontär tätigen Studienaſſeſſor Herta Fleck übertragen.

Der Geſundheitszuſtand der Schülerinnen war normal. Leider haben wir den Verluſt einer Schülerin zu beklagen, die zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigte. Am 31. Dezember 1925 ſtarb Gretchen Becker aus Kl. VIas. Die Lehrer und Lehrerinnen der Klaſſe gaben ihr das letzte Geleite, der Direktor legte für die Schule einen Kranz am Grabe nieder. In der erſten Stunde nach den Ferien fand für die Klaſſe eine Trauerfeier ſtatt, bei der der Klaſſenführer, Oberreallehrer Mulch, die Anſprache hielt.

Der Anterricht im vergangenen Schuljahr blieb frei von den Hemmungen, die ihn in den letzten Kriegs⸗ und den erſten Nachkriegsjahren ſo oft nachteilig beeinflußt haben. Dagegen müſſen ſich die Schulen gegen andere Störungen wehren. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht Filmvorführungen, Deklamationen, Vorträge, Schauſtellungen jeder Art u. ſ. f. angeboten werden. So wertvoll auch jedes Angebot an und für ſich ſein mag, die Schule kann nur in ganz beſonderen Fällen darauf eingehen. Denn der Anterricht würde unter den fortgeſetzten Störungen ſehr leiden, außerdem verurſachen dieſe Veranſtaltungen Koſten, die die große Mehr⸗ zahl der Eltern nicht billigt.

Am 16. September und am 11. und 12. Januar 1926 beehrte Staatsrat Block unſere Schule mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Anterricht in mehreren Klaſſen bei.

Das innere Leben der Schule im Sommerhalbjahr ſtand unter dem Zeichen dreier Ver anſtaltungen.

Zu Pfingſten fand in Kufſtein die Tagung des Vereins für das Deutſchtum im Aus⸗ lande ſtatt. Von unſerer Schule beteiligten ſich 29 Schülerinnen unter Führung der Studienräte Freitag und Schaaf, die bei der Beaufſichtigung in dankenswerter Weiſe von den Lehrerinnen Frl. Hotz und Frl. Mähler unterſtützt wurden. Die Kufſteinfahrt nahm, begünſtigt von gutem Wetter, einen herrlichen Verlauf. Von der gewaltigen Kundgebung des Deutſchtums innerlich gehoben, kehrten alle hochbefriedigt zurück.

Im Sommer 1925 feierte das Rbheinland ſeine tauſendjährige Zugehörigkeit zum deutſchen Reich. Am recht vielen Deutſchen aus dem unbeſetzten Gebiet die Möglichkeit zu geben, den Rhein zu beſuchen, hatte die Köln⸗Düſſeldorfer Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft in Mainz einen Sonderdampfer bereitgeſtellt, der auch den Schulen zu ermäßigtem Preiſe zur Verfügung ſtand. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, unſeren Schülerinnen den Rhein zu zeigen. Am 17. Juni führten wir unſere Rheinfahrt aus, die ganz gewiß für die meiſten unſerer Schülerinnen eine Erinnerung fürs Leben ſein wird.

Am 2. Juli feierte unſere Schule das ſeit einigen Jahren bei uns üblich gewordene Waldfeſt am Georgstempel. Der erſte Teil des Feſtes war eine Rheinlandfeier, bei der Prof. Dr. Markert in zündenden Worten darauf hinwies, daß der Rhein deutſch war, deutſch iſt und deutſch bleiben wird. Hierauf verteilte Studienrat Freitag an fünf Schülerinnen(Emma Schomber 1b, Lieſel Grell Va¹, Edith Roſenthal IVas, Ruth Niemann IVa¹, Paula Vielmetter V a), die bei einer Sammlung für den Verein für das Deutſchtum im Ausland die höchſten Beträge zuſammen⸗ gebracht hatten, ſilberne Anhänger bezw. Nadeln als Prämien. Der zweite Teil des Feſtes brachte Darbietungen der einzelnen Klaſſen(Theateraufführung, Geſänge, Reigen, Tänze, turneriſche Abungen). Der Weg zur Stadt konnte unter den Klängen einer Muſikkapelle zurückgelegt werden, für die Freunde und Gönner unſerer Schule die nötigen Mittel zur Verfügung geſtellt hatten. Auch ihnen nochmals herzlichen Dank!